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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Die BayWa bekommt mehr Zeit für die Sanierung
Wirtschaft

Die BayWa bekommt mehr Zeit für die Sanierung

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 1. Juli 2026 08:48
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Die BayWa bekommt mehr Zeit zur Sanierung, wenn der Plan so durchgeht. Erst Ende 2030 muss der Konzern nun neu aufgestellt sein. Ziel: die Konzentration auf das Kerngeschäft, also die Belieferung von Landwirten mit Betriebsmitteln und Technik. Hinzu kommen noch die beiden anderen Bereiche: Agrarhandel und Baustoffe. Der Bereich Mobilität und Wärme soll verkauft werden. Dabei geht es um den Handel mit Heizöl- und Pellets.

Inhaltsübersicht
Die BayWa wird gesund geschrumpftBanken und Eigentümer versprechen mehr EngagementInsolvenz unbedingt vermeiden

Die BayWa wird gesund geschrumpft

Die starke Expansion der Vorjahre unter dem früheren Vorstandschef Klaus-Josef Lutz wird also weiter rückabgewickelt. Einige Bereiche wurden schon verkauft. Trennen will man sich nun auch von der neuseeländischen Tochtergesellschaft T&G Global, die Obst und Gemüse anbaut, vermarktet und exportiert. Schon seit längerem versucht sich die BayWa zudem von ihrer Beteiligung an der BayWa r.e. zu trennen, dem Wind- und Solarpark-Entwickler. Doch so einfach ist das nicht.

Ursprünglich wollte der Konzern durch den Verkauf rund 1,7 Milliarden Euro einnehmen. Zu diesem Preis war aber offensichtlich kein Investor bereit einzusteigen. Die BayWa r.e. blieb hinter den Erwartungen zurück, Projekte in Europa und den USA entwickelten sich nicht so wie erwartet. Im Gespräch ist nun die Ausgliederung aus der Bilanz. Ein sogenannter Transformationsgesellschafter soll sich um die Restrukturierung und spätere Veräußerung kümmern.

Banken und Eigentümer versprechen mehr Engagement

Der Plan ist nach wie vor, die Schulden des Konzerns abzubauen, insgesamt geht es um vier Milliarden Euro. Bisher ist dies nur zum Teil gelungen, unter anderem durch Beteiligungsverkäufe wurden die Schulden um 1,3 Milliarden Euro gesenkt, fehlen also noch 2,7 Milliarden Euro. Allerdings wird das Ziel durch Verkäufe und Ausgliederung wohl nicht erreicht werden. Die Gläubigerbanken sind deshalb bereit, zur Not faktisch einen Schuldenschnitt vorzunehmen, auf einen Teil ihrer Kredite also zu verzichten.

In der ad-hoc-Mitteilung, die am Dienstagabend veröffentlicht wurde, heißt es, dass die Gläubigerbanken zur Stärkung des wirtschaftlichen Eigenkapitals Finanzverbindlichkeiten in Höhe von bis zu 700 Millionen Euro in ein nachrangiges Instrument umwandeln werden. Aber auch die beiden Großaktionäre sind bereit, sich stärker einzubringen.

Größte Aktionärin ist mit 36,5 Prozent die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG (BRB). Hinter ihr stehen im Wesentlichen Volks- und Raiffeisenbanken aus dem Freistaat. Knapp 31 Prozent hält daneben die österreichische Raiffeisen Agrar Invest. Die beiden sind bereit, ihre Anteile an einen Treuhänder zu übergeben. Wenn die Großaktionäre im Rahmen einer für 2029 geplanten Kapitalerhöhung mindestens 220 Millionen Euro zur Verfügung stellen, bekommen sie die Anteile wieder, wenn nicht werden sie vom Treuhänder veräußert. Stefan Müller, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB) erklärte im Anschluss, dass es erfreulich sei, dass eine Einigung erzielt werden konnte. Sie sei das Ergebnis harter Verhandlungen, fügte er hinzu. Und das sieht man auch daran, dass diese Verständigung quasi in letzter Minute zustande kam. In der Nacht lief eine wichtige Frist des vorherigen Stillhalteabkommens mit den Banken aus. Und noch ist nicht alles in trockenen Tüchern.

Insolvenz unbedingt vermeiden

Eigentlich war allen Beteiligten schon im Vorfeld klar: Eine Pleite darf es nicht geben. Zum einen ist die Abhängigkeit der Landwirtschaft im Freistaat vom Agrarunternehmen nach wie vor sehr groß. Zahlreiche Landwirte beziehen ihre Betriebsmittel wie Dünger, Saatgut, Traktoren sowie vieles andere hauptsächlich von den BayWa-Standorten vor Ort und sie liefern dort auch ihre Ernte ab. Zum anderen haben auch die Gläubigerbanken und Eigentümer kein Interesse daran, auf ihre gewährten Kredite und Einlagen gänzlich zu verzichten. Man leiste einen starken Beitrag dafür, dass die BayWa eine Zukunft habe, im Interesse der bayerischen Landwirtschaft, der BayWa-Mitarbeitenden und der bayerischen Genossenschaftsbanken, so Müller.

Denn es war klar, es braucht ein neues Sanierungsprogramm, nach dem sich gezeigt hat, dass das vorherige nicht so funktioniert wie gedacht. Doch noch gibt es nur eine grundsätzliche Verständigung. Einige Fragen sind also noch offen. Bis Herbst soll dann eine Vereinbarung stehen. Doch der müssen dann noch der Aufsichtsrat der BayWa AG und die Gremien der Gläubigerbanken und der beiden Großaktionäre zustimmen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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