Die Wagner-Festspiele in Bayreuth feiern ihren 150. Geburtstag. Zeit, innezuhalten und über die belastete Geschichte der Festspiele und die antisemitische Gesinnung ihres Gründers nachzusinnen. Das war der ursprüngliche Plan – und zwar in Form einer Gedenkveranstaltung mit einer Eröffnungsrede durch den jüdischen Publizisten Michel Friedmann und einem Konzert im Anschluss.
Absage der Veranstaltung aus „Sicherheitsgründen“
Doch dann sollte die Veranstaltung plötzlich verschoben werden. Aus „Sicherheitsgründen“, wie es von der Festspielleitung hieß. Nicht nur Charlotte Knobloch, die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, fand dafür scharfe Worte: „Bei der vermeintlichen Verschiebung handelt es sich faktisch um nichts anderes als eine Ausladung Friedmans durch die Festspielleitung“, die ihm durch die Begründung „Sicherheitsbedenken“ obendrein noch indirekt die Verantwortung zuschiebe.
Und Michel Friedman selbst? „Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen abzusagen, ist in einer Demokratie der Tod durch Selbstmord“, sagte er der „SZ“. Auf Drohungen von Extremisten gebe es eine ganz einfache Antwort: „Dann sichert diese Veranstaltung. Und spart euch alle Sonntagsreden!“
Nach der Ausladung folgen Entschuldigung und Einladung
Ob seine Worte oder die scharfe Kritik von vielen Seiten zu einem Umdenken führten? In jedem Fall sprach Festspielleiterin Katharina Wagner wenig später von einer „Verkettung organisatorischer und sicherheitsrelevanter Fehleinschätzungen“, entschuldigte sich bei Michel Friedman und lud ihn wieder ein. Sie wiederholte die Entschuldigung explizit bei der gestrigen Eröffnung der Festspiele und zeigte sich gemeinsam mit Friedman am Eingang zum Festspielhaus, wo sie die Gäste begrüßte.
Doppelte Aufmerksamkeit für Friedmans Rede
Eines dürfte der Eklat mit Sicherheit gebracht haben: mehr Aufmerksamkeit für Michel Friedmans Rede. Sie wird unter dem Titel „Über Bayreuth, über Deutschland. Versuch einer Gesellschaftsanalyse“ angekündigt. Was sagt er über die historische Verantwortung Bayreuths im Kontext der deutscher Geschichten und gegenwärtiger Entwicklungen?

