Nach einem Bericht der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ sind nach einem Hackerangriff auf die Uffizien in Florenz zahlreiche Ausstellungsstücke in Sicherheit gebracht worden. Das Museum ließ zudem Türen und Notausgänge zumauern. Die unbekannten Täter hätten bereits versucht, mit den gestohlenen Daten eine Art Lösegeld zu erpressen.
Mehrfache Hackerangriffe seit Februar
In vielen Museen rund um die Welt sind die Sorgen vor Einbrüchen seit einiger Zeit groß. Grund dafür ist der spektakuläre Kunstraub im Louvre in Paris. Dort wurden im Oktober ein Teil der französischen Kronjuwelen gestohlen. Bei den Uffizien gelang es den Hackern nach Informationen aus Ermittlungskreisen seit Februar mehrfach, in die interne Datenbank einzudringen. Dabei seien ihnen neben Passwörtern und Zugangsdaten zum Fotoarchiv auch genaue Lagepläne sowie die Standorte der Überwachungskameras in die Hände gefallen.
Dem „Corriere della Sera“ zufolge gelangten die Hacker zudem an die private Handynummer von Uffizien-Direktor Simone Verde. Auf diese Weise sei dann die Lösegeldforderung übermittelt worden. Inzwischen ermitteln Staatsanwaltschaft und Polizei. Auch Italiens Behörde für Cyber-Sicherheit ist eingeschaltet. Offiziell gab es von Uffizien-Direktor Verde, der das Museum seit dem Abgang seines deutschen Vorgängers Eike Schmidt 2024 leitet, keinen Kommentar.
Museum dementiert: Artefakte nicht wegen Angriff umgezogen
Das Museum selbst bestätigte am Freitag einen Hackerangriff am 1. Februar, ohne allerdings Details zu nennen. In einer schriftlichen Stellungnahme wurde zugleich betont, bislang sei nichts beschädigt oder gestohlen worden, auch „absolut keine Passwörter“. Telefone von Mitarbeitenden seien auch nicht betroffen. Wo sich die Überwachungskameras befänden, könne jeder Besucher sehen. Tatsächlich seien die analogen Kameras durch modernere, digitale ausgetauscht worden – das sei jedoch schon unmittelbar nach dem Einbruch im Louvre geschehen und habe mit dem Hackerangriff nichts zu tun.
Außerdem bestätigte das Museum, dass man Artefakte in den Tresorraum der italienischen Notenbank verbracht habe. Das habe allerdings ebenfalls nichts mit dem Hackerangriff zu tun. Die Schmuckstücke aus der Schatzkammer der Großherzöge seien wegen geplanter Renovierungsarbeiten umgezogen.
Uffizien: eine der wichtigsten Kunststammlungen der Welt
Die fast 500 Jahre alten Uffizien gehören zu den bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt, mit einem Schwerpunkt auf Gemälden und Skulpturen aus der Renaissance. Zum Bestand zählen berühmte Werke von Italienern wie Michelangelo, Raffael, Leonardo da Vinci und Sandro Botticelli, aber auch von Rembrandt und Hans Holbein. Zu den Uffizien gehören auch der Palazzo Pitti und die Boboli-Gärten.
Neben dem Kolosseum in Rom und den Anlagen der vom Vulkan Vesuv verschütteten Stadt Pompeji gehören sie zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Italiens. Noch mehr Besucher als die Gemäldegalerie in Florenz haben nur die Museen des Vatikans, die auf dem Gelände des katholischen Kirchenstaats mitten in Rom liegen. Auch dort waren nach dem Einbruch im Louvre die Sicherheitsvorkehrungen für die Sixtinische Kapelle und die anderen Räume verstärkt worden.

