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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Analog-Sehnsucht junger Menschen: Alles nur Nostalgie?
Kultur

Analog-Sehnsucht junger Menschen: Alles nur Nostalgie?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 8. März 2026 17:49
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Der Song „Childhood“ von Zamaro und daniel.mp3 ist ein sanfter Ambient-Track mit lachenden Kinderstimmen im Hintergrund: So klingt Nostalgie auf der Plattform TikTok. „Childhood“ liegt unter unzähligen Videos, die unter dem Hashtag Nostalgie zu finden sind. Da sieht man Szenen mit spielenden Kindern im Garten, in Sepia getauchte Fotos von Wohnzimmern mit Röhrenfernsehern, Süßigkeiten, CD-Sammlungen.

Inhaltsübersicht
Analog-Nostalgie als digitaler ContentAlte Geräte gegen die Plattform-MachtSelbstbestimmtheit der eigenen Mediennutzung

Analog-Nostalgie als digitaler Content

„Dieses Video bringt mich zum Weinen,“ liest man in den Kommentaren, und: „Ich sterbe vor Nostalgie!“ Es ist nicht nur die Sehnsucht nach der eigenen Kindheit, die User auf TikTok zeigen, sondern eine speziellere Form der Nostalgie nach einer Zeit, die man selbst gar nicht erlebt hat. Dafür wurde vor einigen Jahren ein Wort erfunden: „Anemoia“.

Nostalgie werde oft ausgelöst in Zeiten des Umbruchs, sagt der Kölner Medienpsychologe Tim Wulf. „Wir haben natürlich einige geopolitische Krisen, die allgegenwärtig sind, auch schon seit mehreren Jahren“, so Wulf. „Der russische Invasionskrieg in der Ukraine. Wir sehen eine sehr stark unter Druck stehende deutsche Wirtschaft.“ Wir hätten insgesamt einen sehr starken Fokus auf die Dinge, die nicht so gut laufen, auf das Negative. Und zeitgleich den Wunsch nach Sicherheit als Gesellschaft und nach Stabilität. „Und diese Stabilität wird häufig dabei gefunden, dass wir in die Vergangenheit zurück gucken.“

Mit Social Media könne Nostalgie heute auch für Nischengruppen und für kleinere Zielgruppen aufbereitet werden und fände auf den Plattformen auch ihr Publikum: Heute wird Nostalgie auf TikTok regelrecht inszeniert. Etwa indem Medien wie DVDs und CDs, alte Klapphandys und MP3-Player in die Kamera gehalten werden.

Alte Geräte gegen die Plattform-Macht

Dabei geht es nicht nur um ein Gefühl, sondern auch um ein Umdenken in einer digitalen Welt, die von Tech-Firmen und Algorithmen gelenkt wird. Max, 26 Jahre alt, gehört zu denen, die Musik noch besitzen. Oder besser: wieder besitzen. Analog auf Vinyl, aber auch für unterwegs als digitale Musikdateien, die er kauft und auf seinen MP3-Player lädt. Max hat ein „dumb phone“, wie im Englischen: dumm. Also das Gegenteil von Smartphone. Ein Handy wie früher, mit dem man nur telefonieren und simsen kann. Musik streamen kann es nicht.

Max hört am liebsten Alben. Es ist ein bewusster Musikkonsum – auch in der Hinsicht, dass er einen Streaminganbieter wie Spotify nicht unterstützen will. Allein schon, weil die Bands und Musikerinnen auf der Plattform fast nichts mit ihrer Musik verdienen. Aber auch der Aspekt des Besitzens ist ihm wichtig: „Ich kann diesen iPod jetzt einschweißen und in 30 Jahren meinen Kindern geben. Und dann können die meine Mucke hören. So wie das mein Dad damals auch für mich gemacht hat.“

Und wenn er keine Lust mehr habe, die steigenden Kosten für einen Dienst wie Spotify zu zahlen, dann seien nicht auf einmal alle persönlichen Playlisten weg. Und er habe dann nicht über Jahre hinweg Spotify Geld gegeben, „dafür, dass ich quasi Zugang zu etwas bekommen habe, aber nicht mal mehr etwas besitze. Das macht keinen Sinn für mich.“

Selbstbestimmtheit der eigenen Mediennutzung

Es geht vielen in der Gen Z also auch um die Kontrolle, die Selbstbestimmtheit über die eigene Mediennutzung. Max zieht sein Ding beeindruckend konsequent durch. Eher aus politischer Haltung als aus nostalgischen Gründen. Wobei er sich selbst schon als nostalgischen Menschen bezeichnet. UK Rave in den 90ern mit Bands wie The Prodigy – das wäre seine Zeit gewesen, sagt er.

„Ich glaube, ich bin schon ganz gut dort, wo ich bin,“ sagt Max. „Ich bin glücklich darüber, welche Zugänge und Mittel mir jetzt zur Verfügung stehen. Einfach nur eine Welt, in der Big Tech und Social Media nicht existieren. Das fände ich geil.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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