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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Blaualgen: Was tun mit 800.000 Tonnen Schlamm im Altmühlsee?
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Blaualgen: Was tun mit 800.000 Tonnen Schlamm im Altmühlsee?

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 2. April 2026 13:51
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Ein Saugbagger liegt im westlichen Bereich im Altmühlsee im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen vor Anker und saugt Sediment vom Grund des Sees. Seit Oktober vergangenen Jahres ist der Bagger im Einsatz für ein Pilotprojekt, das helfen soll, die Blaualgen-Problematik im Altmühlsee einzudämmen.

Inhaltsübersicht
Viel Sediment, viel Phosphor, viele BlaualgenMit jedem Hochwasser kommt neues SedimentSchlamm-Lagerung eine HerausforderungSediment als Dünger für die LandwirtschaftBadebucht mit guter Wasserqualität wird geschaffen

Insgesamt sind in diesem Versuch 1.500 Kubikmeter Schlamm vom Seegrund nach oben befördert worden, erklärt Lea Braun vom Projekt „Wasserqualität Altmühlsee“ am Wasserwirtschaftsamt Ansbach. Dieses Sediment wird in eine Entwässerungsanlage gepumpt, wo es durch Zentrifugen geschleudert und damit transportfähig gemacht wird.

Viel Sediment, viel Phosphor, viele Blaualgen

„Wir wollen hier in dem Pilotversuch Erkenntnisse für eine mögliche Komplettentnahme des Sediments aus dem Altmühlsee gewinnen“, so Lea Braun. Das Wasserwirtschaftsamt schätzt, dass insgesamt 800.000 Tonnen Sediment am Grund des Altmühlsees liegen. Darin lagert sich Phosphor an und der ist Dünger für die Blaualgen. Die Blaualgenkonzentration im See war zuletzt immer wieder so hoch, dass Baden verboten werden musste. Schwierig für die Region, die vom Tourismus lebt.

Mit jedem Hochwasser kommt neues Sediment

Das Wasserwirtschaftsamt entnimmt seit Jahren bis zu 20.000 Tonnen Schlamm pro Jahr aus dem See, um das Problem zu einzudämmen, erklärt Andreas Lebender, Sachgebietsleiter Gewässerunterhalt am Wasserwirtschaftsamt Ansbach. Aber es habe sich gezeigt, dass das zu wenig ist.

„Diese Menge, die kommt jedes Jahr durch das Einleiten von Altmühlwasser an Nährstoffen und Sedimenten wieder rein. Wir erhalten dadurch zwar den Stauraum im See, aber gegen die Algen wirkt es eigentlich wenig“, resümiert Lebender. Denn der Altmühlsee ist ein künstlich angelegter See, der das Hochwasser der Altmühl speichert. Mit jedem Altmühl-Hochwasser wird Sediment und Phosphor unter anderem von den Äckern und Wiesen entlang des Flusses in den See gespült.

Schlamm-Lagerung eine Herausforderung

Diese Woche ist die Sedimententnahme im Pilotprojekt beendet worden. Die ersten Erkenntnisse gibt es schon: So ist die Lagerung des Schlamms eine Herausforderung, berichtet Lea Braun vom Wasserwirtschaftsamt Ansbach. Der Schlamm lässt sich nicht höher als etwa 70 Zentimeter aufschichten. Deshalb werden für die Lagerung des Sediments viele Flächen gebraucht.

Eine weitere Erkenntnis aus dem Projekt: Das Wasser, das durch die Zentrifugen aus dem Sediment geschleudert wurde, kann nach einer Filterung wieder in den Altmühlsee zurückgeleitet werden, berichtet Braun.

Sediment als Dünger für die Landwirtschaft

Einen Abschlussbericht wird es in einigen Monaten geben, wenn die Untersuchungsergebnisse der Universität Bayreuth und der Universität für Bodenkultur in Wien vorliegen. Die beiden Einrichtungen hatten den Pilotversuch wissenschaftlich begleitet. Anschließend will das Wasserwirtschaftsamt bewerten, ob es möglich wäre, die 800.000 Tonnen Sediment komplett aus dem Altmühlsee zu holen – und wie man es verwenden könnte.

„Wir gehen davon aus, dass das Material weiterhin landwirtschaftlich verwertbar ist. Aber wir analysieren auch weitere Verwertungswege, wie die als Einbringung als Rekultivierungsschicht oder den Einsatz als Ersatzbaustoff“, so Lea Braun.

Badebucht mit guter Wasserqualität wird geschaffen

Die Sedimententnahme ist nur eins von drei Pilotprojekten, die aktuell im See laufen. Ein anderer Versuch soll zeigen, wie sich Wasserpflanzen – sozusagen als Nahrungskonkurrenten – auf die Blaualgenkonzentration auswirken. Dafür wurden hunderte Wasserpflanzen eingesetzt und durch Netze vor Gänsen und Fischen geschützt.

Außerdem entsteht am Strand von Schlungenhof eine 1,8 Hektar große Badebucht. Dort wird mithilfe von Folien ein Badebereich vom Rest des Sees abgetrennt. „Diesen Bereich kann man dann auch behandeln und dort eben auch für eine gute Wasserqualität sorgen, damit im Sommer auch die Badegäste bedenkenlos baden können“, erklärt Andreas Lebender.

So soll gewährleistet sein, dass den ganzen Sommer gebadet werden kann, auch wenn im Rest des Sees die Blaualgenkonzentration hoch ist. Eine Sofortmaßnahme. Denn der Kampf gegen die Blaualgen wird insgesamt mehrere Jahre dauern – und sehr viel Geld kosten.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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