Mit dem Kanzleramt hat es nicht geklappt. So findet Markus Söder (Thomas Unger) im Singspiel auf dem Nockherberg eine andere Aufgabe. „Ich bin’s: Euer Lieblingsbarde“, ruft er dem „erhabenen Publikum, arbeitsscheuen Pöbel“ zu und schlägt einen Akkord auf der Gitarre an. Der Minnedichter Walther von der Vogelweide war einmal im Mittelalter, jetzt kommt „Söder von der Sauweide“ und besingt den „Kanzler Friederich“: „Der, der grad im Bund regieret/ ist so länglich wie ein Lurch./ Er will endlich mal was wuppen/ ja, er startet jetzt mal durch.“
Doch Söder wäre nicht Söder, würde er nicht hinzufügen: „Ach, ich könnt das alles besser/ wär auch voller Tatendurst/ doch ich bin ja nur der Barde/ und ein Botschafter für Wurst.“ So leicht und teilweise klamaukig das Singspiel in diesem Jahr beginnt, so scharf sind im weiteren Verlauf die Spitzen insbesondere gegen die Bundespolitik.
„Durch die Brandmauer“
Dem Barden steht als „Ernährungsberaterin“ Michaela Kaniber (Judith Toth) zur Seite, die ihn mit Wurst versorgt, aber auch Verse beisteuert: „Unser Friedrich, er bemüht sich/ doch bezieht er viel Kritik./ Und mit Fettnäpfchen gepflastert/ ist sein Weg zum großen Sieg.“
Friedrich Merz (David Zimmerschied) bläst derweil zum Kampf für Deutschland: „Einfach mal machen! Drum besiege ich jetzt irgendeinen Drachen!“ Gebremst wird er dabei nur von SPD-Politikerin Bärbel Bas (Nikola Norgauer): Sie möchte lieber eine Expertenkommission einrichten und sorgt sich um die Gesundheit des Kanzlers. Der Unions-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn (Thomas Limpinsel) weist Merz den Weg „direkt durch die Brandmauer“ ins Schlafzimmer eines Drachen: „Die einen sagen, er ist blau, die anderen sagen, er ist braun.“
Genervt von seinem Job ist Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (Gerhard Wittmann): „Mir war davor net klar, wie fad des alles is.“ Im Amt bleiben möchte er trotzdem und zieht als Bettelmönch mit Klingelbeutel umher: „Bitte um eine Spende für eine arme Stadt.“ Wieder mit von der Partie ist nach der Pause im vergangenen Jahr Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze (Sina Reiß). Erst verspottet sie Söder („größter Maulheld“), dann flirtet sie mit ihm: „Wer an die Macht will, muss in den sauren Apfel beißen.“
„Rächer der Erben“
Besonders bissig ist das Singspiel (Buch und Regie: Stefan Betz und Richard Oehmann) bei Auftritten von Merz und Innenminister Alexander Dobrindt (Wowo Habdank). Der Kanzler verkündet: „Ich nehme von den Armen und schone die Reichen! Genau so hätte Robin Hood gehandelt, wenn er eine Wirtschaftsuni besucht hätte.“ Als „Rächer der Erben“ gibt Merz die Devise aus: „Wir brauchen wieder viel mehr Arme, um Deutschland zu sanieren.“
Vor Dobrindt ist niemand sicher: Er unterzieht sogar den Kanzler einer Personenkontrolle. Zu 80er-Jahre-Rhythmen erläutert er im Sprechgesang: „Amira aus Syrien hatte länger schon Vertrag/ doch kurz vor ihrer Lehre kam der Schicksalsschlag/ Sie wollte soo gerne backen/ stattdessen musste sie packen.“ Und der „Schreiner aus Bethlehem“, der „wollte seinen Nächsten lieben/ drum war er abzuschieben“. Zusammenfassend verkündet er: „Den Armen reicht ein guter Christ/ stets gerne seine Hand/ In meinem Herzen hat jeder Platz/ aber nicht in meinem Land.“
„Fesselt den Barden“
Es ist ein Singspiel mit einer Fülle literarischer Anspielungen und Zitate: von Edgar Allan Poes „Raben“ („Nimmermehr“) über „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes (Kampf gegen Windmühlen) bis Heinrich Heine („Denk ich an Deutschland in der Nacht“); von der Nibelungensage („Lindwurm“ und Drachentöter) über die Artus-Legende (Schwert Excalibur) bis hin zu „Asterix und Obelix“.
Wie in der Comic-Reihe ist der Barde im Singspiel bei den anderen nicht gut gelitten. Vor allem Hubert Aiwanger (Stefan Murr) ist es leid, verspottet zu werden: „Ich bin immer noch Vorsitzender der Freien Wähler. Und teilweise sogar Wirtschaftsminister.“ Aus Rache bereitet er mit schwarzer Magie einen „dämonischen Snack“ vor, den er dem „Nürnberger Blödelbarden“ serviert. „Wer da hineinbeißt – der ist zur ewigen Ernsthaftigkeit verdammt.“
Der so geläuterte Söder warnt plötzlich vor tierischen Fetten und Massentierhaltung, spricht von Tempolimit und Super-Reichensteuer. Alle anderen Protagonisten erlegen gemeinsam den „Drachen der schlechten Laune“ und stimmen einen fröhlichen „Sehen wir das mal positiv“-Song an. Nur Söder stört die Party-Stimmung. Wie bei Asterix heißt es am Ende: „Fesselt den Barden!“

