1,5 Grad fast sicher überschritten – aber gibt es ein Zurück?
Selbst im optimistischsten berechneten Szenario, in dem alle Länder ihre Klimapläne einhalten und ihre angestrebten Klimaneutralitätsziele erreichen, würde sich die Erde bis zum Jahr 2100 um 2,1 Grad erwärmen, heißt es weiter.
„Eine Überschreitung bedeutet keine Kapitulation. Wir können sie immer noch so gering und so kurz wie möglich halten – und die Temperaturen bis zum Ende des Jahrhunderts wieder unter 1,5 Grad senken“, betont UN-Generalsekretär António Guterres anlässlich des Berichts.
Emissionen müssten schnell sinken
Die weltweiten Treibhausgasemissionen müssten deutlich sinken, um zum Ende des Jahrhunderts wieder bei 1,5 Grad oder darunter zu landen – nämlich um 18 Prozent bis 2030, um 45 Prozent bis 2035 und um 69 Prozent bis zum Jahr 2040, alles verglichen mit dem Niveau von 2025.
Solch eine steile Abwärtskurve ist jedoch nicht absehbar: Selbst wenn die Länder all ihre geplanten Klimaschutzmaßnahmen umsetzen, würden die Emissionen laut UN-Berechnung bis 2030 nur um bis zu 8 Prozent sinken – und bis 2035 um bis zu 15 Prozent.
Zudem müssten große Mengen CO2 der Atmosphäre entzogen werden. Dies gilt unter Klimaforschern mittlerweile als unverzichtbar, ist aber mit enormen technologischen und anderen Hürden verbunden und unverhältnismäßig teuer.
„Wir müssen alle Register ziehen“
UNEP-Direktorin Andersen warnt mit Blick auf die verheerenden Folgen einer zu starken Erderwärmung trotzdem: „Wir müssen alle Register ziehen, um den Höchstwert der Erwärmung so gering wie möglich zu halten und bis zum Ende des Jahrhunderts wieder auf 1,5 Grad zu kommen. Das ist möglich.“
Es gebe mittlerweile etliche Erfolgsgeschichten, wie Emissionen schnell verringert werden könnten, führt Andersen an. Der Bericht verweist darauf, dass seit dem Pariser Klimaabkommen die erneuerbaren Energien etwa dreimal so schnell zugelegt hätten, wie dies damals erwartet worden sei. „Es liegt nun an den Staaten, dringend Maßnahmen zu ergreifen, die zu schnellen, tiefgreifenden und nachhaltigen Emissionssenkungen führen und die Welt auf den Weg zu einem stabileren Klima sowie stabileren Volkswirtschaften und Gesellschaften bringen“, so Andersen.
Krisentreffen in Antalya
Im November trifft sich die Weltgemeinschaft im türkischen Antalya, um bei der Weltklimakonferenz darüber zu beraten, wie die Krise in den Griff zu bekommen ist. Nicht mehr mit am Tisch: die USA, die unter Trump erneut aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen sind.
Einiges hat das internationale Ringen um mehr Klimaschutz jedoch gebracht: Seit dem Beginn des Pariser Klimaabkommens vor zehn Jahren hat sich die jährliche Erwärmungsprognose verringert, damals ging man von 3 bis 3,5 Grad aus.

