Als Ted Lasso während der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA plötzlich in der Halbzeitshow auftauchte, fühlte sich das irgendwie falsch an. Diese WM stand für alles, was viele Fußballfans frustriert: Kommerz, politische Vereinnahmung und fragwürdige Entscheidungen auf und neben dem Platz.
Und ausgerechnet dort stand Jason Sudeikis als Ted Lasso auf dem Rasen – jene Serienfigur, die viele Zuschauer im ersten Corona-Jahr mit ihrem unerschütterlichen Optimismus durch eine düstere Zeit begleitet hatte.
„Ted Lasso“ sollte nach drei Staffeln enden
Zur Erinnerung: Die erste Staffel erzählte, wie der American-Football-Jugendtrainer Ted Lasso nach England geschickt wird, um dort ohne jede Ahnung von Fußball einen Premier-League-Klub zu übernehmen. Dass er seine Mannschaft dann nicht mit taktischer Finesse, sondern mit Menschlichkeit zum Erfolg führt, machte die Serie 2020 zur perfekten Feel-Good-Serie für schlechte Zeiten.
Nach einer guten zweiten und einer viel zu sentimentalen dritten Staffel war die Serie dann abgeschlossen. Trotz der bis zum Ende gigantischen Abrufzahlen wollte Jason Sudeikis nicht mehr. Für ihn hatte die Serie mit der Rückkehr Teds nach Kansas ein passendes Ende gefunden. Das war vor drei Jahren. Seitdem sind die Zeiten nicht unbedingt besser geworden: Kriege, gesellschaftliche Polarisierung und eine erodierende US-Demokratie – da wirkt die Idee, ein freundlicher Südstaaten-Amerikaner mit dickem Schnauzer könne uns durch das Predigen von Empathie und Zuversicht wieder an das Gute glauben lassen, naiver als je zuvor.
Viel Druck auf dem Comeback
Trotzdem ist „Ted Lasso“ jetzt zurück – und die Serie muss gleich zwei Fragen beantworten: Funktioniert die Figur im Jahr 2026 überhaupt noch? Und gelingt es den Autoren, an diese magische Mischung aus Witz und Wärme anzuknüpfen, die „Ted Lasso“ damals zu einem popkulturellen Phänomen gemacht hat?
Die Antwort lautet: Ja. Sie kommen ziemlich nahe heran – allerdings nicht sofort. Die ersten Minuten machen erst einmal skeptisch. Als wir Ted wiedersehen, sitzt er an der Kasse eines Supermarkts in Kansas. Das soll wohl zeigen, wie bodenständig Ted geblieben ist. Man fragt sich allerdings auch, wie ein Trainer mit seinem Lebenslauf plötzlich in Geldnot geraten sein soll.
Zum Glück hält sich die Serie mit dieser etwas konstruierten Ausgangslage nicht lange auf. Denn kaum steht Ted wieder an der Seitenlinie, passiert etwas, das man nach der enttäuschenden dritten Staffel kaum noch erwartet hätte: Man merkt, dass man Ted und die anderen Figuren in den letzten Jahren dann doch vermisst hat.
Weniger Kitsch, wieder mehr Comedy
Die Macher haben aus den Fehlern der dritten Staffel gelernt. Aus einer humanistischen Sport-Comedy wurde immer häufiger ein Selbsthilfeseminar. Jede zweite Szene wollte eine Lebenslektion vermitteln. Das war zu oft Kitsch statt Comedy. Davon ist in der neuen Staffel erfreulich wenig übriggeblieben. Es gibt endlich wieder herrlich albernen Slapstick, treffsichere One-Liner und originelle Dialoge, die die Figuren so liebenswert machen.
Die Qualität der nahezu perfekten ersten Staffel erreicht die vierte zwar nicht ganz. Trotzdem vertraut „Ted Lasso“ endlich wieder darauf, dass gute Pointen stärker wirken als belehrende Gefühlsmonologe.
Jetzt geht es um den Fußball der Frauen
Auch das neue Set-up überzeugt. Ted übernimmt den Trainerposten eines chronisch unterfinanzierten Frauenfußballteams. Plötzlich ist er wieder ein echter Außenseiter, der sich erst das Vertrauen seiner Mannschaft erarbeiten muss. Teds Mission ist endlich wieder klar umrissen und viele der unnötigen Nebenstränge sind verschwunden oder zumindest besser mit der Hauptgeschichte verbunden.
Gleichzeitig sorgen neue Figuren dafür, dass sich die Serie nie wie ein bloßes Remake ihrer Anfänge anfühlt. Besonders stark ist Tanya Reynolds als misanthropische Assistenztrainerin, die Teds sonnigem Gemüt zunächst mit demonstrativer Genervtheit begegnet.
Der Auftritt bei der Weltmeisterschaft machte Ted Lasso kurzzeitig zu einer seelenlosen Werbefigur für den Ausverkauf des Fußballs. Und auch die schwache dritte Staffel ist noch nicht vergessen. Wenn die vierte Staffel aber jetzt so etwas wie die Relegation für Ted Lasso ist, dann hat er das Hinspiel schon mal ziemlich souverän gewonnen.

