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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Fachkräftemangel: Erfolgreich gegen abgebrochene Ausbildungen
Wirtschaft

Fachkräftemangel: Erfolgreich gegen abgebrochene Ausbildungen

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 29. Januar 2026 08:47
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Fast jeder Dritte aller Auszubildenden in Bayern bricht seine oder ihre duale Ausbildung ab. Das erschwert die Versorgung der Wirtschaft mit qualifizierten Nachwuchskräften. Bayernweit arbeiten Initiativen daran, Jugendliche auf die Arbeitswelt vorzubereiten, etwa indem sie Berufsorientierung, Nachhilfe und auch psychologisches Coaching anbieten.

Inhaltsübersicht
Vom Spielsüchtigen zum FestangestelltenHohe Zahl an AusbildungsabbrüchenRegionale Initiativen helfenNiedrigere AbbruchquotenUngleiche Chancen und begrenzte Mittel

Vom Spielsüchtigen zum Festangestellten

Kurz nach sieben Uhr morgens bei der BMW Group in München. Adriano Pucano ist schon da, früher als nötig. Seit vier Monaten arbeitet er hier als Fachinformatiker – festangestellt, mit Perspektive. Für den 28-Jährigen ist es mehr als nur ein Job. Es ist das Ergebnis eines langen Weges zurück ins Leben.

Noch vor vier Jahren war Adriano spielsüchtig, die Ausbildung zum Erzieher hat er abgebrochen. Er verbrachte seine Tage fast ausschließlich vor dem Bildschirm, schlief wenig, isolierte sich, verlor den Anschluss. „Ich war ganz alleine“, sagt er heute. Die Wende kam durch Joblinge, eine bundesweite Initiative, die junge Menschen auf dem Weg in Ausbildung und Beruf unterstützt.

Adriano begann eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Daten- und Prozessanalyse – und zog sie durch. „So eine zweite Chance bekommt man nicht nochmal im Leben“, sagt er. Hinter dem Münchner Basecamp stehen vor allem fünf große Konzerne: BMW, Siemens, Allianz, Infineon und die Lufthansa.

Hohe Zahl an Ausbildungsabbrüchen

Solche Geschichten sind keine Einzelfälle. Viele junge Menschen starten motiviert in eine Ausbildung – und brechen sie dennoch wieder ab. Bundesweit liegt die Quote bei knapp 30 Prozent, in Bayern bei rund 27 Prozent. Zahlen, die auf den ersten Blick alarmieren. Doch Hubert Schöffmann, Bildungspolitischer Sprecher der IHK München und Oberbayern relativiert: „Entscheidend ist, dass viele Ausbildungen nicht abgebrochen, sondern aufgelöst werden.“

Viele Jugendliche würden den Betrieb oder sogar die Branche wechseln. Die tatsächliche Drop-out-Quote liege eher bei acht oder neun Prozent. Gründe für Vertragsauflösungen seien oft falsche Vorstellungen vom Beruf, fehlende Praxiserfahrung oder Konflikte im Betrieb. Auch die Corona-Pandemie habe Spuren hinterlassen: Jugendlichen fehlte der Bezug zur beruflichen Realität.

Regionale Initiativen helfen

Wie wertvoll Unterstützung ist, zeigt auch ein Blick nach Coburg. Dort besucht Julia Stang die Berufsschule. Die 28-Jährige kommt aus der Ukraine, ist dreifache Mutter und macht seit vier Monaten eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement. Ihr Tag beginnt um fünf Uhr morgens – Kinder versorgen, Schule, Prüfungen. „Es ist meine Zukunft. Ich möchte das bis zum Ende bringen“, sagt sie. Doch Fächer wie Englisch oder Rechnungswesen fallen ihr schwer.

Hilfe bekommt sie bei A+zubi, einer Initiative der Volkshochschule und der IHK (externer Link). Dort werden junge Menschen vor und während der Ausbildung begleitet – fachlich, aber auch persönlich. „Manchmal wissen sie selbst gar nicht, ob das, was sie im Betrieb erleben, normal ist“, sagt Beraterin Silke Heling. Ein Gespräch könne helfen, Probleme einzuordnen und Lösungen zu finden.

Niedrigere Abbruchquoten

Dass solche Angebote wirken, zeigen die Zahlen: An der Staatlichen Berufsschule Coburg, an der auch Julia Stang lernt, liegt die Abbruchquote bei nur 5,5 Prozent. Schulleiter Nico Höllein setzt gezielt auf Stützunterricht und externe Partner wie A+zubi. „Deshalb sind unsere Quoten deutlich niedriger als im Bundesschnitt“, sagt er.

Auch die Bildungsforscherin Christine Steiner vom Deutschen Jugendinstitut betont die Bedeutung solcher Programme. „Das ist wirklich notwendig – gerade für junge Menschen mit schwierigeren Startbedingungen“, sagt sie.

Ungleiche Chancen und begrenzte Mittel

Ausbildungschancen hingen stark vom Wohnort ab, vom regionalen Angebot und von Unterstützungsstrukturen. Gerade Jugendliche mit Fluchtgeschichte hätten es oft schwerer, weil sie das deutsche Bildungssystem nicht kennen. Doch viele dieser Initiativen kämpfen mit einem Problem: begrenzte finanzielle Mittel. In Coburg etwa laufen die Förderungen durch den Arbeitsmarktfonds des bayerischen Arbeitsministeriums bis Ende September aus. Wie es danach weitergeht, ist unklar.

Ob in München oder Coburg: Wenn junge Menschen früh Orientierung bekommen und während der Ausbildung nicht allein gelassen werden, steigen ihre Chancen deutlich. Für Adriano hat diese Unterstützung eine Welt verändert. Für Julia könnte sie der Schlüssel sein, ihre Ausbildung erfolgreich abzuschließen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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