„Putin wies alle Gerüchte zurück. Es wird weder die Beschlagnahmung von Bank-Einlagen, noch eine weitere Mobilmachung geben. Was wird also geschehen? Alles wird gut“, so der russische Propagandist und Radiomoderator Iwan Pankin [externer Link] nach einer Grundsatzrede des russischen Präsidenten in Wladiwostok. Dort war Putin zu den Themen befragt worden, die seine Landsleute derzeit am meisten beschäftigen.
„Es gibt derzeit kein Szenario, das eine Mobilmachung erfordern würde“, so eine der viel beachteten Antworten [externer Link], die vom russischen Präsidialamt dokumentiert wurden: „Was das Militärpersonal angeht, haben wir bei uns keine Probleme.“
Auf die Frage, ob es auch nur eine „minimale“ Aussicht gebe, den Krieg zu beenden, sagte Putin wörtlich: „Besteht eine Chance? Meiner Meinung nach ja.“ Schließlich sah er sich gezwungen, zu Gerüchten Stellung zu nehmen, wonach der Kreml private Bankkonten beschlagnahmen könnte: „Das sind schlichtweg Falschinformationen und es wäre im Übrigen ziemlich dumm.“
„Es bedarf nicht nur der Worte“
Die Reaktionen waren ausgesprochen widersprüchlich. So schrieb Politologe Ilja Graschtschenkow [externer Link]: „Es mangelt heutzutage nicht mehr hauptsächlich an Information, sondern an Vertrauen. Dazu bedarf es nicht nur Worte, sondern auch sichtbarer Zeichen der Normalisierung. Andernfalls werden beschwichtigende Reden paradoxerweise zu einer Landkarte der schlimmsten Ängste der russischen Gesellschaft.“
Ähnlich kritisch zeigt sich Publizist Wladislaw Inosemtsew [externer Link]: „Niemand – nun ja, fast niemand – glaubt den Behauptungen der Behörden, eine Mobilisierung sei unnötig: Die Verluste an der Front bleiben hoch, und der Mangel an Freiwilligen ist nicht nur wegen der bevorstehenden ‚Wahlen‘ ein Thema.“
„Besser, Putin genau zu zitieren“
Laut Inosemtsew befindet sich die Regierung allerdings noch in einer Art „Testphase“ für eine Eskalation, eine baldige Mobilisierung sei daher unwahrscheinlich: „Das heißt nicht, dass der Kreml seine jetzige Strategie auf unbestimmte Zeit fortsetzen kann – aber im Moment scheint er auf einen solch radikalen Kurswechsel noch nicht vollständig vorbereitet zu sein.“
Journalist Dimitri Popow empfahl seinen Landsleuten, auf das „Kleingedruckte“ bei Putin zu achten [externer Link], da finde sich nämlich das Wort, „derzeit“ gebe es keinen Bedarf für eine Mobilisierung: „Es ist besser, ihn genau zu zitieren, damit morgen keiner beleidigt ist und die Augen verdreht – nach dem Motto: ‚Das hat er doch versprochen.‘ Und denken Sie daran, dass die ‚turbulenten Jahrzehnte‘ im Großen und Ganzen gerade erst begonnen haben.“
„Feind sucht nach Schwachstelle“
Militärblogger Roman Aljechin (118.000 Fans) schrieb denn auch, Putins Aussage lasse sich „unterschiedlich interpretieren“ [externer Link]: „Die Betrachtung der aktuellen Szenarien garantiert nicht, dass im Oktober nicht weitere Szenarien hinzukommen könnten. Diese Szenarien erfordern unterschiedliche Ressourcen, darunter auch einen unterschiedlichen Personalbedarf.“
Aljechins skeptisches Fazit: „Der Feind schafft bei uns selten Krisen, er sucht vielmehr nach einer Schwachstelle und weitet sie dann aus. In unserem Fall nutzen sie einfach die Tatsache aus, dass es keine klare Aussage darüber gibt, ob die Mobilmachung kommt oder nicht.“

