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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Urzeit-Krimi: Woran die Riesenlurche wohl gestorben sind
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Urzeit-Krimi: Woran die Riesenlurche wohl gestorben sind

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 5. März 2026 08:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Die Luft flimmert, der Schlamm riecht faulig. Es ist brütend heiß. In einem letzten Wasserloch drängen sich gewaltige Schatten – vier Meter lang, mit messerscharfen Zähnen. Sie lauern, schnappen, kämpfen um das, was vom Leben übrig ist. Dann versiegt das Wasser…

Inhaltsübersicht
Knochenfund in Steinbruch gibt Rätsel aufGleich zwei Arten fleischfressender AmphibienRiesentomograph durchleuchtet Funde aus dem ErdmittelalterRiesenlurche Opfer eines Klimawandels?Ausstellung in Hof: Urzeit-Knochen und Computer-Scans

230 Millionen Jahre später liegt dieser Moment als versteinertes Drama im Gestein verborgen. Forscher des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) sind sich sicher, das Rätsel gelöst zu haben, warum die Riesenlurche an diesem Ort in großer Zahl gestorben sind. Ihre Erkenntnisse und die Funde sind ab heute in einer Ausstellung in Hof zu sehen.

Knochenfund in Steinbruch gibt Rätsel auf

Im Jahr 2021 stößt ein Arbeiter im Steinbruch Rauhenebrach (Landkreis Haßberge) auf ungewöhnliche Knochenfragmente. Schnell wird klar: Hier liegt kein Einzelfund, sondern ein ganzer Friedhof urzeitlicher Riesenlurche. Mindestens zehn Tiere, dicht beieinander. Für das LfU beginnt ein wissenschaftlicher Krimi.

„Der Fundort war nicht der Tatort“, sagt Roland Eichhorn, Leiter des Geologischen Dienstes am LfU. Der entscheidende Hinweis: Zwischen den Zähnen der Tiere steckt grünlicher Tonstein. Doch im Steinbruch selbst findet sich nur gelblicher Sand. Die Tiere müssen also woanders gestorben sein.

Gleich zwei Arten fleischfressender Amphibien

Unter den Fossilien sind außerdem zwei unterschiedliche Arten: Cyclotosaurus und Metoposaurus. Beides gewaltige, fleischfressende Amphibien der Triaszeit. Der eine vermutlich aktiver Schwimmer mit nach vorne gerichteten Augen, der andere ein Lauerjäger, halb im Schlamm vergraben, mit Blick nach oben.

Zwei Strategien – ein Lebensraum. „So sind sie sich nicht in die Quere gekommen“, erklärt Eichhorn. Wie viele Tiere tatsächlich im Steinblock stecken, ist lange unklar. Zu groß die Gefahr, beim Freilegen die empfindlichen Knochen zu zerstören. Normalerweise dauert eine solche Präparation Monate, manchmal Jahre. Doch diesmal gehen die Forscher einen anderen Weg – mit Hightech.

Riesentomograph durchleuchtet Funde aus dem Erdmittelalter

Im Entwicklungszentrum Röntgentechnik des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen in Fürth wird der rund 400 Kilogramm schwere Gesteinsblock auf eine riesige Drehscheibe gehievt. Ein Hochenergie-Computertomograf durchleuchtet ihn Schicht für Schicht. Bis zu neun Megaelektronenvolt stark – rund 20 Mal energiereicher als herkömmliche industrielle Röntgensysteme.

Was sonst Autos oder Flugzeugteile prüft, blickt nun in die Tiefe der Erdgeschichte. „Das ist eine ganz neue Art des wissenschaftlichen Arbeitens“, erklärt Geologe Eichhorn. Die digitalen Daten können weltweit mit anderen Forschern geteilt werden, ohne das Original anzutasten.

Auf den 3D-Bildern zeigt sich: viel Knochen auf wenig Raum. Ein 71 Zentimeter langer Unterkiefer mit erhaltenen Zähnen, vermutlich von einem Cyclotosaurus. Dicht daneben Schädelteile eines Metoposaurus. Mindestens zehn Individuen sind bislang identifiziert – vielleicht sind es noch mehr.

Riesenlurche Opfer eines Klimawandels?

Der Fund wirft ein Schlaglicht auf eine dramatische Phase der Erdgeschichte. Das Erdmittelalter vor mehr als 230 Millionen Jahren war geprägt von extremen Klimaschwankungen. Hitzeperioden, Dürren, wechselnde Flusssysteme. Das Massensterben im Tümpel von Rauhenebrach könnte ein lokales Zeugnis dieser globalen Veränderungen sein.

Die neue Hypothese: In einer extremen Dürreperiode sammelten sich die amphibischen Topjäger in einem schlammigen Tümpel. Dort jagten sie alles, was noch zu finden war. Als das Wasser endgültig verdunstete, verendeten sie selbst – gefangen im Schlamm. Mit der nächsten Regenzeit wurden ihre Überreste weggeschwemmt und später an anderer Stelle eingebettet. Millionen Jahre später kamen sie wieder ans Licht.

Ausstellung in Hof: Urzeit-Knochen und Computer-Scans

Für die Forscher ist der Fall damit zwar nicht endgültig abgeschlossen – aber das wahrscheinlichste Szenario steht. Eine Dürre, ein tödlicher Tümpel, weggespülte Knochen.

Der spektakuläre Fund bleibt nicht nur ein Fall für die Forschung: Das Landesamt für Umwelt widmet dem „Krimi aus der Urzeit“ eine eigene Ausstellung in Hof: Im Foyer des Landesamts in der Hans-Högn-Straße sind die Knochenfunde und die hochauflösenden 3D-Scans aus dem Computertomografen noch bis zum 29. Mai zu sehen. Der Eintritt ist frei.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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