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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > „Digitale Pandemie“: Wie Cyber-Trader Millionen erbeuten
Wirtschaft

„Digitale Pandemie“: Wie Cyber-Trader Millionen erbeuten

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 24. Oktober 2025 08:48
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Sabine hat mehrere zehntausend Euro seit Anfang Oktober verloren. Damit wollte die Rentnerin eigentlich ihren Lebensabend genießen. Doch daraus wird nun nichts. Sie befürchtet sogar, die Beerdigung ihrer pflegebedürftigen Mutter nicht mehr bezahlen zu können, wenn diese plötzlich sterben sollte. Denn die Betrüger haben nicht nur ihr Konto leergeräumt, sondern auch den Dispo voll ausgeschöpft. „Ich habe jetzt 8.000 Euro Schulden“, sagt die Seniorin, „dabei hatte ich noch nie Schulden“. Ihren vollen Namen will Sabine nicht nennen. Niemand soll wissen, dass ihr das passiert ist. Nicht einmal ihre Familie weiß Bescheid, zu peinlich ist ihr das Ganze.

Inhaltsübersicht
Totalverlust durch CybercrimeEisenreich: „digitale Pandemie“Was Bayern gegen Cybercrime tutWenig Hoffnung für Sabine

Totalverlust durch Cybercrime

Vor ein paar Monaten fing alles an. Sabine stieß im Internet auf eine Anzeige, die bei einem Investment in Kryptowährungen hohe Renditen versprach. Mit einem Startkapital von nur 250 Euro sei ein Vielfaches an Gewinn möglich. Die Rentnerin dachte sich zunächst nichts dabei, „250 Euro sind schließlich nicht die Welt“, erzählt sie. Sie zahlte das Geld ein und beobachtete in den folgenden Monaten, wie sich ihr Investment scheinbar lohnte. Über die Zeit kamen einige Tausend Euro an vermeintlichen Gewinnen zusammen.

Vor ein paar Wochen schließlich wollte Sabine etwas davon abschöpfen. Am Telefon erreichte sie eine Mitarbeiterin des Trading-Anbieters. Die Frau, eine Maria Schneider, erklärte ihr, sie müsse sich in ihr Online-Banking einloggen, damit die Summe ausbezahlt werden könne. Sabine wurde zwar misstrauisch. Doch die Beraterin setzte die ältere Dame unter Druck: „Wenn Sie mir nicht trauen, können wir das Ganze auch bleiben lassen.“ Schließlich gab Sabine nach und übermittelte der falschen Maria Schneider ihre Login-Daten. Ein fataler Fehler: Per Sofortüberweisung buchte die Kriminelle hohe Summen von Sabines Konto ab.

Eisenreich: „digitale Pandemie“

Um solche und ähnliche Fälle aufzuklären, ermittelt bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg seit 2019 die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB). Ihr Ziel ist es, digitale Straftaten koordiniert zu bekämpfen, insbesondere in komplexen und grenzüberschreitenden Fällen wie Datenmissbrauch, Hacking oder Internetbetrug. National arbeiten die Ermittler mit der Bayerischen Polizei, dem Landeskriminalamt (LKA Bayern) und auch dem Bundeskriminalamt (BKA) zusammen, internationale Partner sind Europol und Interpol.

Gemeinsam mit Bayerns Justizminister Georg Eisenreich stellte Oberstaatsanwalt Nino Goldbeck von der ZCB in München einen Zwischenstand der Ermittlungen seiner Behörde vor. Demnach seien seit 2019 rund 14.000 Anzeigen von überwiegend bayerischen Geschädigten eingegangen. Der Gesamtschaden liegt mittlerweile bei rund 500 Millionen Euro. Die Arbeit der Zentralstelle hat bisher zu über 100 Anklagen geführt, mehr als 25 Millionen Euro Tatbeute konnten sichergestellt werden. Zu den Ermittlungsergebnissen sagte Justizminister Eisenreich, der Kampf gegen Cybercrime habe inzwischen „das Ausmaß einer digitalen Pandemie erreicht“.

Was Bayern gegen Cybercrime tut

Um ein Ausbreiten dieser „Pandemie“ einzudämmen und den Kriminellen nicht dauerhaft einen Schritt hinterher zu sein, setzt die ZCB neben der Kooperation mit anderen Behörden auf moderne technische Möglichkeiten bei der digitalen Kriminalitätsbekämpfung und auf das Fachwissen von IT-Experten.

An der Seite der mittlerweile 30 Staatsanwältinnen und Staatsanwälte tüfteln vier IT-Spezialkräfte. Diese Zusammenarbeit, so Goldbeck im BR-Interview, „ermöglicht es uns, schneller und gezielter gegen die Täter vorzugehen.“

Wenig Hoffnung für Sabine

Sabine hat mittlerweile Anzeige gegen Unbekannt erstattet und sich Hilfe bei einem Fachanwalt in München gesucht. Da die Polizei überprüft, ob sie wegen der hohen Überweisungen von ihrem Konto vielleicht sogar Teil der Bande ist, hoffe sie, zusätzlich zu ihrem Verlust nicht auch noch juristisch in die Bredouille zu kommen. „Wie konnte mir das passieren?“, fragt sie immer wieder laut vor sich hin. Dass sie viel von ihrem Geld jemals wiedersieht, glaubt sie nicht: „Die sind längst über alle Berge.“

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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