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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Batterie-Technik: Wie abhängig ist Deutschland von China?
Wirtschaft

Batterie-Technik: Wie abhängig ist Deutschland von China?

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 15. September 2025 09:49
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Eine volle Stunde weiterfahren, wenn die E-Auto-Batterie überhitzt oder ein anderes Problem hat. Auf der IAA Mobility in München stellte Weltmarktführer CATL aus Ningde in Südchina eine solche Batterie vor – angeblich die sicherste der Welt. Caspar Spinnen, Pressesprecher von CATL in Deutschland, ist stolz auf diese Premiere: „Es ist eine Batterie, die wir explizit für Europa konzipiert haben.“ Denn in Europa und speziell in Deutschland seien Autos oft mit mehr Tempo unterwegs als in China. Havarierte Batterien, die sich auf viel befahrenen Autobahnen sofort abschalten, seien ein zu hohes Sicherheitsrisiko. Mit der neuen Technik käme ein Auto trotz kaputter Batterie immer auf den Standstreifen.

Inhaltsübersicht
Chinesen betonen Zusammenarbeit bei BatterienAutoexperte kritisiert Versäumnis und AbhängigkeitRohstoffe aus China schwer erhältlich

Chinesen betonen Zusammenarbeit bei Batterien

Auf der IAA Mobility führe seine Firma bereits Gespräche mit möglichen Käufern, sagt Spinnen. Aber wer das genau ist, verrät er nicht: „Wenn sie sich die führenden Automobilhersteller vorstellen, mit etwa 90 Prozent haben wir schon einmal zusammengearbeitet oder tun es auch aktiv.“ BMW arbeitet sogar schon seit 2012 mit CATL zusammen. BASF hat gerade beschlossen, CATL mit Materialien zu beliefern. Caspar Spinnen schätzt, dass seine Firma noch etwa 1.000 weitere deutsche Zulieferer hat. Und dann ist da noch die Fabrik bei Arnstadt. 1.700 Menschen arbeiten dort, davon 90 Prozent aus Thüringen und nur noch wenige Experten aus China, sagt der Pressesprecher.

Also keine zu große Abhängigkeit von der Volksrepublik in diesen geopolitisch schwierigen Zeiten? „Wir fangen jetzt an, unsere Produktion in Europa hochzufahren. Und wir hoffen, dass wir damit den lokalen Kunden ein guter Partner sein können.“ Spinnen gebraucht einen Vergleich: CATL wolle in Deutschland keine Brötchen verkaufen, sondern gemeinsam mit Deutschen backen – also gemeinsam neue Produkte entwickeln. Ähnliches betonen auch andere chinesische Konzerne auf der IAA Mobility.

Autoexperte kritisiert Versäumnis und Abhängigkeit

Der Automobil-Experte Stefan Bratzel aus Bergisch-Gladbach sieht das kritisch, vor allem bei den Batteriezellen: „Ich glaube, dieses Thema ist eins der größten Versäumnisse von Europa, von europäischen Automobilherstellern.“

Bratzels Argument: In der Batterietechnik stecke enorm viel Innovation. Während die Deutschen dies lange nicht ernst genommen hätten, seien chinesische Firmen – unterstützt vom Staat – sehr strategisch vorgegangen. Das Ergebnis: „Die Abhängigkeit von chinesischen Batteriezellen wird noch viele Jahre bleiben. Das liegt daran, dass die gesamten Anlagen auch von chinesischen Herstellern produziert werden und dass die großen Raffineriekapazitäten ebenfalls in China stattfinden.“

Unter den europäischen Autobauern versuchten laut Bratzel derzeit nur Mercedes, das französische Unternehmen ACC und Volkswagen, eigene Batterieproduktionen aufzubauen. Allerdings sei VW hierbei auf Partner angewiesen – wiederum auf eine Firma aus China.

Rohstoffe aus China schwer erhältlich

Zu viel Markteinfluss eines Landes ist immer problematisch – besonders für den Mittelstand. Braucht ein Unternehmen Rohstoffe, um Hightech-Produkte herzustellen, dann sei das in China schwierig, sagt Mark Furtwängler von Bühler Motor aus Nürnberg. Denn im derzeit herrschenden Handelsstreit müssen Ausländer ein kompliziertes bürokratisches Verfahren hinter sich bringen, wenn sie in der Volksrepublik einkaufen wollen. Und darauf sind die Firmen angewiesen, weil zwei Drittel aller seltenen Erden und Metalle in der Volksrepublik produziert werden.

Für seine Motoren braucht Mark Furtwängler Magnete aus der Gruppe der seltenen Erden. Er fühlt sich im Dilemma, an die nötigen Rohstoffe zum Beispiel in Afrika nur über Anbieter in China heranzukommen: „Der kleine Bühler als Mittelständler mit 1.000 Mitarbeitern, wir können nicht nach Afrika reisen und dort Minen kaufen. Aber die großen Handelsnationen, die im Wettbewerb mit der EU, Deutschland und Bayern sind, die machen das.“

Mark Furtwängler hofft, dass Politiker in Berlin und Brüssel aktiver als bisher agieren, um für die heimische Wirtschaft Hightech-Rohstoffe zu sichern. Vielleicht hat die IAA Mobility da etwas in Gang gebracht.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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