Liebe, Erinnerung und Wahrheit auf dem Prüfstand
Regisseur Kristoffer Borgli interessiert sich nicht für das romantische Ideal, sondern für seine Auflösung. Für die Frage, wie stabil das ist, was wir Moral nennen – und wie schnell es sich verschiebt, wenn es unbequem wird: „Was ich an der Geschichte wirklich interessant fand, war nicht nur, dass Moral sehr subjektiv ist und gewissermaßen von dem Umfeld abhängt, in dem man sich befindet, von den Menschen und ihrer Haltung. Was wissen die anderen schon? Dann lege ich meine eigene Moral fest. Die persönliche Moral unterscheidet sich von der Gruppenmoral. Ich glaube, nur wenige Menschen wollen das wirklich zugeben. Aber ich denke, dass es wahrer ist, als wir es gerne zugeben würden.“
Dieser Gedanke liegt wie ein leiser Druck auf jeder Szene. Nichts in diesem Film ist eindeutig, kaum etwas verlässlich. Erinnerungen wirken plötzlich fragil, immer wieder haben Charlie und Emma assoziative Erinnerungsfetzen, können sich nicht sicher sein, was wahr war und ist und was trügerische Fantasie.
Zendayas Spiel mit Macht und Ohnmacht
Im Zentrum steht Zendayas Figur Emma – und es ist bemerkenswert, wie sehr sich ihre Darstellung jeder Eindeutigkeit entzieht. Sie ist zugleich präsent und entrückt, kontrolliert und durchlässig. „Emma hat diese Zerbrechlichkeit, die ich gerne aufdecken wollte“, erklärt die Schauspielerin. „Es ist fast so etwas wie ein kleines Mädchen, das in ihr steckt, das einfach nur geliebt und akzeptiert werden will. Sie versucht, das mit dieser erwachsenen Frau in Einklang zu bringen, die ihr eigenes Leben führt und heiraten wird. Man sieht diese Art von Riss und bemerkt, wie diese sehr unschuldige, verletzliche, kindliche Seite manchmal aus ihr herauskommt. Das war etwas, mit dem ich gerne ein bisschen herumgespielt habe, besonders in dieser einen Szene, auf die wir immer wieder Bezug nehmen.“
Warum „Das Drama“ so schwer auszuhalten ist
Es ist dieser „Riss“, der den Film strukturiert. Nicht als dramatischer Bruch, sondern als feine, kaum sichtbare Verschiebung. Borgli inszeniert das mit einer Präzision, die ebenso elegant wie unerquicklich ist. Immer wieder kippt der Ton ins Unangenehme, ins beinahe Peinliche, in jenes schwer greifbare Gefühl, Zeuge von etwas zu sein, das man eigentlich nicht sehen möchte. Ein Film, der davon erzählt, dass das größte Drama nicht zwischen zwei Menschen stattfindet, sondern in dem, was sie glauben voneinander zu wissen – oder eben auch nicht.

