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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Für bessere Therapien: Studie zu Bakterium Helicobacter pylori
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Für bessere Therapien: Studie zu Bakterium Helicobacter pylori

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 29. Mai 2024 09:03
Von Michael Farber
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6 min. Lesezeit
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Helicobacter pylori gilt als Hauptauslöser für Magenkrebs. Eine Infektion mit dem Bakterium kann zwar mit Antibiotika behandelt werden, doch entwickeln die Keime, die von Mensch zu Mensch übertragen werden, immer häufiger Resistenzen gegenüber Antibiotika. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt den Erreger seit 2017 sogar auf ihrer Prioritätenliste antibiotikaresistenter Bakterien mit der größten Gefahr für den Menschen.

Inhaltsübersicht
Helicobacter pylori – die Ziele der StudieHelicobacter pylori – Übertragung, Nachweis und Symptome„HelicoPTER“- Studie – Voraussetzung für die TeilnahmeHelicobacter pylori – das Bakterium in Zahlen

Um die Behandlungsmöglichkeiten von Patienten mit einer Helicobacter pylori-Infektion in Deutschland zu verbessern, wollen unter anderem Forschende der beiden Münchner Universitätskliniken – der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität (TU) – mithilfe ihrer sogenannten „HelicoPTER“-Studie (externer Link) neue Erkenntnisse über das Bakterium gewinnen.

Helicobacter pylori – die Ziele der Studie

Über die Infektion, die in den frühen 1980er-Jahren entdeckt worden ist und die „zu den häufigsten Infektionskrankheiten des Menschen überhaupt“ gehöre, „wissen wir zu wenig“, sagt Sebastian Suerbaum, Leiter des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) für Helicobacter pylori am Max von Pettenkofer-Institut in München, im BR-Interview. Gemeinsam mit Christian Schulz, dem stellvertretenden Klinikdirektor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II am Klinikum der LMU in München-Großhadern, und Markus Gerhard, Teamleiter am Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene an der TU München, leitet er die „HelicoPTER“- Studie.

Ziel der Studie sei es, zum einen den „Status quo in Deutschland“ zu ermitteln, also zu wissen, wie sich die „Infektionswahrscheinlichkeit über Generationen“ verändert habe, sagt Schulz im Gespräch mit dem BR. Außerdem wollen die Mediziner anhand der Studie herausfinden, welche Antibiotika bei den mit dem Bakterium infizierten Menschen überhaupt noch wirken.

Bei der groß angelegten Untersuchung geht es also hauptsächlich darum, festzustellen, wie weit verbreitet die Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori in der deutschen Bevölkerung ist. Außerdem wollen die Forscher herausfinden, welche Antibiotika dagegen eingesetzt werden können, um damit die Therapie „maßgeschneidert machen zu können“, wie Mediziner Schulz von der LMU sagt.

Eine „maßgeschneiderte“ Therapie ist schon deshalb wichtig, weil der Keim Helicobacter pylori für rund 90 Prozent aller Magenkrebsfälle verantwortlich ist. Die rechtzeitige Behandlung mit Antibiotika könne „die Entstehung von Magenkrebs verhindern. Die gezielte Testung und Behandlung von Helicobacter pylori sind damit die wichtigste Maßnahme der Magenkrebsvorsorge“, heißt es auch in der zur Studie veröffentlichten Pressemitteilung.

Helicobacter pylori – Übertragung, Nachweis und Symptome

Übertragen wird der Magenkeim von Mensch zu Mensch, etwa durch Speichel oder über indirekten Kontakt mit kontaminierten Personen oder Gegenständen. Meist erfolgt die Infektion im Kindesalter durch engen Kontakt mit der Mutter oder mit Geschwistern. Die Epidemiologie des Erregers sei aber „immer noch nur inkomplett verstanden“, sagt Mediziner Suerbaum im Interview. Sicher sei aber unter anderem die Übertragung von Mensch zu Mensch und: „je enger die Lebensbedingungen sind und je intensiver der Kontakt ist, desto höher ist die Infektionswahrscheinlichkeit.“

Wer wissen will, ob er mit dem Keim infiziert ist, könne das nicht selbst feststellen, auch wenn Tests dazu im Internet angeboten würden, mahnt der Mediziner Schulz. Über einen Stuhl- oder Atemtest könne man „sehr leicht herausfinden“, ob man infiziert sei, sagt Schulz. Eine Endoskopie sei dafür nur bei Menschen mit Risikofaktoren, etwa bei Blutarmut oder einer Gewichtsabnahme, nötig.

Wie man merkt, ob man mit dem Helicobacter pylori infiziert sei, beschreibt Esat Avci, der möglicherweise mit dem Keim infiziert ist, so: „Appetitlosigkeit, Übelkeit, Bauchschmerzen.“ Er nimmt an der „HelicoPTER“- Studie teil, weil der Arzt, der ihn bisher behandelt habe, ihm nur „Tropfen gegeben habe zur Magenberuhigung“, wie der junge Student sagt. Das habe aber nie wirklich geholfen. Er erhoffe sich mit der Teilnahme an der Studie, dass bei ihm eine Infektion nachgewiesen und ihm geholfen werden könne. Es wäre „cool, wenn das behandelbar wäre“, sagt der 22-Jährige.

„HelicoPTER“- Studie – Voraussetzung für die Teilnahme

Wer an der Studie teilnehmen möchte, kann über die Webseite helicobacter-testen.de/teilnahme (externer Link) Kontakt zu den verschiedenen Studienzentren aufnehmen. In Bayern befinden sich diese an der LMU und der TU.

Wer sich zur Teilnahme entschließt, werde in einem ersten Schritt aufgeklärt, müsse einen Fragebogen ausfüllen und bekomme Blut abgenommen, erklärt Studienleiter Schulz. Bisher nehmen 4.000 Menschen an der Studie teil, 20.000 sollen es nach dem Willen der Forscher um Schulz und Suerbaum insgesamt werden – die bisher größte in Deutschland dazu untersuchte Kohorte. In etwa zwei Jahren soll dann der komplette Datensatz mit neuen Erkenntnissen zum Bakterium Helicobacter pylori vorliegen, hoffen die Forscher.

Helicobacter pylori – das Bakterium in Zahlen

Weltweit sind etwa 50 Prozent der Menschen mit dem Erreger Helicobacter pylori infiziert. In Deutschland beträgt die Infektionsrate laut Suerbaum etwa 40 Prozent. Der Keim ist Auslöser für über 90 Prozent aller Magenkrebsfälle. Etwa ein Prozent derjenigen, die mit dem Bakterium infiziert sind, bekommen ein Magenkarzinom, 20 Prozent von ihnen erleiden ein Magengeschwür, nahezu alle haben bei einer Infektion eine chronische Magenschleimhautentzündung.

Der Helicobacter pylori ist laut Suerbaum das einzige Bakterium, das „nachweislich Krebs verursacht“. Das Bakterium „lebt ausschließlich in der Magenschleimhaut und in kleinen Inselchen des Zwölffingerdarms“, sagt Suerbaum.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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