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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > TV-Star Bernhard Bettermann beklagt „weniger Chancen“ im Alter
Kultur

TV-Star Bernhard Bettermann beklagt „weniger Chancen“ im Alter

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 24. Oktober 2025 09:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Sein TV-Alltag wird etwas geruhsamer, was ihm nach fast 20 Jahren in der „Sachsen-Klinik“ zweifellos zusteht. Seit 2006 ist Bernhard Bettermann als Dr. Martin Stein in der ARD-Erfolgsserie „In aller Freundschaft“ zu sehen. Anfang dieses Jahres wurde er 60 und wird künftig seltener am Klinik-Set in Leipzig beschäftigt sein, dafür wieder mehr Theater spielen: „Inzwischen sind wir ein bisschen in die Jahre gekommen, und das Fernsehen hat ja gerne junge Gesichter vor der Linse“, so der Schauspieler gegenüber dem BR. Angesichts dieser absehbaren Entwicklung sei er durchaus zufrieden damit, nicht mehr 50 oder 60 Drehtage im Jahr beschäftigt zu sein, sondern nur noch 30.

Inhaltsübersicht
„Muss nichts sagen, was ich nicht sagen will“„Das fängt an, mich zu irritieren“„So betulich ist die Schweiz gar nicht“

„Muss nichts sagen, was ich nicht sagen will“

In seiner Rolle als ärztlicher Direktor der fiktiven „Sachsen-Klinik“ habe er mit dem Krankenhaus-Alltag ohnehin nur noch wenig zu tun, werde aber gelegentlich weiterhin am Operationstisch stehen. Der Umgang mit den Kollegen sei ausgesprochen fair und angenehm: „Ich weiß, dass wir ein Ensemble sind, in dem alle nebenbei Theater spielen. Damit will ich nur sagen, wir sprechen dieselbe Sprache. Wir treffen uns am Set, wir diskutieren die Texte, wir bestimmen mit, was gesagt wird. Ich muss nichts sagen, was ich nicht sagen will.“

Die TV-Regisseure verließen sich auf die „Innovation und Professionalität“ der Hauptdarsteller und könnten sich dadurch auf die Schauspieler der Episodenrollen konzentrieren: „Das Ding läuft ja auch deswegen schon so lang, weil das so gut funktioniert.“

„Das fängt an, mich zu irritieren“

Bettermann hat nach eigenen Worten fest vor, sich „immer weiter“ von der Serienarbeit zurückzuziehen, „um Platz zu schaffen für andere Formate“. Er habe in den vergangenen anderthalb Jahren keinen einzigen Dreh für eine alternative Film- oder Fernsehproduktion gehabt, und das, wo er früher in Krimi-Serien wie Der Alte, Siska oder Tatort besetzt war: „Das fängt an, mich langsam zu irritieren, weil ich den Job seit 40 Jahren mache und das so nicht gewohnt bin und auch ehrlich gesagt nicht ganz einsehe, warum ich jetzt, gerade an einem Punkt, an dem sich mein Handwerk eigentlich zur Könnerschaft hinbewegt hat, zum alten Eisen gehören soll, beziehungsweise nicht mehr gebeten werde, andere Rollen darzustellen.“

Eine Klage, die eigentlich eher von Schauspielerinnen über vierzig zu hören ist. Sie beschweren sich seit langem darüber, dass sie mit jedem weiteren Lebensjahr kaum noch interessante Rollenangebote erhalten. Bernhard Bettermann: „Auch wir Männer haben in diesem Alter sehr viel weniger Chancen. Ich nenne nur mal das Stichwort ‚alter, weißer Mann‘. Und solange Gestalten wie Trump so wüten in der Welt, muss ich auch ganz ehrlich sagen, habe ich dafür ein gewisses Verständnis, warum man uns nicht mehr ganz über den Weg traut.“

„So betulich ist die Schweiz gar nicht“

In der Komödie im Bayerischen Hof in München ist Bettermann nach einer längeren Tournee derzeit als Hauptdarsteller im Beziehungsschwank „Schuhe, Taschen, Männer“ von Stefan Vögel zu sehen, übrigens an der Seite von Cheryl Shepard, die ebenfalls langjährige „In aller Freundschaft“-Erfahrung hat. Von 2003 bis 2015 war sie dort als Urologin Elena Eichhorn zu sehen. „Ich glaube, die meisten Kollegen würden sagen, um gutes Boulevardtheater zu spielen, braucht es fast mehr Verständnis von Timing, von Präsenz, von Einbeziehen von Publikum und Mitspielern als im dramatischen Theater“, so Bettermann. Die Stadt- und Staatsbühnen seien verglichen damit „geschützte Räume“, in dem die Schauspieler vergleichsweise wenig Kontakt mit dem Publikum aufnähmen.

Daheim in Zürich will Bettermann künftig schon deshalb mehr arbeiten, weil er gern häufiger zuhause schlafen würde: „So betulich ist die Schweiz gar nicht, Zürich schon mal gar nicht. Das ist wirklich ein Welt-Dorf und da passiert unglaublich viel. Und da ich ja dort die Schauspielschule absolviert habe, kenne ich auch noch sehr viele, die im Kulturbetrieb arbeiten und fühle mich da auch künstlerisch ein Stück weit zu Hause.“

„Schuhe, Taschen, Männer“ bis 23. November 2025 in der Komödie im Bayerischen Hof in München.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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