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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Mehr Armut in Bayern: Das sind die Gründe. Das würde helfen.
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Mehr Armut in Bayern: Das sind die Gründe. Das würde helfen.

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 5. Februar 2026 08:49
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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In Deutschland gehören einige Menschen gleich mehrfach zu den besonders armutsgefährdeten Gruppen: Arbeitslose (64,9 Prozent), Alleinlebende (30,9 Prozent), Alleinerziehende (28,7 Prozent) und Menschen im Ruhestand (19,1 Prozent). Das geht aus der europäischen Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen hervor, die das Statistische Bundesamt veröffentlicht hat. In Bayern waren im vergangenen Jahr 1,6 Millionen von Armut bedroht. Das entspricht 12,4 Prozent der Bevölkerung im Freistaat – ein Anstieg um 0,6 Prozentpunkte im Vergleich zu 2024.

Inhaltsübersicht
Butterwegge: „Einfach weniger Geld am Ende des Monats da“VdK: Steigende Armutsgefährdung nicht überraschendAWO: Stand der Armutsgefährdung „alarmierend“Forschung: Armut ist vererbbarFolgen: Armut ist mehr als „wenig Geld“Europäischer Vergleich: Deutschland liegt im Mittelfeld

Butterwegge: „Einfach weniger Geld am Ende des Monats da“

Als einen Grund für die zunehmende Armutsgefährdung sieht der Armutsforscher Christoph Butterwegge die sich überlappenden Krisen: die Corona-Pandemie, die explodierenden Energiepreise im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg und die auch dadurch gestiegene Inflation. „Da merken die Menschen, da ist einfach weniger Geld am Ende des Monats da“, sagt er im Interview mit BR24.

Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung zur Verfügung hat. Im vergangenen Jahr lag diese Schwelle für Alleinlebende bei netto 1.446 Euro im Monat. Für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren betrug sie monatlich 3.036 Euro netto. Grundlage der Berechnung ist das Jahreseinkommen.

VdK: Steigende Armutsgefährdung nicht überraschend

Die Entwicklung der Armutsgefährdung überrascht den VdK Bayern nicht. Im Interview mit BR24 erklärt der Sozialverband, dass sich viele Menschen in „schwierigen Lebensumständen“ für eine Beratung an den VdK wenden. Vor allem die gestiegenen Wohnkosten und die Inflation setzten den Haushalten zu, „während viele Einkommen nicht im gleichen Tempo wachsen“.

Um Menschen aus der Armutsgefährdung herauszuhelfen, fordert der VdK etwa einen Preisdeckel für Grundnahrungsmittel wie Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte sowie mehr bezahlbaren Wohnraum, darunter auch Sozialwohnungen. Alleinerziehende bräuchten bessere und flexiblere Betreuungsangebote.

AWO: Stand der Armutsgefährdung „alarmierend“

Auch der Vorsitzende des Landesverbands Bayern der Arbeiterwohlfahrt (AWO) spricht im BR24-Interview von einem „höchst alarmierenden“ Stand der Armutsgefährdung. Stefan Wolfshörndl betont aber, dass gegengesteuert werden könne. Die AWO fordert unter anderem, den Mindestlohn an die Inflation zu koppeln und eine Grundsicherung, die „tatsächlich existenzsichernd“ ist.

Armutsforscher Butterwegge schlägt außerdem vor, den Sozialstaat weiter auszubauen in Richtung einer „solidarischen Bürgerversicherung“. Alle müssten einbezogen werden und Beiträge zahlen, auch Selbstständige, Freiberufler, Beamte, Abgeordnete und Minister. Wenn man einen solchen „inklusiven Sozialstaat“ schaffen würde, wäre es seiner Meinung nach möglich, die Armut zu bekämpfen.

Forschung: Armut ist vererbbar

Eine zusätzliche Herausforderung: Armut wird zunehmend von Generation zu Generation weitergegeben, erklärt die Arbeiterwohlfahrt Bayern. Das bestätigt Julia Baarck vom ifo-Zentrum für Makroökonomik und Befragungen. In einer Studie zur „sozialen Mobilität“ hat ihr Team gezeigt, dass sich die Aufstiegschancen in den vergangenen Jahren verschlechtert haben.

Untersucht wurden die Geburtsjahrgänge 1968 bis 1987 und wie stark das Einkommen der Eltern mit dem späteren Einkommen ihrer Kinder zusammenhängt. In den früheren Jahrgängen schnitt Deutschland im europäischen Vergleich relativ gut ab: Die Wahrscheinlichkeit, später mehr zu verdienen als die eigenen Eltern, war hoch. Inzwischen liegt diese soziale Mobilität in Deutschland auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie in den USA. Das heißt, sie ist relativ gering.

Folgen: Armut ist mehr als „wenig Geld“

Das sei aus mehreren Gründen problematisch, erklärt Baarck. Einerseits aus Gerechtigkeitsgründen. „Was wollen wir als Gesellschaft? Wie stark soll der Lebenserfolg vom Elterneinkommen abhängen?“ Andererseits würden damit Potenziale und Talente verschenkt, was langfristig weniger Innovation und weniger Wirtschaftswachstum bedeute. Außerdem radikalisieren sich Menschen laut Baarck häufiger, wenn sie keine Aufstiegsperspektiven für sich sehen.

Europäischer Vergleich: Deutschland liegt im Mittelfeld

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland im unteren Mittelfeld. 21,2 Prozent der Menschen waren im vergangenen Jahr von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht, 2024 waren es 21,1 Prozent. Am höchsten war die Quote 2024 in der Türkei (30,4 Prozent). Am wenigsten armutsgefährdet waren Menschen in Tschechien (11,3 Prozent), wie die europäische Statistikbehörde mitteilt (externer Link).

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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