Übernächtigt, aber vor allem überglücklich – so präsentierte sich Daniel Metzler, Mitgründer und Chef von Isar Aerospace nach dem erfolgreichen Erststart im Norden Norwegens in einer digital übertragenen Pressekonferenz. Er räumte ein, bis kurz vor dem Abheben der in Ottobrunn entwickelten und gebauten Spectrum-Rakete nervös gewesen zu sein. Zwar habe man immer wieder getestet und simuliert. Aber erst wenn auf der Startrampe nach der Triebwerkszündung gewaltige Kräfte die Rakete durchrütteln und dann der Schub einsetzt, wisse man, ob das Zusammenspiel von mehr als 100.000 Bauteilen funktioniere. Zudem habe es etwas fast Irreales, wenn ein Team acht Jahre harte Arbeit investiere, um zehn Minuten Flug zu ermöglichen.
„Historischer Erfolg“ – Durchbruch für mehr Souveränität
In der Politik, bei der Bundeswehr, bei Satellitenherstellern und auch an der Technischen Universität München (TUM) freut man sich ebenfalls über den erfolgreichen Erststart, der bereits im zweiten Anlauf gelang, was für Raumfahrtverhältnisse als extrem schnell gilt. In einer Mitteilung der TUM war von einem historischen Erfolg die Rede. Dort verwies man darauf, dass nicht nur die Rakete in den Orbit gestartet sei, man habe auch noch sechs Kleinsatelliten erfolgreich abgesetzt. Die Münchener Universität hat ein sehr enges Verhältnis zu Isar Aerospace. Drei Absolventen der TUM hatten die Firma 2018 gegründet. Zuvor waren sie in einer studentischen Forschungsgruppe aktiv und arbeiteten dort an Raketentriebwerken.
Grundsätzlich gilt der Start vom Samstag als ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu mehr deutscher und europäischer Souveränität. Bisher dominieren US-Anbieter wie SpaceX und Starlink den Transport von Satelliten ins All und darüber hinaus auch den Betrieb von zivilen und militärischen Satellitenkonstellationen, die schnelle Kommunikation und zeitgenaue Erdbeobachtung ermöglichen. Die europäische Großrakete Ariane gilt im Vergleich dazu als sehr teuer und für manche kommerzielle Anwendung auch überdimensioniert. Mit erfolgreichen Kleinraketen – sogenannten Microlaunchern – wie der Spectrum von Isar Aerospace könne man nun entgegenhalten, hieß es im Berliner Forschungs- und Raumfahrtministerium. „Deutschland kann Raumfahrt“ jubelte Ministerin Dorothee Bär (CSU). Glückwünsche kamen unter anderem auch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).
Raketenstarts als Flaschenhals
Allein die Bundeswehr will in den kommenden Jahren hunderte von Satelliten ins All bringen, um modernen Verteidigungs-Anforderungen gerecht zu werden. Sie hofft, wie weitere deutsche Kunden aus Forschung und Wirtschaft, auf möglichst einheimische Transportkapazitäten, um nicht von den USA abhängig zu bleiben. Bisher waren solche Satellitentransporte ein Flaschenhals, den man nun hoffentlich öffnen könne, so Daniel Metzler, Chef von Isar Aerospace. Zumal sich mit der Rocket Factory Augsburg ein weiteres bayerisches Startup darauf vorbereitet, einen eigenen Microlauncher in den Orbit starten zu lassen.
Telefone laufen heiß – Fabrikaufbau im Fokus
Für ausreichend Nachfrage dürfte jedenfalls gesorgt sein. Daniel Metzler berichtete nach dem erfolgreichen Erststart von Isar Aeospace von „riesigen Wartelisten“ für Satellitentransporte. Die Telefone hätten das ganze Wochenende geklingelt. Nun gehe es für sein Unternehmen darum, die Serienproduktion der Raketen hochzufahren. Bereits im kommenden Jahr plant Isar Aerospace mehrere Starts, für die mittlere Zukunft plant man mit 40 Transporten pro Jahr. Die Raketen dafür entstehen in einer neuen Fabrik im Osten Münchens, an der man bereits in den Jahren vor dem Erststart gebaut habe. Metzler dankte deswegen den privaten Investoren, die daran geglaubt hätten, dass die Raketen von Isar Aerospace nicht nur eines Tages funktionieren würden, sondern auch noch stark nachgefragt würden.

