Die BayWa AG durchlebt derzeit die wohl schwerste Krise in ihrer Geschichte. Im Geschäftsjahr 2024 wurde ein Verlust von 1,6 Milliarden Euro eingefahren, es hat sich ein Schuldenberg von mehreren Milliarden Euro angehäuft. Das Eigenkapital ist beinahe aufgebraucht. Trotz hoher Belastungen gibt es einen Sanierungsplan, der dem Unternehmen bis Ende 2028 finanzielle Sicherheit gibt. Die Strategie in den kommenden Jahren ist klar. Die BayWa konzentriert sich wieder auf ihr Kerngeschäft, gibt sich eine neue Struktur und senkt ihre Kosten.
Anleger sollten kühlen Kopf bewahren und Optionen prüfen
Für Anlegerinnen und Anleger ist es entscheidend, den aktuellen Stand und die Entwicklung der eigenen Anteile genau zu analysieren. Dazu gehört der Vergleich des ursprünglichen Kaufpreises, des Höchstkurses vor der Krise sowie die aktuelle Kursentwicklung. Die BayWa-Aktie notierte Anfang 2024 noch im Bereich um etwa 20 Euro, stürzte im Verlauf der Krise aber auf unter drei Euro ab. Aktuell notiert der Kurs bei etwa 9,50 Euro.
Anlageexperten raten grundsätzlich dazu, auf der Basis langfristiger Sanierungspläne abzuwägen, ob ein Halten der eigenen Aktien, ein Teilverkauf zur Senkung des individuellen Risikos oder sogar ein kompletter Ausstieg die beste Lösung ist. Dabei sollten kurzfristige Schwankungen nicht überbewertet werden. Laut Verbraucherschützern der Verbraucherzentrale NRW ist zudem entscheidend, sich kontinuierlich über das eigene Investment zu informieren und seriöse, verlässliche Quellen zu nutzen. Nur wer seine Geldanlage aktiv begleite, könne Chancen besser erkennen und Risiken gezielter steuern (externer Link).
Genau hinschauen: Sanierungsplan und Kapitalmaßnahmen
Der von Gläubigern genehmigte Sanierungsplan sieht bis 2028 einen Abbau von bis zu 1.600 Stellen beim Mutterkonzern vor und beinhaltet die Veräußerung mehrerer internationaler Töchter, darunter BayWa r.e., Cefetra und Turners & Growers. Diese Verkäufe sollen über zwei Milliarden Euro in die Kassen spülen, um Schulden zu tilgen. Parallel wurde eine Kapitalerhöhung von bis zu 200 Millionen Euro beschlossen, um die Eigenkapitalquote zu erhöhen.
In diesem Fall geben Experten der Frankfurter Börse zu bedenken, dass die Ausgabe neuer Aktien eine sogenannte Verwässerung zur Folge haben kann, weil der Anteil eines bestehenden Aktionärs am Unternehmen kleiner wird, sofern er nicht nachkauft. Die wirtschaftliche Folge kann sein, dass Stimmrechte und Anspruch auf Gewinne geringer werden (externer Link: Kapitalverwässerung).
Hinzu kommt, dass Dividendenzahlungen während der Restrukturierung ausgesetzt sind, um Kapital zu schonen. Für Anleger bedeutet das: Die Sanierung ist umfassend, verläuft über Jahre und beeinflusst sowohl die Unternehmensstruktur als auch den Wert der Aktien nachhaltig. Detailliertes Verständnis der Maßnahmen und Fristen ist jetzt unverzichtbar.
Rechtslage prüfen: mögliche Ansprüche und Risiken
Mit dem Bekanntwerden der Krise geriet die BayWa unter Verdacht, ihre Finanzlage verspätet und womöglich unzureichend offenbart zu haben. Im Fokus stehen auch Untersuchungen wegen möglicher Bilanzmanipulationen im Jahresabschluss 2023. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat hierzu Ermittlungen gegen ehemalige Vorstände aufgenommen. Zudem werden die hohen Abfindungen an frühere Vorstände kritisch hinterfragt.
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) prüfen Schadensersatzklagen im Interesse geschädigter Anleger (externer Link). Dabei spielen Sammelklagen oder Musterverfahren eine wichtige Rolle, um juristischen Druck aufzubauen. Anleger sollten sämtliche Unterlagen sorgfältig sammeln und sich über ihre Rechte informieren, um Ansprüche effizient durchsetzen zu können.
Verbündete finden: gemeinsame Kraft für Anlegerinteressen
Kleine oder einzelne Investoren haben begrenzte Einflussmöglichkeiten, deshalb ist Bündelung entscheidend. Durch Zusammenarbeit in Aktionärsvereinen wie DSW oder SdK entstehen starke Interessenvertretungen, die juristisch, kommunikativ und medial Druck erzeugen können. Bei Hauptversammlungen wird so mehr Gewicht erreicht, um Aufklärung, personelle Veränderungen und faire Kapitalmaßnahmen einzufordern.
Strategisches, koordiniertes Handeln signalisiert der Unternehmensführung, dass anders als in der Vergangenheit, jeder ihrer Schritte nun genau unter Beobachtung steht.