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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > #Faktenfuchs: Ohne Honigbienen keine vegane Ernährung?
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#Faktenfuchs: Ohne Honigbienen keine vegane Ernährung?

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 18. September 2026 09:47
Von Michael Farber
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8 min. Lesezeit
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Darum geht’s:

Inhaltsübersicht
Streit zwischen Imker und Veganerin auf Fitnessmesse geht viralBienen bestäuben Pflanzen – so können sich diese vermehrenHonigbienen sind wichtige Bestäuber, aber nicht die einzigenVerschiedene Bienenarten teilen sich BestäubungsarbeitWind statt Biene – Bestäubung ohne Summen und FliegenFazit
  • Nicht nur Honigbienen bestäuben Nahrungspflanzen, sondern auch viele andere Tiere. Manche Pflanzen kommen sogar ganz ohne tierische Bestäubung aus und nutzen stattdessen Wind- oder Selbstbestäubung.
  • Ein Imker behauptet auf TikTok, 80 Prozent der veganen Ernährung kämen von „seinen Bienen“. Auf Nachfrage räumt er ein, dass die Zahl nicht ganz stimmt.
  • Das bestätigen Experten: Die Honigbiene bestäubt nicht 80 Prozent der Nahrungspflanzen.

Sind Veganer von Honigbienen abhängig? Diesen Eindruck erwecken zumindest mehrere TikTok-Videos des Allgäuer Imkers Rainer Krüger. Er tritt als Honig-Experte auf und lieferte sich auf der Fitnessmesse FIBO im April 2025 ein Wortgefecht mit der veganen Aktivistin Raffaela Raab, auch bekannt als „die militante Veganerin“. Honig als Tierprodukt ist nicht vegan. Raab warf dem Imker vor, seine Bienen auszubeuten und sie nur als Ware zu sehen. Darauf antwortete er ihr: „(…) ohne meine Bienen hätten Sie mit Ihren Veganern nichts zu fressen, weil 80 Prozent Ihrer gesamten Ernährung kommt von meinen Bienen.“ Doch dass 80 Prozent der veganen Ernährung von Honigbienen abhängig seien, stimmt nicht.

Streit zwischen Imker und Veganerin auf Fitnessmesse geht viral

Raab veröffentlichte ein Video des Streits erstmals im Mai 2025. Nachdem sie einen Ausschnitt des Videos Ende Juni 2026 erneut geteilt hatte, lud auch Krüger entsprechende Videos auf TikTok und YouTube hoch. Eines der Videos erhielt fast vier Millionen Aufrufe auf TikTok.

Auf #Faktenfuchs-Anfrage präzisiert Krüger seine Aussage: Er habe nicht behaupten wollen, dass Honigbienen allein 80 Prozent der gesamten Bestäubungsleistung erbrachten. Stattdessen habe er zum Ausdruck bringen wollen, dass Bienen an der Erzeugung eines großen Teils der von Menschen konsumierten pflanzlichen Lebensmittel beteiligt seien. In seiner Antwort räumt er ein, dass die von ihm genannte Zahl von 80 Prozent präzisiert werden müsse.

Bienen bestäuben Pflanzen – so können sich diese vermehren

Was richtig ist: Honigbienen, aber auch weitere Bienenarten, übertragen beim Sammeln von Pollen einen Teil des Blütenstaubs von einer Pflanze zur nächsten. Dadurch können sie sich die Pflanzen fortpflanzen.

„Die Honigbiene hat einen erheblichen Anteil an der Bestäubung in der Landwirtschaft, aber sie ist bei weitem nicht der einzige Bestäuber“, sagt Otto Boecking vom LAVES Bieneninstitut des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit im niedersächsischen Celle. Auch andere Tiere bestäuben laut Boecking: Fledermäuse, Vögel und vor allem andere Insekten, wie Wildbienen, Wespen, Käfer, Schwebfliegen und Schmetterlinge.

Insgesamt sind laut eines Berichts des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung 85 Prozent der mehr als 260 Feldfrüchte in Europa auf Insektenbestäubung angewiesen. Feldfrüchte sind Pflanzen, die auf Agrarflächen angebaut werden. Zu den Feldfrüchten, die von Insekten bestäubt werden, gehören zum Beispiel Sonnenblumen oder Raps. Laut Boecking vom LAVES Bieneninstitut geht allerdings ein großer Anteil der Insektenbestäubung in der Agrarwirtschaft auf die Honigbiene zurück. Sie bestäubt aber eben nicht alleine.

Honigbienen sind wichtige Bestäuber, aber nicht die einzigen

In Deutschland gibt es nur die westliche Honigbiene, sagt Hannes Beims, Fachberater für Imkereien des Bezirks Oberbayern. „Den Honigbienen stehen ungefähr 600 verschiedene Arten von Wildbienen, wie Hummeln, rote Mauerbienen und blaue Holzbienen, gegenüber.“

Viele dieser Wildbienen sind Spezialisten: Manche sind nur wenige Wochen im Jahr aktiv und fliegen nur wenige hundert Meter weit. Dabei bestäuben sie Pflanzen, an die die Honigbiene kaum oder gar nicht geht, so Hannes Beims. Laut ihm sind Wildbienen damit als Pollenüberträger für Pflanzen unverzichtbar und werden von Landwirten auch gezielt eingesetzt.

