Nimmt man alles zusammen, ergeben sich große Spannen: Während auch am Mittwoch Superbenzin der günstigen Sorte E10 am späten Vormittag an besonders günstigen Tankstellen durchaus für kaum mehr als 2,10 Euro zu haben war, wurden kurz nach dem Preissprung um 12.00 Uhr an Autobahntankstellen für teures Premiumbenzin teilweise mehr als drei Euro pro Liter verlangt.
Spediteure fordern Entlastung – offener Brief an Merz
Angesichts der extrem hohen Dieselpreise fordern der Spediteursverband BGL in einem offenen Brief an Kanzler Friedrich Merz (CDU) staatliche Entlastung. Dabei wendet sich der Verband gegen den Vorschlag von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe vorübergehend zu senken. Für Unternehmen, die die Mehrwertsteuer vom Finanzamt absetzen dürften, ergäbe sich so keine unmittelbare Entlastung.
Stattdessen dringt der BGL darauf, die doppelte CO2-Belastung des deutschen Transportgewerbes durch den nationalen Emissionshandel und den CO2-Zuschlag auf die Lkw-Maut aufzuheben. Zudem solle ein Gewerbediesel eingeführt werden.
Spediteurs-Verband rechnet Mehrkosten vor
Im mittelständisch geprägten Transportgewerbe habe sich die Lage mit dem Anstieg der Spritkosten dramatisch zugespitzt, heißt es in dem Schreiben. Seit der jüngsten Eskalation im Nahen Osten sei der Dieselpreis um netto rund 60 Cent pro Liter gestiegen. Bei einer monatlichen Fahrleistung von 10.000 Kilometer ergäben sich so Mehrkosten von 1.800 Euro pro Lkw. Das bedeute für eine Fahrzeugflotte von 50 Lkw zusätzliche Kosten von über einer Million Euro im Jahr.
Ökologischer Verkehrsclub schlägt langfristige Maßnahmen vor
Der ökologische Verkehrsclub VCD hingegen fordert ein Maßnahmenpaket, „das Mobilität bezahlbar macht und den Spritverbrauch langfristig senkt“. Der VCD schlägt ein vergünstigtes Deutschlandticket, ein Tempolimit auf Autobahnen und mehr Platz für den Radverkehr vor, sowie den Kauf gebrauchter Elektroautos oder Ladeguthaben finanziell zu fördern. Bei Tankrabatten sei der Effekt gering und die Kosten hoch, so der VCD.
Politik noch uneins über Maßnahmen
In der Politik ist zwar eine neue Debatte um weitere Entlastungen entbrannt. Grundsätzlich gibt es sowohl aus der Union als auch der SPD Vorschläge und Bekenntnisse dazu. Strittig ist allerdings, welche Maßnahmen umgesetzt werden sollen.
Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer sieht Steuersenkungen wegen hoher Spritpreise skeptisch: Im Morgenmagazin von ARD und ZDF sprach sie von einer Lösung nach dem Gießkannenprinzip. Besser seien Direktzahlungen für diejenigen, die sich Tanken nicht mehr leisten können. Schnitzer räumte aber ein, dass sich das nicht schnell umsetzen lasse, weil erst die Kontodaten aller Betroffenen ermittelt werden müssten.
Mehrkosten für Autofahrer
Für Autofahrer bedeutet die aktuelle Entwicklung Mehrkosten: Geht man von einem typischen Benziner mit einer Fahrleistung von etwa 800 Kilometern pro Monat und einem Durchschnittsverbrauch von acht Litern auf 100 Kilometer aus, sind es mit den derzeitigen Preisen rechnerisch 34 Euro pro Monat mehr als vor Kriegsbeginn. Bei einem typischen Dieselfahrer mit 1.400 Kilometern und einem Verbrauch von 7 Litern auf 100 Kilometer sind es 69 Euro.
Mit Informationen von dpa

