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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Neuschwanstein-Konzerte: Viel Herzblut, trotzdem zäher Verkauf
Kultur

Neuschwanstein-Konzerte: Viel Herzblut, trotzdem zäher Verkauf

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 29. Juli 2024 06:54
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Kerstin Glowalla und Armin Angeringer schreiten über den Oberen Schlosshof im Schloss Neuschwanstein. In wenigen Wochen sollen hier beim Auftakt für die Schlosskonzerte knapp 500 Besucher Platz nehmen.

Inhaltsübersicht
Neuschwansteinkonzerte früher PublikumsmagnetNeustart nach langer PauseVerkauf bleibt hinter Erwartungen zurückMit welchen Problemen die Branche seit Corona kämpftNeuschwansteinkonzerte „kein Allerweltsprogramm“Geschäftsführerin: „Ort muss bespielt werden“

Fast vier Jahre lang hat das Team der Konzertgesellschaft Neuschwanstein auf diesen Moment hingearbeitet. „Das hat schon was von Gänsehaut“, sagt Kerstin Glowalla beim Blick in den Schlosshof. „Wenn man sich vorstellt, an so einer Örtlichkeit wunderbare Musik zu hören, inmitten dieser traumhaften Kulisse – da kann man nicht anders, als begeistert und ergriffen zu sein.“ Trotzdem: Der Vorverkauf bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Neuschwansteinkonzerte früher Publikumsmagnet

Lange waren die Schlosskonzerte in Neuschwanstein ein Publikumsmagnet. Von 1970 bis 2015 fanden die Konzerte im Sängersaal statt. In den besten Zeiten waren die Karten für die Konzerte binnen kürzester Zeit vergriffen. Teilweise campierten Konzertbegeisterte sogar vor dem damaligen Schwangauer Kurhaus, um an die begehrten Tickets zu kommen. Wegen der großangelegten Sanierung der Innenräume im Schloss wurden die Konzerte ab 2015 aber ausgesetzt. Der Landkreis Ostallgäu und die Gemeinde Schwangau zogen sich als Organisatoren und Geldgeber damals zurück.

Neustart nach langer Pause

Nach neun Jahren Pause wagen ein paar Enthusiasten mit ihrem Verein, der Konzertgesellschaft Neuschwanstein, und viel ehrenamtlichem Engagement den Neuanfang. Besonders dem kürzlich verstorbenen Ostallgäuer Landrat Johann Fleschhut war die Wiederbelegung der Konzertreihe ein Herzensanliegen. Fast vier Jahre lang arbeitete er mit seinem Team auf dieses Ziel hin, leistete viel Überzeugungsarbeit, suchte unermüdlich nach Sponsoren und Unterstützern. Am 21. August ist es nun so weit: Das Schweizer Ensemble CHAARTS eröffnet am Abend das fünftägige Musikfestival im Schloss.

Verkauf bleibt hinter Erwartungen zurück

Allerdings: Der Vorverkauf für die Neuschwansteinkonzerte läuft bisher überraschend zäh. „Die Zahlen hätten sicherlich besser sein können“, sagt Armin Angeringer, der zweite Vorsitzende der Konzertgesellschaft Neuschwanstein. „Gerade mit den Erfahrungswerten aus den früheren Veranstaltungen, wo die Verkäufe so rapide waren, dass innerhalb kürzester Zeit sämtliche Karten verkauft waren. Da hätten wir durchaus einen höheren Anspruch gehabt.“

Mit welchen Problemen die Branche seit Corona kämpft

Die Zugkraft von Neuschwanstein als Veranstaltungsort von Weltrang haben Armin Angeringer und seine Mitstreiter wohl etwas überschätzt. Für den bisher schleppenden Vorverkauf sehen die Veranstalter aber mehrere Gründe: Zum einen sei die Pause für die Konzerte mit neun Jahren sehr lang gewesen. Zum anderen seien potenzielle Kartenkäufer wegen des bisher durchwachsenen Sommers bei einer Open-Air-Veranstaltung wohl eher zurückhaltend. Außerdem gebe es in der Klassik-Branche seit Corona generell Probleme, große Konzerte zu füllen. „Auch andere, größere Veranstaltungen mussten schon abgesagt werden“, sagt Armin Angeringer. „Davon sind wir noch ein Stück weit entfernt. Und wir versuchen natürlich, den Vorverkauf noch weiter anzukurbeln.“

Neuschwansteinkonzerte „kein Allerweltsprogramm“

Am Konzept liegt die bisher schleppende Nachfrage nach Überzeugung des künstlerischen Leiters André Turnheim nicht. Der Opern-, Theater- und Fernsehregisseur verspricht fünf Konzerte mit „großartigen Künstlern“ und spätromantischer Musik unter anderem von Richard Wagner und Richard Strauss. Bei den Konzerten handele es sich nicht um Klassik von oben herab, sondern auf Augenhöhe mit dem Publikum, so Turnheim. Die Besucher erwarte kein Allerweltsprogramm. „Da kommt nichts, was ein Orchester schon zehn Mal woanders gespielt hat.“ Vielmehr habe er die Künstler für die Neuschwansteinkonzerte gezielt ausgewählt und die Ensembles für die Abende neu zusammengesetzt. „Es wird eine Uraufführung aus Sicht des Orchesters in Neuschwanstein sein, wo das zum ersten Mal in dieser Zusammensetzung zu hören sein wird.“

Geschäftsführerin: „Ort muss bespielt werden“

Um die neuen Neuschwansteinkonzerte zum Erfolg zu führen, wollen die vielen ehrenamtlichen Helfer jetzt noch einmal alles geben. Dazu gehört auch, dass sie die Deko für die Konzertabende selbst basteln, um Geld zu sparen, und großflächig in der Region plakatieren. Für die Mitglieder der Konzertgesellschaft Neuschwanstein wie Kerstin Glowalla gehören Musik und Märchenschloss einfach zusammen: „Der Ort an sich ist schon so ein Sehnsuchtsort„, sagt die Geschäftsführerin. „Der muss bespielt werden. Und würden wir uns die Arbeit nicht antun, die wir ja gerne machen – dann wäre das Projekt für immer tot. Und das wäre sehr, sehr schade.“

Johann Fleschhut, der den Neustart der Neuschwansteinkonzerte federführend vorangetrieben hat, wird die Konzertreihe aber nicht verfolgen können. Er starb nach kurzer, schwerer Krankheit Mitte Juli – gut einen Monat vor dem Auftakt für die Schlosskonzerte.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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