Der Allgäuer Imker Krüger selbst antwortet dem #Faktenfuchs, Wild- und Honigbienen seien beide „wesentlicher Bestandteil unserer Ökosysteme und für die Bestäubung zahlreicher Wild- und Kulturpflanzen von großer Bedeutung“.

Verschiedene Bienenarten teilen sich Bestäubungsarbeit

Für Lukas Pfiffner, Biodiversitätsforscher am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick in der Schweiz, sind Wildbienen für die Bestäubung von Kulturpflanzen, also Pflanzen, die der Mensch gezielt angebaut und nutzt, wie zum Beispiel als Nahrungsmittel oder für Tierfutter, meist sogar wichtiger als Honigbienen. Feldfrüchte sind Kulturpflanzen, die nur auf Äckern wachsen. Honigbienen leisteten zwar einen Teil der Bestäubungsarbeit der Kulturpflanzen, doch aus wissenschaftlicher Sicht übernähmen in vielen Fällen vor allem Wildbienen die entscheidende Rolle, sagt Pfiffner im Interview mit dem #Faktenfuchs.

Diese Einschätzung stützt sich auf die internationale Studie des argentinischen Forschers für Agrarökologie Lucas A. Garibaldi: Laut ihr können Wildbienen und andere wilde Insekten den Großteil der Bestäubungsleistung übernehmen und Honigbienen, deren Beitrag größtenteils nur ergänzen, nicht ersetzen.

Und auch Forscher in Großbritannien berechneten in einer 2011 veröffentlichten Studie mithilfe einer Modellrechnung, dass Honigbienen nur 34 Prozent der benötigten Bestäubungsleistung in der Landwirtschaft des Vereinigten Königreichs schaffen.

Die Ergebnisse wirken auf den ersten Blick wie ein Widerspruch zu Boeckings Hinweis, in Europa gehe „der größte Anteil“ der Bestäubungsleistung in der Agrarwirtschaft auf Honigbienen zurück. Tatsächlich betrachten beide unterschiedliche Ebenen: Boecking spricht von Feldfrüchten in der Landwirtschaft, bei denen Honigbienen gezielt als Bestäuber im Einsatz sind. Dadurch können sie dort einen großen Teil der Bestäubungsleistung übernehmen. Garibaldi, die britische Studie und Pfiffner analysieren Bestäubernetzwerke. Sie zeigen, dass Wildbienen und andere Insekten auch wirksamere Bestäuber sein können als die Honigbiene.

Beides passt zusammen: Honigbienen übernehmen in der Landwirtschaft einen großen Teil der Bestäubungsarbeit. Das bedeutet aber nicht, dass Kulturpflanzen ausschließlich oder grundsätzlich von Honigbienen abhängig sind: Denn auch Wildbienen und andere Insekten tragen zur Bestäubung und damit zum Ertrag bei.

Wind statt Biene – Bestäubung ohne Summen und Fliegen

Um die Behauptung der Videos einordnen zu können, ist es wichtig, dass zahlreiche Grundnahrungsmittel gar nicht auf Honigbienen – oder tierische Bestäubung – angewiesen sind. Zu den wichtigsten globalen Grundnahrungsmitteln gehören Reis, Weizen, Mais, Hirse, Gerste, Hafer, Kartoffeln und Soja. Viele davon sind zwar Feldfrüchte, brauchen aber keine Insektenbestäubung. Denn für ihre Bestäubung ist entweder der Wind verantwortlich, der die leichten und trockenen Pollen verteilt. Oder sie bestäuben sich selbst. Nur rund ein Drittel der weltweiten Ernte hängt von tierischen Bestäubern ab, wie eine Analyse des Forschungsinformationsdienstes der Europäischen Kommission (CORDIS) zeigt.

Das erkennt auch Imker Rainer Krüger in seiner Antwort an den #Faktenfuchs an. Er argumentiert, insektenbestäubte Pflanzen seien jedoch für die Vielfalt der Ernährung und die Versorgung mit Vitaminen und anderen Mikronährstoffen von Bedeutung.

Fazit

Die Behauptung, Honigbienen seien für 80 Prozent der veganen Ernährung mittels ihrer Bestäubung verantwortlich, trifft nicht zu. Honigbienen sind in der Landwirtschaft wichtig, aber decken nur einen Teil des Bestäubungsbedarfs. Bestäubung ist die Gemeinschaftsleistung eines vielfältigen Bestäubernetzwerks. Honigbienen sind dabei wichtig, aber längst nicht allein verantwortlich.

Zudem sind zentrale Bestandteile der veganen Ernährung wie Getreide oder Soja nicht auf Tierbestäubung angewiesen, sondern auf den Wind.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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