Die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises sollte am 19. März im Rahmen der Leipziger Buchmesse stattfinden. Jetzt hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die Veranstaltung abgesagt. Wie es in der Pressemitteilung heißt, hätte die Verleihung ein „würdevoller Festakt“ werden sollen. Nun aber drohe „die Debatte um die Nichtberücksichtigung von drei Juryvorschlägen den eigentlichen Sinn der Veranstaltung – nämlich die Auszeichnung und Ehrung unabhängiger Buchhandlungen – zunehmend zu überlagern.“ Die ausgewählten Buchhandlungen werden Preisgeld und Urkunde auf direktem Wege erhalten, hieß es weiter in der Pressemitteilung. Die Bekanntgabe der Hauptpreise werde „in gesonderter Form erfolgen.“
Weimer: Kein würdevoller Festakt möglich
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hatte drei mutmaßlich linke Buchhandlungen wegen Extremismusverdachts vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen. Die Buchhandlungen „Zur schwankenden Weltkugel“ in Berlin, „The Golden Shop“ in Bremen und die „Rote Straße“ in Göttingen wurden von der Liste der 118 Preisträger gestrichen, auf die eine von Weimers Behörde eingesetzte Jury sich zuvor bereits geeinigt hatte.
Dafür hat Weimers Behörde den Verfassungsschutz konsultiert, den deutschen Inlandsgeheimdienst. Ein nicht nur politisch, sondern auch rechtlich bedenklicher Vorgang, sagen Experten. „Wenn wir mit staatlichen Mitteln Preise verteilen, Fördergelder verteilen, dann geht das nicht an Feinde des Staats, dann geht das nicht an Extremisten“, sagte der Kulturstaatsminister vergangene Woche im Kulturausschuss des Bundestags, und weiter: „Bei der Betrachtung der Buchhandelspreiskandidaten hat die Verfassungsprüfung bei Dreien Einwände gehabt und dann haben wir natürlich unseren Einspruch erhoben.“
Absage nach flächendeckender Kritik an Weimer
Die Schriftstellervereinigung PEN und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nannten den Vorgang inakzeptabel. Oder in den Worten des Hanser-Verlegers Jo Lendle: „Kulturpreise sind kein Ort der Terrorabwehr“.
Die drei betroffenen Buchhandlungen Golden Shop (Bremen), Rote Straße (Göttingen) und Zur schwankenden Weltkugel (Berlin) haben angekündigt, gerichtlich gegen die Streichung von der Preisliste des Deutschen Buchhandlungspreises 2025 vorgehen zu wollen.

