Acht Jahre hat der einst heißgeliebte Chiemsee Reggae Summer in Übersee pausiert. In diesem Juni nun feierte das Festival endlich ein Comeback: Mit 33 Acts und 10.000 Besuchern in 3 Tagen war es etwas kleiner angelegt als früher, doch die Rechnung ging auf: weniger Müll, weniger Verkehr, weniger Lärm. Gemeinde, Veranstalter und Publikum: Alle waren zufrieden. Doch nun haben die Veranstalter angekündigt, dass das Festival 2027 schon wieder pausieren wird (externer Link). Was ist da los?
Veranstalter: Hohe Kosten, zu wenig Einnahmen
Die Verantwortlichen begründen die Entscheidung mit dem hohen Kostendruck und geändertem Freizeit- und Konsumverhalten. Künstler-Gagen, Security, Technik: Die Ausgaben rund um ein Musik-Festival seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Die Mehrkosten einfach auf die Ticketpreise übertragen? Funktioniert nicht. Schon in diesem Jahr hatten sich einige Fans über die aus ihrer Sicht zu hohen Ticketpreise beschwert.
Immerhin: 2028 soll der Chiemsee Reggae Summer wieder stattfinden. Die Veranstalter wollen die Pause nutzen, das Festival „weiterzuentwickeln und für die weitere Zukunft auf ein solides Fundament zu stellen“, wie es auf der Internetseite heißt.
Nur eine Pause: Modular Festival will sich neu ausrichten
Ähnliche Töne kommen aus Augsburg: Auch das Modular Festival wird 2027 pausieren. Auch hier begründen die Verantwortlichen ihre Entscheidung damit, dass sich die Festivalbranche stark verändert habe: „Kosten für Sicherheit, Technik, Infrastruktur oder Personal steigen seit Jahren massiv“, heißt es von den Veranstaltern. Es gehe „nicht darum, Modular abzuschaffen, sondern es neu und konsequenter auf seinen Auftrag auszurichten.“
Veranstaltet wird das Modular vom Stadtjugendring Augsburg mit Unterstützung der Stadt. Offenbar haben sich die Veranstalter zuvor viel Mühe gegeben, Alternativen zu prüfen: kleinere Anpassungen, Einsparungen, andere Ticketlogiken, Veränderungen im laufenden Betrieb. „Aber wir haben festgestellt: Diese Maßnahmen ändern nichts Grundsätzliches. Die aktuellen Rahmenbedingungen lassen sich nicht mit kleinen Reparaturen lösen. Deshalb suchen wir nicht nach einer Alternative innerhalb des alten Modells, sondern nach einer tragfähigen Lösung für die Zukunft.“
Neue Formate sollen frischen Wind bringen
Um solch eine langfristig tragfähige Lösung zu finden, pausiert das Festival. Denn Weiterentwicklung könne nicht nebenbei funktionieren (externer Link). „Wenn der Festivalbetrieb läuft, bleibt zu wenig Raum für tiefgehende Analysen und Strukturentwicklung“.
Allerdings heißt das nicht, dass gar nichts passiert. Ein großes Modular-Wochenende in der bisherigen Form wird zwar nicht stattfinden. Allerdings werden durchaus neue Formate getestet: kleiner, urbaner, dezentraler und näher an den Lebensrealitäten der Jugendlichen in Augsburg. Die Veranstalter sprechen von Beispiel-Pop-up-Formaten, kleineren Bühnen, Modular-Camps, Beteiligungsaktionen oder Veranstaltungen in Stadtteilen und in der Innenstadt. Mithilfe einer Umfrage (externer Link) soll vorab eruiert werden, was sich die Zielgruppe wünscht.
Auch anderswo wurden Festivals abgesagt
Die beiden bayerischen Festivals sind keine Einzelfälle: Auch das Highfield-Festival in Sachsen, das Fusion Festival in Mecklenburg-Vorpommern, das Appletree Garden Festival in Niedersachsen und das Umsonst & Draußen in Nordrhein-Westfalen pausieren 2027.
Die Gründe sind fast überall die gleichen: hohe Kosten auf der einen, zu wenig Einnahmen auf der anderen Seite. Bleibt zu hoffen, dass die Pausen wirklich helfen, langfristige Lösungen zu finden.

