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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > CO₂ sparen: Mehr Sanieren statt Abreißen
Wirtschaft

CO₂ sparen: Mehr Sanieren statt Abreißen

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 8. Juli 2024 07:27
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Ein in die Jahre gekommenes Häuschen am Stadtrand von München. Der neue Eigentümer, der nicht mit Namen genannt werden möchte, überlegt, ob es sich lohnt, es zu sanieren und familiengerecht umzubauen, oder ob er es lieber abreißt und ein neues baut. Mit der auf Sanierungen spezialisierten Architektin Eva Petri geht er in den Keller des zweistöckigen Hauses, damit sie die Mauern auf Feuchtigkeit oder gar Schimmel prüft.

Inhaltsübersicht
Ein sanierter Neubau hat CharmeIst eine Sanierung ein unkalkulierbares Risiko?Finanzielle Anreize fürs Sanieren vom StaatBundesbauministerin Geywitz: Bauvorschriften lockernMehr Lebensqualität in alten Mauern

Ein sanierter Neubau hat Charme

Doch die Bausubstanz ist gut – nicht nur im Keller, befindet die Architektin. Und das, obwohl das Haus noch aus den Sechzigerjahren stammt. Auch ein Umbau im Erdgeschoss und im ersten Stock wäre kein Problem, sagt sie, weil es nur eine tragende Wand gibt: Aus den engen Zimmerchen ließen sich also größere machen. Die Architektin erklärt dem Bauherrn, dass sie im Erdgeschoss ein großes Wohnzimmer gestalten könnte, mit großen Fenstern und Balkontüren in den alten Garten, in dessen Mitte ein mächtiger Kirschbaum steht. Und das Dach ließe sich für eine Einliegerwohnung erhöhen.

Petri ist ein Fan vom Sanieren alter Häuser: „Wie damals gebaut wurde, hat oft einfach eine andere Ausstrahlung und mehr Charme„, sagt sie. Außerdem habe man früher einfach besser und langlebiger gebaut. Dieses Haus hier stehe auch nach über 60 Jahren gut da und werde das auch noch lange tun, glaubt sie. „Bei einem Neubau haben wir diese Aussichten wegen eventueller Baumängel nicht unbedingt.“

Ist eine Sanierung ein unkalkulierbares Risiko?

Doch der Bauherr runzelt die Stirn. Er fürchtet, dass ihm die Kosten einer Sanierung über den Kopf wachsen könnten. Allein eine moderne Heizung mit regenerativer Energie, die Dämmung der Mauern und vielleicht Solarpaneelen auf dem Dach würden ja schon zu Buche schlagen.

Wenn dann noch böse Überraschungen – wie Schadstoffe in der Bausubstanz – die Kosten in die Höhe treiben? „Wenn die Sanierung mehr kostet als ein Neubau“, sagt er, „dann macht es für uns am Ende keinen Sinn, die Substanz zu erhalten. Für uns ist wichtig, dass wir möglichst bald einziehen können, egal ob Neubau oder saniert.“

Finanzielle Anreize fürs Sanieren vom Staat

Falls ein Häuschen wie dieses am Ende abgerissen wird, hat das aber Auswirkungen auf die CO₂-Bilanz, sagt die Präsidentin der Architektenkammer Bayern, Lydia Haak: „Um ein Gebäude zu errichten, habe ich Transportenergie und Herstellungskosten für Materialien, bis der Neubau fertig ist. Wenn ich abreiße und neu baue, dann vernichte ich diese Energie und verbrauche auch noch Energie dadurch, dass ich die Materialien entsorgen muss.“ Schließlich werde das verwendete Baumaterial oft nicht wieder recycelt.

Die Architektenkammer Bayern fordert deshalb vom Gesetzgeber, dass er finanzielle Anreize fürs Sanieren schafft. Das verbessere Deutschlands CO₂-Bilanz, sagt die Architektenkammer-Präsidentin. Sie schlägt vor, dass jedes Gebäude vor dem Abriss bilanziert und auf seine Sanierungsfähigkeit hin überprüft werden sollte. Und dann sollten alle, die abreißen, dafür eine Abgabe in einen Topf einzahlen müssen, aus dem dann diejenigen Bauherrinnen und Bauherrn bezuschusst werden, die sich für eine Sanierung entscheiden.

Außerdem seien die Ressourcen endlich, sagt Lydia Haak: „Es gibt jetzt schon eine Knappheit an Kies und auch Lehmgruben sind irgendwann mal endlich. Auch deshalb liegt die Zukunft des Bauens unumstößlich im Thema der Kreislaufwirtschaft.“

Bundesbauministerin Geywitz: Bauvorschriften lockern

Bundesbauministerin Klara Geywitz plant zwar mehr finanzielle Anreize fürs Sanieren, konkrete Vorschläge hat sie jedoch noch nicht. Sie sei aber dabei, gemeinsam mit den Ländern die strengen Bauvorschriften für Sanierungen zu lockern, damit sich mehr Bauherrinnen und Bauherrn für eine Sanierung entscheiden.

Außerdem will die Ministerin die Honorarordnung der Architekten verändern, damit sie mehr Geld für eine Sanierung verlangen können, „weil da viel Gehirnschmalz reingesteckt werden muss, und auch da können wir durch eine Änderung der Honorarordnung Anreize setzen, dass es attraktiv wird umzubauen.“ Das dürfte zwar die Architekten freuen, aber für die Bauherren Sanieren dadurch teurer werden.

Mehr Lebensqualität in alten Mauern

Im Fall des Obersendlinger Häuschens würde sich die Sanierung finanziell lohnen. Die Münchner Architektin Eva Petri hat zwar noch keine endgültige Aufstellung der Kosten, sie schätzt aber, dass eine Sanierung nicht viel mehr als die Hälfte von einem Neubau kosten würde – die Erhöhung des Daches noch nicht mitgerechnet.

Dazu komme der „Charme, den ein altes Haus hat. Den kann man heute nicht mehr herstellen, weil man ja immer sieht, dass es neu gebaut ist. Und wenn man es behutsam saniert, dann hat das eine komplett andere Atmosphäre und Lebensqualität.“

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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