Das Schmerzmedikament Paracetamol und seine Wirkung bei Schwangeren sorgt derzeit für Aufregung. Eine jetzt im Fachjournal „Human Reproduction Open“ veröffentlichte Studie (externer Link) könnte Schwangere, die das Medikament eingenommen haben, beunruhigen.
Nach den von den Forschern um Margit Bistrup Fischer vom Universitätsklinikum Kopenhagen gewonnenen Erkenntnissen soll die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft bei Töchtern zu kleineren Eierstöcken, weniger Follikel, kleineren Gebärmüttern und einem niedrigeren Spiegel an Fortpflanzungshormonen führen. Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass es sich bei ihrer Arbeit um eine Beobachtungsstudie handelt und die Erkenntnisse keinen direkten Kausalzusammenhang zur Einnahme von Paracetamol belegen.
Die Studie – was die Forscher untersuchten
Für ihre Studie haben die Wissenschaftler 302 Töchter im Alter von drei Monaten untersucht. Deren Mütter gaben an, in der frühen Phase ihrer Schwangerschaft Paracetamol in der zulässigen Menge und nicht über der empfohlenen Tageshöchstdosis von 4.000 Milligramm eingenommen zu haben. Die meisten von ihnen hatten das Schmerzmedikament wegen Kopf- oder Muskel- und Gelenkschmerzen eingenommen, nicht wegen schwerwiegender Erkrankungen.
Das Ergebnis der Untersuchung: Die drei Monate alten Mädchen hatten im Durchschnitt ein um 40 Prozent geringeres Eierstockvolumen, ein um 13 Prozent geringeres Gebärmuttervolumen und wiesen 23 Prozent weniger Follikel auf als Mädchen, die vor der Geburt keinem Paracetamol ausgesetzt waren.
Die Forscher um Margit Bistrup Fischer werteten außerdem Daten von weiteren 1.210 Mädchen aus, die von ihrer Kindheit bis ins Jugendalter begleitet wurden. Auch ihre Mütter hatten während der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen. Und auch bei diesen Mädchen, die ab 1996 beobachtet wurden, stellte das Forscher-Team fest: Sie hatten kleinere Gebärmütter in der Pubertät und kleinere Eierstöcke in ihrer Adoleszenz.
Paracetamol während der Schwangerschaft: Weitere Studien erforderlich
Tierstudien hätten gezeigt, dass eine gestörte Follikelbildung in den Eierstöcken zu verminderter Fruchtbarkeit und vorzeitigem Eintritt der Menopause führen kann, sagt Fischer. Aber: „Ob die in unserer Studie beobachteten Unterschiede Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und das Menopausen-Alter beim Menschen haben, ist noch unklar und erfordert eine Langzeitbeobachtung der Mädchen unserer Kohorte“, betont die Wissenschaftlerin in einer Veröffentlichung zur Studie.
Experten: „Paracetamol während der Schwangerschaft nach wie vor Mittel der Wahl“
Die Studie sollte Frauen nicht davon abhalten, in der Schwangerschaft gelegentlich Paracetamol zu verwenden, wird der Reproduktionstoxikologe Wolfgang Paulus von der Universitätsfrauenklinik Ulm im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt) zitiert. „Sinnvoll bleibt das Prinzip, die niedrigste wirksame Dosis über die am kürzesten mögliche Behandlungsdauer in der Schwangerschaft einzusetzen.“
Bislang gilt Paracetamol als empfehlenswertes Schmerzmittel in der Schwangerschaft. So empfiehlt die Europäische Arzneimittelagentur EMA die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft, heißt es auf dem Arzneimittelverzeichnis „Gelben Liste Pharmindex“ (Stand: Oktober 2025, externer Link). Und die Deutsche Schmerzgesellschaft (externer Link) schreibt auf ihrer Webseite: „Paracetamol gilt als sicheres Schmerzmittel in der Schwangerschaft.“
Paracetamol: Kein Zusammenhang mit ADHS, Autismus und Fehlbildungen belegt
Immer wieder wird Paracetamol mit ADHS, Autismus und Fehlbildung in Verbindung gebracht, insbesondere, wenn werdende Mütter das Mittel im ersten Schwangerschaftsdrittel eingenommen haben. Studien konnten aber bisher keinen eindeutigen ursächlichen Zusammenhang feststellen.
Paracetamol gilt daher nach wie vor als Schmerzmittel der Wahl in der Schwangerschaft, „sofern es in der niedrigsten wirksamen Dosis und für die kürzestmögliche Dauer angewendet wird“, heißt es auch auf der Gelben Liste. Schließlich können Schmerzen der Mutter auch dem ungeborenen Kind schaden, betont unter anderem die Deutsche Schmerzgesellschaft.

