Über hundert Teilnehmer haben in München auf einer Konferenz von 34 nationalen Akademien der Technikwissenschaften über die Frage diskutiert: Was kann Erdbeobachtung beitragen, um drängende globale Herausforderungen zu bewältigen? Sicherheit und Verteidigung standen besonders im Fokus beim Treffen des Council of Academies of Engineering and Technological Sciences (CAETS) vom 14. bis 17. September 2026.
35 Milliarden Euro für neue Satellitensysteme
Deutschland und die Europäische Union sind bei Satelliten bislang stark von US-amerikanischer Technik abhängig, vor allem von Elon Musks Satellitenverbund Star Link. Das soll sich ändern: Bis 2030 wird Deutschland 35 Milliarden Euro in die Weltraumsicherheit investieren, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius im Juli. Hunderte von Mini-Satelliten sollen im niedrigen Orbit die Erdoberfläche lückenlos überwachen und sichere Kommunikation gewährleisten.
Erdbeobachtung kann Kriege entscheiden
Der Weltraum ist seit sieben Jahren eine militärische Dimension der NATO, gleichberechtigt mit Land, See, Luft und Internet. Der Grund dafür ist naheliegend: Keine größere militärische Operation würde heute ohne Unterstützung von Satelliten funktionieren. GPS-Signale steuern Drohnen, optische Satelliten liefern präzise hochaufgelöste Aufklärungsbilder. Aus dem All sind sogar einzelne Personen zu erkennen. Kommunikationssatelliten verbinden Schiffe, U-Boote und Kommandozentralen über Kontinente hinweg. Frühwarnsysteme im Orbit registrieren sekundenschnell Raketenstarts. Die Erdbeobachtung sei mit kriegsentscheidend, sagt Generalleutnant Michael Vetter, der im Verteidigungsministerium zuständig ist für Innovation und Cyber.
Satelliten müssen vor Angriffen geschützt werden
Die Anschaffung der Satelliten ist das eine, das andere ihre Sicherheit. Im Orbit gebe es Scharmützel wie auf der Erde, sagt Claudia Eckert, Professorin für Sicherheit in der Informatik an der Technischen Universität München: Satelliten verfolgen andere Satelliten, um Daten abzufischen. Im Weltraum gibt es Spionage, Störsignale und Hackerangriffe. Im Ukraine-Krieg zum Beispiel gibt es regelmäßig Versuche, die GPS-Kommunikation zu stören.
Claudia Eckert berät die Bundesregierung bei ihrem Weltraum-Programm. Ihrer Ansicht nach gibt es nur ein wirksames Mittel, um solche Angriffe abzuwehren: Die Sicherheit müsse von Anfang an mitgedacht und eingebaut werden: „Intelligente“ Satelliten könnten Freund und Feind erkennen und bei Verdacht etwa den Austausch von Daten ablehnen.
Dual Use: Zivile und militärische Nutzung
Das Militär ist einer der wichtigsten Auftraggeber für Kommunikation und Erdbeobachtung. Doch im Idealfall haben Satelliten einen „Dual Use“, also zweifachen Nutzen. Europäische Satellitensysteme wie Galileo für Navigation oder Copernicus zur Erdbeobachtung werden militärisch wie zivil genutzt. Im zweiten Fall dokumentieren Satelliten etwa das Schmelzen der Polkappen und den Anstieg der Meeresspiegel. Bei Dürren, Bränden oder Vulkanausbrüchen liefern sie Aufnahmen und Daten, die helfen, Rettungskräfte zu steuern.
Erdbeobachtung hilft im Katastrophenfall
Satellitenbilder lassen sich auch mithilfe Künstlicher Intelligenz auswerten. Das soll dabei helfen, Brand- oder Flutkatastrophen zu verhindern. Ein Beispiel: Das Aachener Start-Up-Unternehmen FloodWaive (externer Link) beispielsweise nutzt die Daten mehrerer Satelliten, um mithilfe ihres KI-Modells die Gefahr von Flutwellen sekundenschnell zu berechnen und möglichst früh zu warnen.

