Dampfen gegen das Rauchen – kann das funktionieren? Eine große Übersichtsstudie (externer Link) des renommierten Cochrane-Netzwerks hat 80 Studien vor allem aus den USA und Großbritannien mit knapp 30.000 Teilnehmern ausgewertet. Ergebnis: Mithilfe von E-Zigaretten oder Vapes schaffen es acht bis zehn Prozent, mindestens sechs Monate rauchfrei zu sein. Mit nikotinfreien E-Zigaretten, Nikotinpflastern, -kaugummis, Pastillen oder Sprays schaffen es nur sechs Prozent. Allerdings bedeutet das auch, dass 90 Prozent der Abhängigen der Ausstieg mit der E-Zigarette nicht gelingt. Das Papier findet keine Aussagen dazu, ob die Enthaltsamkeit auch nach zwölf Monaten noch anhält.
E-Zigarette als Ausstiegshilfe aus der Tabak-Sucht?
Der Lübecker Sucht-Experte Gallus Bischof (externer Link) sieht E-Zigaretten als Chance für Menschen, bei denen andere Methoden nicht greifen und die nach vielen vergeblichen Versuchen fast aufgeben: „Dass da die E-Zigarette ein gangbarer Weg sein und helfen kann, zeigt das Cochrane Review.“ Bischof verweist darauf, dass es eine evidenzbasierte Konsensempfehlung (externer Link) von Expertinnen und Experten gibt, wonach der Wechsel von der Tabak- zur E-Zigarette empfohlen wird für Betroffene, wenn die es nicht schaffen, mit dem Rauchen aufzuhören.
Entwöhnungskurse und Medikamente: Erfolgreicher als E-Zigarette
Tobias Rüther, Suchtmediziner und Leiter der Tabakambulanz (externer Link) am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, weist darauf hin, dass Cochrane-Analysen nur Studien auswerten. Andere, teils deutlich wirksamere Therapiemöglichkeiten werden in diesem Papier nicht berücksichtigt: „Wenn Sie zum Beispiel einen Tabakentwöhnungskurs machen“, so Rüther, „dann haben Sie bis zu 20, 30, ja bis 40 Prozent Abstinenz je nach Kurs in Kombination mit Medikamenten nach einem halben Jahr – gegenüber den 10 Prozent, was in diesen Studien steht.“ In den Kursen wird unter anderem auch Verhaltenstherapie angeboten.
Nikotinersatz und Nikotinblockierer gegen die Tabaksucht
Zu den Medikamenten zählt Rüther Ersatzmittel, wie nikotinhaltige Pflaster, Kaugummis, Sprays oder Lutschbonbons. Damit werden die körperlichen Entzugserscheinungen verhindert. Zugleich aber die Angewohnheit abgewöhnt, „etwas zwischen den Fingern zu haben und sich in den Mund zu stecken“, so Rüther. Und es gebe auch ein Medikament, das die Nikotinrezeptoren im Gehirn blockiert. Es verhindert ebenfalls die Entzugserscheinungen, aber das Nikotin kann nicht mehr im Gehirn andocken – „es macht keinen Spaß mehr“, so Rüther.
Vapes: weniger schädlich als Tabak, trotzdem ungesund
Ein Vorteil der E-Zigarette: Sie kommt ohne die Verbrennung von Tabak aus. Die verursacht giftige und krebserregenden Stoffe im Zigarettenrauch. Suchtmediziner Gallus Bischof bestätigt, „dass die toxischen Bestandteile bei E-Zigaretten deutlich reduziert sind“ im Vergleich zur klassischen Tabakzigarette. Trotzdem sind sich Fachleute einig: E-Zigaretten sind nicht harmlos. Eine aktuelle Übersichtsstudie der Universität Mainz in der Fachzeitschrift Nature (externer Link) zeigt, dass Nikotin, auch aus E-Zigaretten, die Blutgefäße angreift, den oxidativen Stress erhöht und die Arterien verhärtet. Eine Studie aus Korea (externer Link), ebenfalls in Nature publiziert, verweist auf ein zudem höheres Risiko, durch E-Zigaretten an Lungenkrebs zu erkranken und zu sterben. Wer vom Rauchen auf Dampfen umsteigt, senkt zwar sein Risiko, bleibt aber weiterhin gesundheitlich gefährdet. Tobias Rüther verweist zudem darauf, dass Langzeiteffekte durch den Trägerstoff Propylenglykol in den E-Zigaretten nicht untersucht sind. Es sei gut möglich, dass durch den bislang als „wenig gefährlich“ deklarierten Stoff, „wir in 20 Jahren immens viele Lungenerkrankungen kriegen“. Das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR (externer Link) verweist darauf, dass durch das Erhitzen von Propylenglykol krebserregende Substanzen entstehen können.
„Wer es geschafft hat, mit dem Rauchen aufzuhören, blüht auf“
Trotz aller Risiken will Tobias Rüther die E-Zigarette nicht verteufeln. Sein zentraler Punkt: Der wichtigste Schritt ist der Entschluss, überhaupt mit dem Rauchen aufzuhören. Viele Raucherinnen und Raucher erlebten Rückfälle – das sei bei einer Suchterkrankung normal und kein persönliches Versagen. Wichtig ist, so Rüther, sich nicht entmutigen zu lassen, sondern nach einem Rückfall wieder neu anzusetzen und im Zweifel eine andere Methode zu versuchen: Kurs, Verhaltenstherapie, Medikamente, Beratung – oder notfalls auch die E-Zigarette als Übergangslösung. Rüthers Erfahrung: Wer es schließlich schafft, rauchfrei zu leben, „der blüht auf“.

