Ökostrom ist in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Im ersten Halbjahr 2026 hatte klimaneutral erzeugter Strom einen so großen Anteil am Stromverbrauch wie noch nie in diesem Zeitraum. Erneuerbare Energien (EE) deckten in den ersten sechs Monaten 58 Prozent des Stromverbrauchs. Das zeigen Hochrechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Als erneuerbare Energieträger gelten Windenergie, Sonnenenergie, Biomasse, Wasserkraft sowie der organische Anteil des Abfalls.
Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2025 lag die Quote bei 55,2 Prozent, im ersten Halbjahr 2024 bei 57 Prozent. Im gesamten Jahr 2025 hatte der Anteil der Erneuerbaren am Stromverbrauch 55,8 Prozent betragen. Von dem gesetzlich vorgeschriebenen Ziel ist Deutschland damit allerdings noch deutlich entfernt: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) schreibt vor, dass der Bruttostromverbrauch im Jahr 2030 zu mindestens 80 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen muss.
Mehr Strom aus Wind und Sonne, weniger aus Wasserkraft
„Der Anstieg gegenüber dem windschwachen Vorjahreshalbjahr ist insbesondere auf die höhere Stromerzeugung aus Windenergie an Land (+7,0 Prozent) und auf See (+28,3 Prozent) zurückzuführen“, heißt es es in der Untersuchung von BDEW und ZSW. Die Stromerzeugung aus Sonnenlicht stieg um 3,7 Prozent. Weil es weniger regnete, wurde weniger Strom aus Wasserkraft erzeugt. Hier gab es einen Rückgang um 7,7 Prozent.
Forscher: Energiekrisen durch fossile Energieträger ausgelöst
ZSW-Chef Frithjof Staiß betonte die Bedeutung erneuerbarer Energieerzeugung für die Energiepreise. „Je höher der Anteil der erneuerbaren Energien steigt, desto unabhängiger werden wir von Importen fossiler Energieträger“, sagte er. Desto widerstandsfähiger werde auch die Volkswirtschaft gegenüber Energiepreisschocks. „Die Energiekrisen der vergangenen Monate und Jahre wurden durch die fossilen Energieträger ausgelöst, nicht durch die Erneuerbaren.“
Der Ausbau der Erneuerbaren sei auch das „schärfste Schwert“ im Kampf gegen den Klimawandel. Damit Elektrifizierung ihr volles Klimaschutzpotenzial entfalten könne, müsse der Strom aus erneuerbaren Energien stammen. Die Hitzewelle der vergangenen Tage habe sehr deutlich gezeigt, wie dringend Erfolge beim Klimaschutz erzielt werden müssten.

