Was Zölle und der schwache US-Dollar für einen Effekt auf international agierende Unternehmen haben, zeigt ein Blick auf die am Donnerstag vorgelegte Bilanz von Siemens Healthineers. Faktisch ist der Umsatz im abgelaufenen Quartal um 1,5 Prozent gesunken. Auch der Gewinn ging etwas zurück. Der Erlanger Medizintechnikkonzern ist trotzdem „sehr zufrieden“ mit den Geschäften, wie CEO Bernd Montag sagt, und hält an seiner Prognose für das Gesamtjahr fest.
Zölle und Währungseffekte machen den Unterschied
Wenn sich der US-Dollar gegenüber dem Euro um nur einen Cent verbilligt, mindert das das Ergebnis der Siemens Healthineers um einen „niedrigen zweistelligen Millionenbereich“, sagt Finanzchef Jochen Schmitz auf der Hauptversammlung. Tatsächlich hat der US-Dollar im Vergleich zum Vorjahresquartal nicht um einen – sondern um über zehn Cent abgewertet. Dazu kommen noch die US-Zölle.
So belief sich der Umsatz der Siemens Healthineers im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres auf 5,4 Milliarden Euro. Ein Minus von 1,5 Prozent. Rechnet man die Zölle und Währungseffekte heraus, hätte Siemens Healthineers eine Umsatzsteigerung von 3,8 Prozent vermelden können.
Die US-Zölle und Währungseffekte summieren sich also auf rund 208 Millionen Euro. Und so ging es auch mit dem Gewinn nach Steuern spürbar nach unten. 456 Millionen Euro bedeuten einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von fast fünf Prozent.
Healthineers: Siemens-Loslösung im Fokus der Aktionäre
Großes Thema bei der Hauptversammlung dann: die geplante Trennung vom Mutterkonzern Siemens. Der hält noch immer 67 Prozent der Siemens-Healthineers-Aktien, hatte zuletzt aber angekündigt, Anteile verkaufen und nur noch eine Minderheitsbeteiligung halten zu wollen. Die meisten Aktionärsvertreter begrüßten diesen Schritt, etwa weil sie auf mehr Eigenständigkeit hoffen. Das, so die Hoffnung, könnte das Unternehmen weiter fokussieren und den Aktienkurs beflügeln.
Auf der anderen Seite sind für Siemens Healthineers noch viele Fragen offen. Etwa wenn Siemens-Kredite durch Bank-Kredite abgelöst werden müssen. Wenn Siemens seine Aktienbeteiligung reduziert, braucht Siemens Healthineers eine eigenständige Finanzierung.
Damit die Konzernführung im Fall der sogenannten Entkonsolidierung schnell handlungsfähig ist, stimmten die Aktionäre sogenannten Vorratsbeschlüssen zu. So können die Erlanger bei Bedarf rasch neues Eigenkapital aufnehmen, ohne eine zusätzliche Hauptversammlung abwarten zu müssen. Einen Zeitplan für die Trennung von Siemens gibt es noch nicht.
China-Probleme befeuern Trennungsgerüchte um Diagnostik-Sparte
Im Fokus der Aktionäre außerdem: die Diagnostik-Sparte. Hier hatte Siemens Healthineers im abgelaufenen Quartal einen Umsatzrückgang von fast acht Prozent verbucht, vor allem wegen Problemen in China. Abgesehen davon, betonte Konzernchef Bernd Montag, habe sich die seit Jahren im Umbau befindliche Sparte zuletzt gut entwickelt.
Und doch zeigte die Hauptversammlung: Die meisten Aktionäre rechnen damit, dass Siemens Healthineers sich früher oder später von seinem Diagnostikgeschäft trennt. Zu oft hatten die Konzernverantwortlichen schon betont, dass dieser Geschäftsbereich quasi keine Synergieeffekte mit den anderen beiden hat, mit der Bildgebung und der Präzisionstherapie.
Im Strategiekonzept für die kommenden Jahre, das Siemens Healthineers im November vorgestellt hat, sind gar zwei Zielsetzungen beschrieben: eine inklusive des Diagnostik-Geschäfts – eine weitere ohne.

