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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Warum immer weniger Arbeiter SPD wählen
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Warum immer weniger Arbeiter SPD wählen

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 3. März 2025 07:52
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Nur noch zwölf Prozent der Arbeiter haben sozialdemokratisch gewählt, statt 26 wie bei der vergangenen Bundestagswahl im Jahr 2021. Das ist das ernüchternde Ergebnis für die SPD. Dabei versteht sich die Partei als Vertreterin der gewerkschaftlich organisierten, arbeitenden Bevölkerung.

Inhaltsübersicht
So werden Arbeiter definiert – und wen sie wählen„Wenn Angst vorherrscht, sucht man einfache Antworten“Warum Menschen zu extremen Parteien tendierenAfD macht keine Politik für Arbeiter oder ArbeitsloseDeutliches Zeichen an die Sozialdemokraten

So werden Arbeiter definiert – und wen sie wählen

Dass „die Arbeitenden“ politisch links stehen, ist Vergangenheit. Auch die Linkspartei kommt auf „nur“ acht Prozent bei den Arbeitern. Stattdessen ein klarer politischer Wandel: 38 Prozent machten ihr Kreuz am anderen Ende des politischen Spektrums, bei der AfD. Ein Plus von 17 Prozent.

Unter Arbeitern versteht man traditionell Menschen, die – in Abgrenzung zu Angestellten – vorwiegend körperlich arbeiteten; bis vor 20 Jahren spielte diese Unterscheidung etwa auch bei der Sozialversicherung eine Rolle. Infratest dimap verweist auf Nachfrage telefonisch aber darauf, dass sich die Personen, die befragt werden, selbst einer Kategorie zuordnen.

Bei Arbeitslosen konnte die AfD ebenfalls punkten. Dort erreichte sie 34 Prozent der Stimmen. Auch sie galten eigentlich als zuverlässige Wähler der sozialdemokratischen und linken Parteien.

„Wenn Angst vorherrscht, sucht man einfache Antworten“

Sichere Renten und soziale Gerechtigkeit waren die Kernthemen der SPD im Wahlkampf. Doch bei den Arbeitern sind diese Versprechen offenbar nicht angekommen. Warum? Der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Horst Ott, sieht die Unsicherheiten vieler Bürger als wichtigsten Grund: Angst vor dem Krieg in der Ukraine und Sorgen um den Arbeitsplatz. „Immer, wenn Angst vorherrscht, sucht man einfache Antworten“, so Ott. Die kämen vermeintlich von den Randparteien. Dabei würden sich aber viele Bürger kaum mit den eigentlichen Inhalten der Parteien beschäftigen.

Auf die Frage, ob der Gewerkschaftsbund DGB anstrebe, bei der Wählergruppe der Arbeitenden aktiv für eine Rückkehr zu sozialdemokratischen Werten zu werben, antwortet der DGB Bayern: Die Politik sei gefordert, konkrete Lösungen für die Sorgen und Ängste der Beschäftigten zu liefern. Der DGB werde weiter aufzeigen, dass die AfD das Gegenteil einer Arbeiterpartei sei: Ihre politische Agenda sei gegen Beschäftigte gerichtet, ziele auf eine Schwächung des Sozialstaats ab.

Die Arbeitgeberseite der bayerischen Wirtschaft äußert sich ähnlich. Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) antwortet auf Anfrage, sie hoffe, dass die neue Regierung schnell klare Konzepte vorlege, damit die wirtschaftliche Situation in Deutschland besser werde.

Warum Menschen zu extremen Parteien tendieren

Der Politikwissenschaftler und Wahlforscher Torsten Faas von der Freien Universität Berlin hat über Arbeitslosigkeit und ihr Folgen promoviert. Er sagt: „Wenn linke Parteien für diese Personen keine glaubwürdige Alternative mehr darstellen, gehen den Menschen die Optionen aus. Sie tendieren dann zur Nichtwahl oder – bei hoher Mobilisierung – neigen zu extremen Parteien. Bemerkenswert ist dabei, dass die Linke – trotz ihres Erfolgs – bei Arbeitern gar nicht so gut abgeschnitten hat.“

Der Soziologe Michael Corsten von der Universität Hildesheim sieht im Wahlverhalten der Erst- und Jungwähler bei der Bundestagswahl am Sonntag eine Reaktion auf eine „kumulative Krisensituation“. Vor allem junge AfD-Wähler seien im Arbeitermilieu stark repräsentiert.

„Hier dürften die Fragen des sozialen Statuserhalts und einer restriktiveren Politik bei Zuwanderung und innerer Sicherheit wahlentscheidend gewesen sein.“ Alles Punkte also, bei der die SPD mit ihren politischen Botschaften offenbar nicht überzeugen konnte.

AfD macht keine Politik für Arbeiter oder Arbeitslose

Ein Blick ins Wahlprogramm der AfD verrät aber, dass sie nicht vorhat, eine Politik für Arbeiter oder Arbeitslose zu machen. Die AfD will die Bundesagentur für Arbeit auflösen und ihre Aufgaben vor allem auf kommunale Jobcenter übertragen.

Und auch die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld will sie verkürzen. Den Mindestlohn will sie beibehalten, aber nicht erhöhen.

Deutliches Zeichen an die Sozialdemokraten

Schaut man sich die Analyse des ZEW, des Leibniz-Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung, zum Wahlprogramm der AfD an, fällt es auf, dass bei der AfD vor allem Haushalte mit hohem Einkommen profitieren würden. Die vorgeschlagenen Steuersenkungen der AfD würden vor allem höhere Einkommensklassen deutlich entlasten.

Aber dennoch konnte die AfD es verkaufen, dass sie sich um die „Kleinen“ kümmern wollen. Bei Wählenden mit schlechter wirtschaftlicher Situation war sie mit 38 Prozent stärkste Partei. Ein deutliches Zeichen an die Sozialdemokraten.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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