Noch ist der Saal leer. Doch hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Eine Getränkelieferung ist nicht angekommen, kurzfristig müssen Alternativen organisiert werden. Denn schon bald werden rund 300 Gäste zur Absolventengala erwartet.
Mittendrin: Leonor, genannt Leo. Die 24-Jährige studiert im fünften Semester Tourismusmanagement im Bachelorstudiengang an der Hochschule München und organisiert die Veranstaltung im Rahmen ihres Studiums. Für sie ist die Gala ein Vorgeschmack auf den späteren Berufsalltag: „Ich muss gleich wie später im Job dafür sorgen, dass rund 300 Gäste auf der Absolventengala eine perfekte Guest Journey erleben dürfen.“
Tourismusmanagement: Organisation, Erlebnis, Krisenkompetenz
Das, was sie im Studium lernt, kann Leo bei dem Event direkt umsetzen: Sie organisiert Abläufe, behält die Kosten im Blick, meistert Krisen und sorgt für ein perfektes Erlebnis. Ziel ist es, die Erwartungen der Gäste nicht nur zu erfüllen, sondern möglichst zu übertreffen. Denn wer in der Branche arbeitet, verkauft nicht nur eine Dienstleistung, sondern auch ein Erlebnis, das den Gästen positiv in Erinnerung bleiben soll. Nur so buchen sie ein zweites Mal.
Weit mehr als Reisen organisieren
Wer Tourismusmanagement studieren möchte, sollte nicht nur Reise- und Abenteuerlust mitbringen, sondern auch Flexibilität, Organisationstalent und Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen. Auch Sprachen und Mathematik spielen eine Rolle. Das Studium ist betriebswirtschaftlich geprägt: „Es geht um Wirtschaft, es geht um den Tourismus als Wirtschaft. Es ist ein internationales Studium, es ist ein buntes Studium, es ist ein interkulturelles Studium. Die wichtigsten Inhalte im Studium sind der BWL-Teil mit Marketing, Projektmanagement und Personalmanagement“, erklärt Leo.
Nachhaltiger Tourismus beleuchtet die Schattenseiten des Reisens
Im fünften Semester steht unter anderem „Sustainable Tourism“, also nachhaltiger Tourismus, auf dem Stundenplan. Dabei geht es auch um die Schattenseiten der Branche. Ein Thema, das Leo wichtig ist, ebenso wie die Folgen des Kreuzfahrttourismus für einzelne Reiseziele. Denn Kreuzfahrten können den Overtourism verstärken, wenn innerhalb kurzer Zeit sehr viele Menschen an einem Ort ankommen.
Vom Expeditionsschiff in die Antarktis ins Tourismusstudium
Kreuzfahrten kennt Leo auch aus eigener Erfahrung. Vor ihrem Studium arbeitete sie ein Jahr lang als Betreuerin auf einem Expeditionskreuzfahrtschiff und reiste damit unter anderem bis in die Antarktis. „Ich habe menschlich so viel über mich selber gelernt, dadurch, dass ich so viele Kulturen kennenlernen durfte.“ Das Studium hat Leo dazu gebracht, Entwicklungen im Tourismus kritischer zu hinterfragen.
Berufswahl: Was macht man mit Tourismusmanagement?
Tourismusmanagement ist ein betriebswirtschaftlich ausgerichtetes Studium und nicht mit einer klassischen Ausbildung zur Tourismuskauffrau oder zum Tourismuskaufmann gleichzusetzen. Nach dem Abschluss stehen Absolventinnen und Absolventen verschiedene Bereiche der Tourismusbranche offen, etwa das Eventmanagement, die Hotellerie, Reiseveranstalter, die Kreuzfahrtbranche oder das Destinationsmanagement.
Im Gegensatz dazu ist die Ausbildung zur Tourismuskauffrau oder zum Tourismuskaufmann deutlich praxisorientierter. Tourismusmanagement hingegen ist ein Vollzeit-Bachelorstudium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt auf der Tourismusbranche. Nach dem Abschluss können Absolventinnen und Absolventen je nach Schwerpunkt beispielsweise als Hoteldirektor, Kreuzfahrtdirektor, Eventmanager oder Reiseunternehmer arbeiten.
Leo selbst kann sich besonders das Eventmanagement vorstellen. Wie viel Organisation und Verantwortung dahintersteckt, erlebt sie bei der Absolventengala schon während des Studiums hautnah.
Wie viel verdient man als Tourismusmanager?
Ein einheitliches Gehalt für Tourismusmanager gibt es nicht. Es hängt stark davon ab, in welchem Bereich und in welcher Position Absolventinnen und Absolventen später arbeiten. Laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liegt das Medianentgelt für Eventmanager (externer Link) bei rund 4.100 Euro brutto im Monat. Wer später als General Manager in der Hotellerie (externer Link) arbeitet, kommt auf rund 4.750 Euro. In Bayern liegen die Medianentgelte laut Entgeltatlas etwas höher.
Absolventengala zeigt die Arbeit hinter dem perfekten Event
Während der Gala bleibt für Leo dafür wenig Zeit zum Nachdenken. Als schließlich die Gäste in den Saal kommen, ist der größte Teil der Arbeit bereits getan. Alles steht, die Veranstaltung kann beginnen. Genau das, was die Gäste später sehen, ist der entscheidende Teil ihrer Arbeit: Im besten Fall läuft die Veranstaltung reibungslos und hinterlässt einen bleibenden Eindruck bei ihnen.

