Die Kammerspiele bekommen eine neue Intendanz. Besser gesagt, ein Intendanten-Trio. Denn ab der Spielzeit 2028/29 werden Anja Dirks, Antú Romero Nunes und Jörg Pohl das Haus zunächst für fünf Spielzeiten gemeinsam leiten. Dem hat der Kulturausschuss des Münchner Stadtrats am Donnerstag zugestimmt und ist damit einer Empfehlung des Kulturreferenten auf der Grundlage der Ergebnisse der vorgelagerten Findungskommission gefolgt. Die endgültige Entscheidung hierzu trifft der Stadtrat in seiner kommenden Vollversammlung am 25. November 2026. Dirks, Nunes und Pohl konnten sich in mehreren Abstimmungsrunden unter zahlreichen, renommierten Mitbewerbenden durchsetzen.
Führungstrio: Ein bereits eingespieltes Team
Eine Führungsposition teilen, ist für die drei nichts Neues. Seit der Spielzeit 2020/2021 leiten sie die Schauspielsparte am Theater Basel. Dirks arbeitet dort als Dramaturgin. Und war unter anderem verantwortlich für „Cosmic Drama“, „Das Narrenschiff“ oder „Molière – der eingebildete Tote“. Nunes ist Regisseur. Seine Basler Inszenierung von „Ein Sommernachtstraum“ wurde zum Berliner Theatertreffen 2023 eingeladen. Pohl ist Schauspieler und in dieser Spielzeit in vielen Produktionen am Haus in Basel zu sehen, unter anderem in „Die Physiker“, „Die Ritter des Mutterkorns“ und „Moby Dick – das Solo“.
Die Zweite Bürgermeisterin und Juryvorsitzende Mona Fuchs (Grüne) sagte, sie sei überzeugt, „dass das Team aus Anja Dirks, Antú Romero Nunes und Jörg Pohl unser traditionsreiches Schauspielhaus hervorragend leiten wird“. „Ich bin sicher, das Trio kann das Profil der Kammerspiele kenntnisreich, umsichtig und mit neuen Impulsen erweitern und stärken“, sagte auch Kulturreferent Marek Wiechers. „Ihre gemeinsame künstlerische Leitung wurde bereits in Basel vielfach gefeiert.“
Das Trio selbst ließ mitteilen, dass sie sich darauf freuen, „die große und inklusive Ensembletradition der Münchner Kammerspiele in die Zukunft weiterzuspinnen“. Sie stünden für ein Theater „als Anderswelt in der Welt, analog, sinnlich, körperlich“. Und wollten die Kammerspiele als „Weltstadttheater“ prägen „mit internationalen Perspektiven, Durchlässigkeit zur Stadtgesellschaft und dem Bewusstsein für Geschichte und Identität des Hauses“.
Nachfolge von Barbara Mundel
Die drei folgen auf Barbara Mundel nach, die ihre Intendanz an den Münchner Kammerspielen 2020 antrat. Über fünf Jahre lief ihr Vertrag ursprünglich, wurde dann um drei weitere Jahre – bis 2028 – verlängert. Knapp zwei Spielzeiten ihrer Intendanz konnte Mundel wegen der Corona-Pandemie allerdings nur ein stark reduziertes Programm machen. Deshalb hatte sie ihre Bereitschaft signalisiert, noch bis 2030 weiterzumachen.
Doch die Stadt München hatte ihre Stelle ab der Spielzeit 2028/29 bereits neu ausgeschrieben. Nach einigem Hin und Her erklärte Mundel dann, nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Dabei hätte aus künstlerischer Sicht durchaus einiges für eine Verlängerung gesprochen.
Kammerspiele blicken auf erfolgreiches Jahr zurück
Nach holprigen Anfangsjahren läuft es künstlerisch mittlerweile wieder rund an den Kammerspielen, was unter anderem auch an zwei Einladungen zum Berliner Theatertreffen 2026 abzulesen ist und der Auszeichnung als „Theater des Jahres“.
Die Situation erinnerte an den Fall von Mundels Vorgänger Matthias Lilienthal. Bei dem lief es anfangs ähnlich zäh. Als nach der Hälfte seiner Vertragszeit klar war, dass eine Stadtratsmehrheit gegen eine Verlängerung stimmen würde, kam Lilienthal seiner Demontage zuvor und erklärte von sich aus: Er stünde für weitere Jahre nicht zur Verfügung. Nach der Entscheidung nahm das Haus dann aber derart Fahrt auf, dass die Stadt sich die Frage gefallen lassen musste, wieso sie den Erfolgsintendanten vergrault hatte. Lilienthal ist seit 2026 Intendant der Berliner Volksbühne.

