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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Bildungsforscher warnt: Lehrermangel läuft „aus dem Ruder“
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Bildungsforscher warnt: Lehrermangel läuft „aus dem Ruder“

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 9. März 2026 10:49
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Lisa Heinz aus Augsburg hat als Lehrerin unterrichtet. Fünf Jahre lang stand sie in Schwaben und Oberbayern in Klassenzimmern, dann hat sie freiwillig den Job aufgegeben. Die Arbeit mit ihren Schülerinnen und Schülern vermisst die heute 33-Jährige sehr.

Inhaltsübersicht
„Habe weder getrunken, noch war ich auf der Toilette, noch habe ich etwas gegessen“Lehrermangel wird sich weiter verschärfenBewerten die Länder die Lehrkräfte-Situation falsch?

„Habe weder getrunken, noch war ich auf der Toilette, noch habe ich etwas gegessen“

Doch überwogen haben die Schattenseiten des Berufsalltags: Bürokratie, starre Lehrpläne, kaum Zeit für die Bedürfnisse der Jugendlichen und auch für die eigenen. „Ich bin manchmal mittags dagestanden und mir ist aufgefallen: Ich habe heute weder getrunken, noch war ich auf der Toilette, noch habe ich etwas gegessen.“

Hinzu kamen jeden Tag zwei Stunden Pendeln zur Schule – auf Dauer zu viel für Lisa Heinz. Sie hat daraufhin Versetzungsanträge gestellt, bis zu jenem Antrag vor zwei Jahren. Als der abgelehnt wurde, war ihr klar, dass sie sich nicht vorschreiben lassen will, wo sie zu arbeiten hat. „Dann habe ich beschlossen, dass ich gehe.“

Damit ist Lisa Heinz nicht allein. Eine aktuelle Studie des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) in Berlin (externer Link) zeigt: Immer mehr Lehrkräfte verlassen vorzeitig den Beruf. Studienautor Dieter Dohmen erklärt: Vor rund zehn Jahren kam auf eine Lehrkraft, die wegen ihres Alters mit dem Beruf aufhört, in etwa eine Lehrkraft, die vorzeitig, also nicht wegen des Alters, den Lehrerberuf aufgibt. Doch dieses Verhältnis habe sich deutlich verschoben: Auf eine Lehrkraft, die altersbedingt ausscheidet, kämen inzwischen drei, die vorzeitig aufhören.

Lehrermangel wird sich weiter verschärfen

Und das hat Folgen, die Dieter Dohmen von einem „Massenexodus der Lehrkräfte“ sprechen lassen. Denn anders als von der Politik immer wieder in Aussicht gestellt, werde der anhaltende Lehrermangel nicht schwinden. Im Gegenteil: Dieter Dohmens Daten zeigen, dass deutschlandweit bis 2035 mehr als 100.000 Lehrkräfte fehlen werden.

Die Gründe derjenigen, die als Lehrkraft aufhören, werden statistisch jedoch nicht ernsthaft erfasst: Wer nicht altersbedingt ausscheidet, fließt unter der allgemeinen Kategorie „sonstige Abgänge“ in die Statistik ein.

Für Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands BLLV, liegen die Gründe jedoch auf der Hand: Bei immer mehr zu leistendem Unterricht, immer größeren Klassen, allgemein immer mehr Aufgaben, verwundere es nicht, dass viele Lehrkräfte aufgeben: „Das ist die Quittung für die Bildungspolitik, die hier betrieben wird.“

Bewerten die Länder die Lehrkräfte-Situation falsch?

Ähnlich urteilt Bildungsforscher Dieter Dohmen. Für ihn reagieren die Länder nicht nachhaltig auf den bestehenden Mangel. Vielfach verschlechtern die Länder die Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte eher, anstatt sie zu verbessern, so der Bildungsforscher: „Das heißt, wir haben eine Situation, in der wir den Lehrkräftemangel, der ohnehin schon groß ist, weiter aus dem Ruder laufen lassen.“

Die Kultusministerien der Länder indes bewerten die Situation offenbar anders. Für Bayern zum Beispiel waren nach Angaben der Studienautoren keine Daten verfügbar. Das dort zuständige Kultusministerium schreibt auf BR-Anfrage: „Belastbare Zahlen zu dauerhaften Abgängen von Lehrkräften liegen für Bayern im Rahmen der amtlichen Schulstatistik nicht vor. (…) In Bayern lässt sich kein ‚Massenexodus an Lehrkräften‘ feststellen.“

Studienautor Dieter Dohmen geht davon aus, dass sich die Situation in Bayern nicht allzu sehr von der in anderen Bundesländern unterscheidet. Für Simone Fleischmann, Vorsitzende des BLLV, ist deshalb klar: Ziel muss sein, mehr Lehrkräfte bis zum Ruhestand zu halten.

Das sieht auch die ehemalige Lehrerin Lisa Heinz so. Was sie sich gewünscht hätte, damit sie im eigentlich geliebten Beruf bleibt? „Mehr Flexibilität beim Arbeitsort und dass vom Lehrplan nicht so unfassbar viel vorgegeben wird.“

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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