Anthropic hat mit seinem KI-Assistenten Claude schon für sehr viel Aufregung gesorgt. Das Programm ist eher für Firmen als für Privatkunden konzipiert. Es wird gerne für Programmierarbeiten genutzt. Und Claude ist besonders gut darin, Abläufe in Unternehmen zu optimieren. An den Aktienmärkten hatte Anthropic damit Ende Januar Panik ausgelöst.
Macht Claude Software bald überflüssig?
Folgendes Szenario machte auf dem Börsen-Parkett die Runde: Da Claude so gut mit IT-Systemen umgehen kann, könnten Unternehmen schon bald auf spezielle Software verzichten. Claude managt die Fabriken, disponiert die Mitarbeiter und schreibt Rechnungen. Komplizierte Programme wären nach diesem Szenario gar nicht mehr nötig. Claude hat alles im Griff. Den Aktien vieler Software-Konzerne tat das gar nicht gut. In Deutschland etwa stürzte der Kurs von SAP innerhalb weniger Tage um 20 Prozent ab.
Anthropic und der Militäreinsatz in Venezuela
Womöglich kann Anthropic nicht nur Abläufe in Konzernen gut steuern, sondern auch das Geschehen auf dem Kriegsfeld. Anthropic hat jedenfalls vom US-Verteidigungsministerium 200 Millionen Dollar an Förderung bekommen. Und das Pentagon nutzt die Dienste von Anthropic aktiv. Wie die BBC berichtet, hat das US-Militär Claude im Januar bei der Operation zur Gefangennahme des ehemaligen venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro verwendet.
Pentagon will bedingungslosen Zugriff auf Claude
Verschiedenen Berichten zufolge ist man im US-Verteidigungsministerium sehr überzeugt von Anthropic. Claude ist demnach den Modellen anderer KI-Unternehmen weit voraus. Es sei das leistungsfähigste Modell für sensible Verteidigungs- und Geheimdienstaufgaben, heißt es im Pentagon.
Nun will das Ministerium mehr: vollen Zugriff auf die KI. Den möchte die Firma aber nicht gewähren, wie die US-Nachrichtenseite Axios berichtet. Anthropic zieht vor allem zwei rote Linien: sein Modell darf nicht für die Massenüberwachung von Amerikanerinnen und Amerikanern verwendet werden. Und Claude soll auch nicht für die Entwicklung von Waffen, die ohne menschliches Zutun feuern, eingesetzt werden.
Nach Treffen im Pentagon: Ultimatum bis Freitag
Verteidigungsminister Pete Hegseth hat Anthropic-Chef Dario Amodei eingeladen, um Klartext zu reden. Hegseth teilte laut Axios sinngemäß mit, dass er keinem Unternehmen erlauben werde, ihm die Bedingungen für operative Entscheidungen des Pentagons zu diktieren. Ein Ministeriums-Mitarbeiter wurde im Interview über die Zusammenarbeit mit Anthropic noch deutlicher: „Der einzige Grund, warum wir noch mit diesen Leuten sprechen, ist, dass wir sie brauchen, und zwar sofort.“ Firmen-Chef Amodei bekommt nun den Berichten zufolge bis Freitag Zeit, um einzulenken.
Hegseth droht mit drastischen Maßnahmen
Sollte Amodei nicht einwilligen, will das Pentagon unter anderem den Vertrag mit seiner Firma kündigen. Außerdem könnte Anthropic über den sogenannten Defense Production Act aus dem Jahr 1950 dazu gezwungen werden, eine Version von Claude fürs Militär freizugeben. Eine dritte Strafmaßnahme wäre, Anthropic als Lieferkettenrisiko zu deklarieren. Das würde viele andere Unternehmen, die mit dem Pentagon zusammenarbeiten, verpflichten, sich von Anthropic zu distanzieren.
Womöglich aber hat das Verteidigungsministerium gar nicht so gute Karten, weil es schon zu abhängig von Anthropic ist, um den Bruch zu riskieren. Es gibt Berichte, wonach Claude bereits so tief in den IT-Systemen des Pentagons sitzt, dass man ihn dort nur noch sehr schwer wieder rausbekommt.

