Die Sonne brennt auf den Asphalt, über der Straße flimmert die Luft, Autos stehen im Stau. Hitze auf der einen Seite, Abgase und Feinstaub auf der anderen. Für unseren Körper sind das aber keine getrennten Welten. Eine neue, bislang nur auf einer Konferenz vorgestellte Auswertung zeigt: Gerade wenn höhere Temperaturen und Luftverschmutzung zusammenkommen, ist das eine gefährliche Kombination für unsere Gesundheit.
Hitze und schlechte Luft: gemeinsam besonders belastend
Die Umwelt-Epidemiologin Brooke Ury vom Forschungszentrum Helmholtz Munich [externer Link] und ihr Team haben Daten von mehr als 138.000 Erwachsenen aus 16 Regionen Deutschlands ausgewertet. Sie stammen aus der NAKO [externer Link], Deutschlands größter Langzeit-Bevölkerungsstudie. Für die Wohnorte ermittelten die Forschenden langfristige Temperaturen sowie die Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid. Dann prüften sie, wer bei der Nachbefragung erstmals von einer ärztlichen Diagnose von Asthma oder einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) berichtete.
„Langfristige Luftverschmutzung und höhere Temperaturen waren mit einem häufigeren Auftreten chronischer Atemwegserkrankungen verbunden“, fasst Studienleiterin Ury die Ergebnisse zusammen. „Am stärksten waren die Effekte, wenn Menschen mehreren unterschiedlichen Umweltbelastungen gleichzeitig ausgesetzt waren.“ Bei Menschen ab 65 Jahren und bei Frauen waren die Zusammenhänge stärker. Warum genau, ist noch unklar.
Luftverschmutzung ist gesundheitlich nie harmlos
Ury nennt als Einschränkung der Auswertung: Die Untersuchung ist eine Beobachtungsstudie. Sie kann zeigen, dass Belastungen und Erkrankungen gemeinsam häufiger auftreten. Sie kann aber nicht beweisen, dass Hitze oder Luftschadstoffe die Erkrankungen verursacht haben.
Ury hält die Ergebnisse dennoch für relevant, gerade weil die Belastungen in Deutschland vergleichsweise niedrig waren. „Diese Forschung unterstreicht, dass es kein sicheres Niveau der Luftverschmutzung gibt“, sagt sie. Auch sehr geringe Konzentrationen von Feinstaub oder Stickstoffdioxid könnten gesundheitlich relevant sein. Die Weltgesundheitsorganisation WHO [externer Link] weist ebenfalls darauf hin, dass gesundheitliche Effekte von Luftverschmutzung schon bei niedrigeren Konzentrationen häufiger auftreten als früher angenommen.
Umweltforschung: Vom Einzelschadstoff hin zu „echten Bedingungen“
Studien wie diese stehen für einen Wandel in der Umweltforschung. Früher habe man sich stark auf einzelne Faktoren konzentriert, sagt Alexandra Schneider vom Institut für Epidemiologie bei Helmholtz Munich. Heute könne man besser „die echten Bedingungen“ untersuchen. Denn Temperatur, Luftschadstoffe, Lärm oder die Wohnumgebung wirken nicht getrennt voneinander.
Forschende sprechen vom „Exposom“: der Gesamtheit der Umweltfaktoren, denen ein Mensch ausgesetzt ist, und ihrer Wirkung auf den Körper. Genau solche Fragen wurden jetzt auf der Jahrestagung der International Society for Environmental Epidemiology (ISEE) [externer Link] in München diskutiert. Denn im Alltag erlebe niemand nur Hitze oder nur schlechte Luft, meist komme vieles gleichzeitig zusammen, meint Ury.
Zukünftig strengere EU-Grenzwerte – aber noch Lücken
Bei klassischen Luftschadstoffen hat sich politisch bereits einiges bewegt. Die EU hat neue Grenzwerte [externer Link] beschlossen, die bis 2030 eingehalten werden müssen. Für PM2,5-Feinstaub (Partikel mit einem Durchmesser von höchstens 2,5 Mikrometern, also etwa 30-mal dünner als ein menschliches Haar) sinkt dann der Jahresgrenzwert von derzeit 25 auf 10 Mikrogramm pro Kubikmeter, für Stickstoffdioxid von 40 auf 20.
Doch es gibt Lücken. Zum Beispiel ultrafeine Partikel (Partikel, die kleiner als 0,1 Mikrometer sind), für die es bisher keinen eigenen Grenzwert gibt. Die wissenschaftliche Beweislage sei hier noch nicht so stark wie bei Feinstaub, sagt Schneider. Künftig müssen die EU-Staaten solche Partikel an speziellen Messstationen erfassen. Mit besseren Daten soll sich genauer klären lassen, wie groß ihre gesundheitliche Bedeutung ist.
Was der Einzelne tun kann – und wo die Grenzen liegen
Aber kann man sich selbst auch vor den gesundheitlichen Schäden durch Umweltbelastungen schützen? Die Forscherinnen sagen: Ja, bedingt. Bei Hitze direkte Sonne meiden, kühle Räume aufsuchen, ausreichend trinken. Bei Luftverschmutzung sind die Möglichkeiten begrenzter. Wer an einer stark befahrenen Straße wohnt, kann der belasteten Luft kaum dauerhaft ausweichen.
Deshalb geht es aus Sicht der Forschenden nicht nur um individuelles Verhalten. Auch Städte und Infrastruktur können gesünder geplant oder „nachgerüstet“ werden: Schneider nennt mehr Grün- und Wasserflächen und eine Stadtplanung, die Hitze, Luftschadstoffe und Lärm möglichst gemeinsam reduziert. Welche Maßnahmen am meisten bringen, müsse allerdings besser überprüft werden.

