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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Corona – eine Atemwegserkrankung? Das sagt die Forschung
Wissen

Corona – eine Atemwegserkrankung? Das sagt die Forschung

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 20. August 2024 09:00
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Zuletzt war es laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) deutschlandweit zu einem merklichen Anstieg der Corona-Fallzahlen gekommen. Laut dem aktuellen Wochenbericht des RKI ist die Zahl der Atemwegserkrankungen auf einem vergleichbar hohen Niveau für diese Jahreszeit, dieses scheine sich jedoch aktuell etwas abzuschwächen. Ausgelöst würden diese Erkrankungen insbesondere durch SARS-CoV-2 sowie Rhinoviren.

Inhaltsübersicht
Komplexe Symptomatik: Was ist Corona überhaupt für eine Erkrankung?Virus-Befall: Was genau macht Corona im Körper?„Immun-Narbe“: Covid-19 und das menschliche GehirnErbanlagen und Erkrankungsrisiko: Bestimmte DNA begünstigt schweren Verlauf

„Über den Frühsommer hinweg hatten wir ja noch relativ hohe Zahlen an Atemwegserkrankungen und eben auch an Corona-Infektionen, die jetzt in den letzten zwei Wochen mit dem schönen Wetter zum Glück deutlich zurückgehen“, sagt Ulrike Protzer, Virologin an der Technischen Universität und bei Helmholtz München.

Auch wenn die Infektionslage momentan also keine größere Gefahr darstellt, das Virus verändert sich fortwährend – und damit einhergehend wandeln sich auch die Herausforderungen für Ärzte und Forschende. Wichtig dafür ist ein grundlegendes Verständnis der Auswirkungen von Covid-19 auf den menschlichen Körper. Im Laufe der letzten vier Jahre ist hier einiges passiert, sagt auch Ulrike Protzer: „Grundsätzlich wissen wir heute viel mehr über das Virus, als wir am Anfang wussten.“

Komplexe Symptomatik: Was ist Corona überhaupt für eine Erkrankung?

Ob Brain Fog oder Herzmuskelentzündung – mit dem Corona-Virus werden eine Vielzahl an Symptomen in Zusammenhang gebracht. Dennoch ist Covid-19 laut RKI (externer Link) immer noch in erster Linie eine akute Atemwegserkrankung. „Obwohl das Virus verschiedene Organe befallen kann, ist der Begriff Atemwegsinfekt natürlich richtig, weil das ja der Infektions- und Verbreitungsweg ist“, ergänzt Ulrike Protzer.

Virus-Befall: Was genau macht Corona im Körper?

Das Virus gelangt also über die Atemwege in den Körper und infiziert dort die sogenannten Epithelzellen, die den Nasen-Rachenraum und die Oberfläche der Lungenbläschen auskleiden. Dort vermehrt es sich zunächst. Von dort aus kann es sich jedoch schnell weiterverbreiten und, ähnlich wie das Grippevirus, den gesamten Körper infizieren. Dieser Prozess kann bereits innerhalb von einer Woche ablaufen. Wenn das Immunsystem des Betroffenen stark genug ist, kann es diese systemische Ausbreitung im Körper möglicherweise verhindern. Es kann jedoch auch vorkommen, dass das Immunsystem erst nach ein bis zwei Wochen die Kontrolle über die Infektion vollständig wiedererlangt.

Dabei ist aus Sicht der Forschung schon länger bekannt, wo sich der Erreger SARS-CoV-2 im menschlichen Körper ausbreiten kann. Ulrike Protzer gibt ein paar Beispiele: „Schon ziemlich am Anfang wussten wir, dass es zu Gefäßproblemen, Herz-Kreislauf-Problemen, vermehrten Herzinfarkten bis hin zu Schlaganfällen kommen kann.“ Auch andere Organe, wie die Leber, das Gehirn oder das Nervensystem, können betroffen sein.

„Immun-Narbe“: Covid-19 und das menschliche Gehirn

In diesem Zusammenhang ist eine Studie des Uniklinikums Freiburg (externer Link) aufschlussreich. Forschende identifizierten hier eine Art „Immun-Narbe“ im Gehirn von Covid-19-Genesenen. Damit einhergehend stellten sie fest, dass die anhaltende Aktivierung des angeborenen Immunsystems im Gehirn zu langfristigen neurologischen Beschwerden nach einer SARS-CoV-2-Infektion beitragen könnte. Ulrike Protzer betont, dass man diesbezüglich in letzter Zeit einige neue Erkenntnisse gewonnen habe, aber: „Bei Post Covid und Long Covid, da weiß man insgesamt noch nicht wirklich viel über die Ursachen.“

Erbanlagen und Erkrankungsrisiko: Bestimmte DNA begünstigt schweren Verlauf

Auch hinsichtlich der Frage, wer ein besonders hohes Risiko für einen schweren Verlauf hat, gibt es neue Resultate. An der Uniklinik Bonn fand man heraus: Mutationen an vier spezifischen Genen, unter anderem an einem Rezeptor des angeborenen Immunsystems, erhöhen das Risiko für einen schweren Verlauf deutlich. Die Virologin Ulrike Protzer ordnet das ein: „Das sind natürlich immer nur kleine Puzzlesteinchen, und man kann nicht sagen, dass das jetzt die einzige Ursache ist.“ Ob hohes Lebensalter oder Vorerkrankung – die Gründe für einen ungünstigen Krankheitsverlauf sind komplex. Jedenfalls steht hier einige Forschungsarbeit aus, um die Wechselwirkungen zwischen dem Corona-Virus und dem menschlichen Körper noch besser verstehen zu können.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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