Hunderte Menschen stehen da, vor dem berühmten Triumphbogen am Washington Square Park in New York. Sie sind nicht gekommen, um gegen den Krieg in Iran oder Trumps Migrationspolitik zu demonstrieren, sondern um Männer in Unterhemden, umgedrehten Basecaps und Sonnenbrillen zu bestaunen: zum John-F.-Kennedy-Junior-Lookalike-Contest. Der Auslöser für den Wettbewerb war der gewaltige Hype um die neue Serie „Love Story“, die aktuell im Wochentakt bei Disney+ erscheint.
„Love Story“ macht die Kennedy-Bessettes wieder populär
Die Serie erzählt die Geschichte von John F. Kennedy Jr. und der Modemanagerin Carolyn Bessette, eines der ikonischsten Paare der 90er. Laut Streamingdienstleister Disney ist „Love Story“ die meistgestreamte Miniserie aller Zeiten. Auf TikTok sollen die Suchanfragen nach den Kennedy-Bessettes seit Serienstart um 9.100 Prozent gestiegen sein. Viele Menschen versuchen, den Stil des Paares jetzt zu kopieren. Kein Wunder: „Love Story“ ist eine über weite Strecken fesselnde Serie: Die 90er-Jahre in den USA werden perfekt eingefangen. Die beiden Hauptdarsteller Sarah Pidgeon und Paul Anthony Kelly sind sehr gut gecastet. Auch der Soundtrack berührt, weil er schon früh ahnen lässt, dass diese Liebesgeschichte ein viel zu frühes Ende finden wird. 1999 sterben beide bei einem Flugzeugabsturz.
Daryl Hannah wirft „Love Story“ Misogynie vor
Aber neben all dem Hype häuft sich aktuell auch die Kritik. Zum Beispiel, dass Daryl Hannah, eine Ex-Freundin von John F. Kennedy Jr., in „Love Story“ zu schlecht wegkommt. Sie wird in vielen Szenen als rücksichtslos und egoistisch dargestellt. Ein typisches Muster der Popkultur, kritisiert die echte Daryl Hannah jetzt in der New York Times: Ist das nicht misogyn, wenn man, um eine Frau aufzubauen, immer eine andere niedermachen muss, fragt Daryl Hannah.
Kennedy-Neffe geht mit Serienschöpfer ins Gericht
Auch Kennedys Neffe Jack Schlossberg übt beim Sender CBS scharfe Kritik an „Love-Story“-Produzent Ryan Murphy. Murphy habe kaum Einsichten in die Realität gehabt, sagt Schlossberg, der den Serienmachern vorwirft, auf Kosten seiner Familie Profit zu machen. Mit den wirklichen politischen Botschaften seines Onkels setze sich „Love Story“ dagegen gar nicht auseinander, fatal sei das in Zeiten wie diesen.
JFK-Lookalike-Contest statt Demo?
Was Schlossberg meint: ein Lookalike-Contest, wer der alten Präsidentschaftsfamilie am ähnlichsten sieht, statt einer Demo gegen die aktuelle Präsidentschaftsfamilie. Aber gut: „Love Story“ setzt als Serie eher auf die Performance, nicht auf den Inhalt. Wichtiger als Politik sind hier Outfits, juicy Details, Familienkonflikte und der dramatische Hochzeitsantrag. Damit ist „Love Story“ näher dem Politikverständnis von US-Präsident Donald Trump als dem der Kennedys. „This is going to make great television“, sagt der ja regelmäßig, wenn er den nächsten Skandal lostritt.
Politik der Performance?
Politologen warnen deshalb schon lange, dass Politik nicht zum Sympathie-Wettbewerb verkommen darf. Dass es eben nicht „Germanys Next Bundeskanzler“ heißen darf, dass Charisma und Medienpräsenz eigentlich nicht wichtiger sein dürften als das Parteiprogramm. Aber wer weiß? In New York hat kürzlich ein Politiker mit Inhalten eine Wahl gewonnen. Und Zohran Mamdani hätte beim Kennedy-Lookalike-Contest mit Sicherheit ziemlich schlecht abgeschnitten.

