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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Auch ein politisches Problem: Warum Einsamkeit uns alle betrifft
Kultur

Auch ein politisches Problem: Warum Einsamkeit uns alle betrifft

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 3. April 2026 12:47
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Einsamkeit ist schmerzhaft, sagt Maike Luhmann. „Wir sind dann einsam, wenn wir weniger Kontakte oder Beziehungen haben, als wir uns eigentlich wünschen.“

Inhaltsübersicht
Einsamkeit löst Schmerzen ausImmer stärker als politisches Problem erkanntIst KI ein Ersatz für echte Begegnung?

Einsamkeit löst Schmerzen aus

Die Bochumer Psychologin hat gerade ein Buch zum Thema vorgelegt („Einsamkeit“, S. Fischer). Seit Jahren untersucht sie, was Einsamkeit in uns auslöst. Darunter sind Emotionen wie Traurigkeit, Kontrollverlust, Hoffnungslosigkeit, aber auch Wut oder Scham. Die Rede vom „Schmerz“ der Einsamkeit sei nicht nur metaphorisch, sagt sie. „Neurowissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass im Gehirn dieselben Areale aktiviert sind wie bei echten körperlichen Schmerzen.“

Allerdings hält Luhmann nichts davon, von einer „Einsamkeitsepidemie“ zu sprechen, obwohl die Corona-Pandemie natürlich ein zeitweiliger Einsamkeitstreiber war. Es mangele schlicht an empirischer Evidenz dafür, dass wir heute einsamer sind als früher. „Ich glaube, dass dieser Begriff deshalb so populär ist, weil wir seit einigen Jahren mehr über das Thema sprechen“, erklärt sie. „Aber das heißt nicht, dass es nicht früher schon da war und ein Problem war.“

Immer stärker als politisches Problem erkannt

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst hat zusammen mit der an der Bochumer Ruhr-Uni lehrenden Wissenschaftlerin 2023 das „Einsamkeitsforum“ initiiert, weil er Einsamkeit für eine gesellschaftliche Herausforderung hält. Die Demokratie ‚trockne aus‘, wenn zu viele Menschen einsam seien, sagte er damals. Und dazu diesen Satz: „Einsamkeit ist die neue soziale Frage unserer Zeit.“

Auch in anderen Ländern wird Einsamkeit zunehmend als gesellschaftliches Problem erkannt und adressiert. In Japan oder Großbritannien wurden spezielle Ministerien eingerichtet, die sich ihrer Bekämpfung widmen. Zwar seien damit nur einzelne Ansprechpartner installiert worden, so Luhmann. Von echten Ministerien könne also keine Rede sein. Aber die Idee, das Thema so im politischen Raum zu verankern, hält sie für durchaus sinnvoll. „In NRW gibt’s zum Beispiel eine Stabsstelle für Einsamkeit und auf Bundesebene ist das Thema im Bundesfamilienministerium angesiedelt.“

Ist KI ein Ersatz für echte Begegnung?

Viele glauben, Einsamkeit betreffe eher ältere als jüngere Menschen, aber Maike Luhmann betont, dass sie „uns alle betrifft“. Das Klischee sei zwar nicht ganz falsch, erklärt sie. „Aktuell sind aber auch junge Menschen zwischen 16 und 30 besonders stark betroffen.“ Dass das Smartphone ein Treiber dieser Entwicklung ist, wie in kulturkritischen Kommentaren ab und an zu lesen ist, stellt Luhmann jedoch in Frage.

Der Austausch über soziale Medien ermöglicht neue Formen der Kontaktaufnahme. Auch Chatbots will die Psychologin nicht per se verteufeln, wenngleich sie eine menschliche Beziehung in jedem Fall der zu einer KI vorzieht, wie sie der brillante Kinofilm „Her“ (2013) in aller Traurigkeit vorführte. Echte Beziehungen könnten so jedenfalls nicht ersetzt werden, sagt Luhmann.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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