Wie man sich vor Manipulation schützt
Manche, die Falschinformationen glauben, würden aus ihrer Weltanschauung heraus tatsächlich sagen: „Ich suche nach der Wahrheit“. Aber, sagt Hohlfeld: „Sie arbeiten mit anekdotischer Evidenz.“ Das heißt, sie picken einzelne Fälle oder Erfahrungen heraus, die ihre These untermauern. Gegensätzliche Beweise ignorieren sie.
„Sie machen sich immun gegenüber der empirischen Evidenz. Da kann man nicht sagen, dass für diese Menschen Wahrheit keine Rolle mehr spielt – sie haben die Wahrheiten einfach verdreht.“ Forscher streben hingegen nach empirischer Evidenz – sie versuchen mithilfe wissenschaftlicher Methoden, ein möglichst vollständiges Bild der Realität zu erlangen.
Wie merke ich, dass ich manipuliert werde?
Wichtig sei es, zu erkennen, worauf ein verdächtiger Post abzielt, sagt Timo Lenk. „Habe ich es mit einer Manipulation zu tun, die auf Emotionen abzielt? Das muss ich merken, dann kann ich mich dagegen wappnen.“ Bisweilen fallen wir einem Effekt zum Opfer, den die Psychologie „motivated reasoning“ nennt: Wir suchen vernünftig klingende Argumente für eine emotionale Entscheidung, die wir bereits getroffen haben.
Auch der „illusory truth effect“ habe Einfluss, sagt Pawelec. Wir halten Dinge eher für wahr, die wir häufiger gesehen oder gehört haben, als neue Informationen. Einfach nur, weil sie uns bekannt vorkommen. Menschen halten außerdem Dinge eher für richtig, die auch ihr Umfeld für richtig hält, so die Politikwissenschaftlerin.
Ziele sind vielfältig – ein Ziel kann auch sein, User umzustimmen
Sozialpsychologe van der Linden betont aber, man dürfe die große Mitte nicht vergessen: „Propaganda kann viele Menschen, die zum Beispiel in Bezug auf den Klimawandel oder Impfungen unentschieden sind, auf die eine oder andere Seite schwingen lassen, weil ihre Sicherheit in Bezug auf ihre Überzeugungen so niedrig ist.“
So verbreitete Trump im US-Präsidentschaftswahlkampf KI-Bilder von Kamala Harris als Kommunistin. Experten, die den kulturellen Kontext in den USA beobachten, erkannten darin das Motiv, Wähler etwa mit kubanischem oder venezolanischem Hintergrund zu überzeugen, nicht Harris zu wählen. In den USA leben viele, die vor den sozialistischen Regimes in Venezuela und Kuba geflohen sind.
Informationsflut soll gezielt Unsicherheit stiften
Gerade in der Masse von Desinformation liegt aber noch ein weiteres Kernmotiv: „In vielen Fällen versucht Desinformation, ein epistemisches Chaos zu erzeugen“, sagt Timo Lenk. Sprich: Wir sollen nicht mehr sicher sein, was wir überhaupt noch wissen können. Diese Verunsicherung der Bevölkerung ist eine Wirkung, die immer mitschwingt. „Flood the zone with shit“, diese Strategie benannte Steve Bannon, Ex-Berater von US-Präsident Trump.
Das sei oft ein explizites Ziel von Akteuren, die Desinformation verbreiten – ausländisch oder nicht, sagt Pawelec. Das Vertrauen der Bevölkerung in Medien, also Bilder, Videos, Audiodateien, soll erschüttert werden – und damit auch in demokratische Prozesse und Strukturen, also zum Beispiel in Wahlen.
Das kann auch dazu führen, dass sich Bürger von der Politik und von Wahlen fernhalten. Hohlfeld, der Passauer Kommunikationswissenschaftler, sagt es so: „Wenn ich sie oft genug ins Zweifeln bringe, dann werden sie vielleicht bei irgendeiner Situation sagen: ‚Mensch, dann gehe ich halt nicht zur Wahl.‘ Da ist durchaus ein gewisses Kalkül vorhanden.“ Dafür lohne es sich für die Akteure, in Kampagnen zu investieren.

