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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Passion zum Mitmachen: Lebendiger Leidensweg Jesu an Karfreitag
Kultur

Passion zum Mitmachen: Lebendiger Leidensweg Jesu an Karfreitag

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 2. April 2026 16:47
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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„Die Stunde ist nah, in der Nacht wird sich erfüllen, was geschrieben steht. Wachet und betet, bleibt bei mir.“ So mahnt Jesus, gespielt von einem Laienschauspieler, auf einer Bühne mitten auf dem St. Mang-Platz in Kempten. Die Inszenierung mit mehr als 150 Mitwirkenden spielt die Leidensgeschichte Jesu nach – als Theaterstück unter freiem Himmel, inmitten der Kemptner Altstadt.

Inhaltsübersicht
Biblische Vorlage frei interpretiertEngagement der Kirchen „Zeichen der Einheit und Versöhnung“

Biblische Vorlage frei interpretiert

„Wir haben den Text Original aus den Evangelien genommen, nur die Maria hat noch zusätzlich Text bekommen“, sagt Gabi Scheidl, Theaterpädagogin und Organisatorin des „Lebendigen Kreuzweges“, den sie frei nach der biblischen Vorlage inszeniert. So weicht Scheidl etwa vom biblischen Text ab, wenn in „ihrer Version“ Maria während der Passion etwa zu ihrem Sohn spricht. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sich eine Mutter nicht von ihrem Sohn verabschiedet,“ erklärt Scheidl.

Der „Lebendige Kreuzweg“ in Kempten, den die Theatergruppe „Bühnentaucher“ zusammen mit dem Arbeitskreis Christlicher Kirchen (ACK) und der Band der evangelischen Freikirche „Alpenchurch“ veranstaltet hat, fand bereits eine Woche vor dem Karfreitag statt.

Traditionell wird das biblische Geschehen vom Verrat durch Judas bis zum Kreuzestod am Karfreitag in Szene gesetzt, an dem Tag, an dem Christen weltweit dem Sterben Jesu gedenken. Das geht auf die Tradition der „Via Crucis“ zurück, die aus Italien stammt und bei der der Leidensweg Jesu typischerweise in 14 Stationen nachgestellt wird.

Vorbild für den „Lebendigen Kreuzweg“ in Kempten war der „Lebendige Kreuzweg“ in Neu-Ulm/Ulm, der dort seit mehr als 20 Jahren von der italienischen Gemeinde organisiert wird. Heute startet der „Lebendige Kreuzweg“ in Neu-Ulm um 18 Uhr auf dem Rathausplatz. Von dort zieht die Prozession in sechs Szenen durch die Stadt und endet mit der Kreuzigung vor dem Ulmer Münster. Die Karfreitagsprozession im unterfränkischen Lohr (Link zur Frankenschau) am Main wurde erst im März diesen Jahres zum Weltkulturerbe erhoben.

Engagement der Kirchen „Zeichen der Einheit und Versöhnung“

„In einer Zeit, die vielerorts von Trennung und Gegeneinander geprägt ist, setzt das gemeinsame Engagement der christlichen Kirchen in Kempten ein deutliches Zeichen der Einheit und der Versöhnung“, so der Kemptner Oberbürgermeister Thomas Kiechle (CSU) in einem Grußwort.

Gemeinsam mit etwa 900 Zuschauern zogen Vertreter der verschiedenen christlichen Konfessionen mit einer Prozession durch die Altstadt – von der St. Mang Kirche bis zur Basilika St. Lorenz. Bei der Inszenierung waren die Zuschauer eingeladen, beim Gehen von Station zu Station mitzusingen. Trotz Eiseskälte hielten Publikum, Musiker, Sänger und Schauspieler fast drei Stunden durch – die Laiendarsteller zum Teil ohne Strümpfe. Jesus – gespielt von dem 25-jährigen Kemptner Alban – fast ganz ohne Kleider, mit Bart und langen Haaren, was an die alle zehn Jahre in Oberammergau aufgeführten Passionsspiele (Link zum Podcast) erinnert: „Es ist eine Ehre, aber auch eine Verantwortung, wenn man das Ganze über die Hauptrolle nach außen tragen darf“, sagt Alban.

Beim Publikum kam Kemptens erster lebendiger Kreuzweg gut an – so gut, dass man sich bereits beinahe sicher ist, dass es nicht der erste und letzte „Lebendige Kreuzweg“ in Kempten war, sondern dass vielmehr eine neue Tradition geboren worden sei.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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