So schlecht waren die Zahlen lange nicht. Bundesweit ging der Bierabsatz im Vergleich zu 2024 um 5,8 Prozent zurück. Auch in Bayern sank der Bierkonsum deutlich – um 4,5 Prozent, das entspricht einem Minus von rund 800.000 Hektolitern. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt damit bei 88 Litern im Jahr. Ein Abwärtstrend, der sich seit Jahrzehnten fortsetzt: Vor rund 50 Jahren lag der Konsum noch bei 151 Litern pro Person. Seit 1993 hat Bayern fast ein Drittel seines Inlandsabsatzes verloren.
Alkohol ist bei Jungen out
Die Ursachen sieht der Bayerische Brauerbund vor allem im demografischen Wandel. „Die Generation der sogenannten Babyboomer erreicht langsam ein Alter, in dem alkoholhaltige Getränke zurückhaltender konsumiert werden“, sagt Georg Schneider, Präsident des Bayerischen Branchenverbands. Deutlich kleinere Jahrgänge rücken nach – mit einem ganz anderen Trinkverhalten als frühere Generationen. Während heute 39 Prozent der jungen Männer zu den regelmäßigen Alkoholkonsumenten zählen, waren es in den 1970er-Jahren noch 85 Prozent. Für Schneider ist diese Entwicklung schwer nachzuvollziehen. Bier bringe Menschen zusammen und sei ein sozialer Kitt.
Schneider wirft Politik „Boykottaufruf“ vor
Als Schuldige macht er unter anderem die Politik aus: Deutschland habe das 2022 verkündete Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Reduzierung des Reinalkoholkonsums um zehn Prozent überschritten, so Schneider. „Und nichtsdestotrotz haut die Alkoholpolitik immer wieder auf das Thema.“ Von der WHO schreibe die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ab. „Und auf die stützt sich dann wieder unsere bayerische Gesundheitsministerin, die Frau Gerlach, die am 1. Januar den „Dry January“ verkündet“, klagte er. „Im Prinzip ist das ein Boykottaufruf für unsere Produkte, und meine Kollegen waren alles andere als amused“ (externer Link).
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach wies den Vorwurf zurück. „Die Kritik des Brauerbundes kommt ausgerechnet einen Tag nach dem Weltkrebstag. Dabei haben Studien gezeigt, dass selbst moderater Alkoholkonsum mit einem erhöhten Risiko auch für einige Krebs-Arten verbunden sein kann. Deshalb wird es von mir keine Verharmlosung von Alkohol geben“, erklärte sie.
Alternativen ohne Alkohol immer beliebter
Ganz anders entwickelte sich 2025 das Geschäft mit alkoholfreiem Bier. Hier zeigen die Kurven klar nach oben: Die bayerischen Brauer produzierten im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Hektoliter – ein Plus von elfeinhalb Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für Schneider ist das alkoholfreie Bier eine „tolle Alternative“ zu „zuckergesüßten Erfrischungsgetränken“.
Wirtschaftlich sei das Segment durchaus attraktiv, sagt der Präsident des Bayerischen Brauerbunds. Doch eines sei klar: An das Volumen von Bier mit Alkohol reiche es nicht heran. Trotz des Booms konnte das alkoholfreie Bier zuletzt nur etwa ein Fünftel der Verluste beim klassischen Bier ausgleichen.
Ab Mai: Neuer Präsident für den Bayerischen Brauerbund
Trotzdem will Schneider, der den Bayerischen Brauerbund seit elf Jahren führt, den Optimismus nicht verlieren. Brauer seien widerstandsfähig und hätten schon andere Krisen gemeistert. Nach dem Krieg habe man es mit „viel Fleiß, Glaube und Liebe an das Bier“ geschafft, sich wieder einen Markt aufzubauen. So werde es auch dieses Mal sein.
Die Aufgabe als Präsident des Bayerischen Brauerbunds übergibt Schneider nun an seinen Nachfolger: Ab Mai übernimmt Stefan Kreisz von der Privatbrauerei Erdinger Weißbräu das Amt.
Ergänzt mit Informationen von dpa

