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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Deutsche Synchronsprecher boykottieren Netflix
Kultur

Deutsche Synchronsprecher boykottieren Netflix

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 30. Januar 2026 15:47
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Originalfassungen sind zwar in Deutschland immer beliebter, viele Zuschauer schauen aber immer noch gerne Serien und Filme in der deutschen Übersetzung. Auf Netflix könnte allerdings der Nachschub an übersetzten Original-Produktionen ins Stocken geraten. Denn derzeit boykottieren zahlreiche deutsche Synchronsprecherinnen und -sprecher Produktionen von Netflix-Original-Serien.

Inhaltsübersicht
Netflix beschwichtigt in einem Schreiben an die SprecherDürfen Daten in einem KI-System landen oder nicht?

Der Grund: eine umstrittene KI-Klausel in den Verträgen, die Netflix mit den Sprechern abschließt, um die Rechteabtretung zu regeln. Neuerdings gebe es darin eine Klausel, dass die Aufnahmen von Netflix zu KI-Trainingszwecken genutzt werden dürften, heißt es in einer Mitteilung des „Verbands Deutscher Sprecher:innen“ (VDS) (externer Link), der den Boykott zwar unterstützt, jedoch nicht der Initiator ist.

Netflix beschwichtigt in einem Schreiben an die Sprecher

Es sei zwar erstmal nicht zu erwarten, dass die großen Hauptrollen von einer KI gesprochen werden würden, sagt Anna-Sophia Lumpe, Vorsitzende beim VDS dem BR. Denn Netflix wisse sehr wohl, dass in dem Moment Persönlichkeitsrechte verletzt würden, „wo sie jemanden kopieren“.

Aber es gebe eben auch Hintergrundrollen wie etwa eine kleine Unterhaltung, die bislang meist mit Berufseinsteigern besetzt werden. „Und das würde natürlich wegfallen und würde nicht mehr mit Menschen gemacht werden. Es wäre also auch schwerer in unserer Profession, eine gute Ausbildung zu bekommen.“

In einem Schreiben an die Sprecherinnen und Sprecher, das dem BR vorliegt, erklärt Netflix: „Dass wir weder ein digitales Abbild noch eine synthetische Stimme, die aus Ihrer Stimme generiert wurde, ohne Ihre separate und spezifische Zustimmung verwenden werden.“ Sollte eine solche Nutzung in irgendeiner Form in Betracht gezogen werden, würde man eine gesonderte Zustimmung einholen.

Dürfen Daten in einem KI-System landen oder nicht?

Der VDS sieht die Verarbeitung der Daten dennoch kritisch. Denn die Abgabe persönlicher Daten als Trainingsmaterial für KI-Systeme dürfe kein Branchenstandard werden. „Wir sind Kunstschaffende, keine Datenquellen“, heißt es auf der Homepage des VDS. Eine Einspeisung in KI-Systeme sei keine reguläre Auswertung ihrer Aufnahmen, sondern ermögliche das Erstellen von Kopien und Deepfakes.“

Daher gehe es bei dem Boykott letztlich um die Grundsatzfrage, „ob unsere persönlichen Daten in einem KI-System landen dürfen oder nicht – und wir halten das für nicht zulässig“, sagt die Verbandsvorsitzende Anna-Sophia Lumpe im Gespräch mit dem BR.

Bei Netflix verweist man indes darauf, dass anhaltende Aufrufe zu einem Boykott die Produktionszeiten und Produktionsinvestitionen gefährden würden. Was für die Nutzer in Deutschland bedeuten könnte, dass zunächst nur deutsche Untertitel angeboten würden und Synchronfassungen nur in anderen Sprachen vorhanden wären. Wie es nun weitergeht, ist unklar. Dem VDS sei von Netflix ein informelles Gespräch angeboten worden, bislang jedoch ohne Termin, bestätigt Anna-Sophia Lumpe dem BR.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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