Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine vor fast genau vier Jahren dauerte es aber einige Monate, bevor es an den Börsen wieder aufwärts ging. Seit dem Tiefpunkt im September 2022 konnte der DAX kräftig zulegen.
Langer Iran-Krieg ist das größte Risiko für Finanz- und Rohstoffmärkte
Das größte Risiko mit Blick auf den neuen Iran-Krieg ist das Szenario, dass sich die Kampfhandlungen länger hinziehen, dass weitere Länder wie Saudi-Arabien oder auch die VAE aktiv eingreifen und dass die Meerenge von Hormus für Tanker und Containertransporte dauerhaft blockiert wird.
Die Notierungen für Rohöl und für Gas sind seit Wochenbeginn massiv gestiegen. So hat der Preis für ein Fass Brent-Öl die 80-Dollar-Marke nach oben durchbrochen. Die Analysten von Barclays wollen nicht ausschließen, dass die 100-Dollar-Marke gerissen wird. Auch bei den Analysten der Nord/LB in Hannover heißt es, die Anleger müssten vor allem die Straße von Hormus im Auge behalten.
Zwischenwahlen in den USA haben großen Einfluss auf Iran-Krieg
Die anstehenden Zwischenwahlen in den USA dürften eine zentrale Rolle spielen und könnten Dauer und Verlauf des neuen Iran-Kriegs maßgeblich beeinflussen, betont Tobias Basse von der Nord/LB: „Aufgrund der bevorstehenden Midterms benötigt Donald Trump relativ zügig positive Nachrichten. Auch deshalb hat er in Interviews bisher mit Blick auf die Dauer des Konfliktes einen Zeithorizont von bis zu vier Wochen ins Spiel gebracht.“
Das heißt, je länger sich die Luftschläge auf Ziele im Iran hinziehen, desto größer die Hypothek für den US-Präsidenten im Wahlkampf.
Iran-Krieg kann auch Inflation wieder anheizen
Im ungünstigen, längerfristigen Szenario würde das weltweite Wachstum leiden, und die Inflationsraten könnten wieder steigen. Insofern lässt sich der Ukraine-Krieg mit der aktuellen Lage vergleichen, denn auch 2022 wurde die Energieversorgung empfindlich getroffen, und wichtige Lieferketten waren monatelang unterbrochen. Die Folge war ein Energieschock mit hohen Teuerungsraten, so dass die EZB im Frühling 2022 ihre jahrelange Nullzinspolitik beenden musste.
Ein solcher „negativer Angebotsschock“ könnte auch dieses Mal drohen, mit allen ungünstigen Folgen z.B. für die deutsche Chemie- und Automobilindustrie. Airlines, Reisekonzerne und Reedereien gehören seit Wochenanfang zu den größten Verlierern an den Börsen.
Hoffnung auf positive wirtschaftliche Folgen des Iran-Kriegs
Dennoch könnte der US-israelische Angriff auf den Iran langfristig auch positive Folgen haben, wenn eine der krisenträchtigsten Regionen bald zur Ruhe käme, schreibt Robert Halver von der Baader Bank in einer aktuellen Analyse für die Börse München (externer Link): „Grundsätzlich lehrt die Börsengeschichte, dass Panikverkäufe immer die schlechteste Anlegerentscheidung sind. Tatsächlich haben sich vergangene Krisen im Nachhinein mehrheitlich als überschaubar dargestellt.“
Wer breit über Indizes wie MSCI World oder FTSE All-World investiert ist, besitzt damit schon Energie- und Rüstungsanteile, die die Verluste aus anderen Sektoren zum Teil abfedern können, weil sie gerade gefragter als andere Werte sind. Wer mag, könnte sein Portfolio jetzt anpassen und krisenfester machen. Damit rücken Energiewerte, Versorgertitel und auch Edelmetalle stärker in den Fokus.
Wer schon länger an den Börsen mitmischt und auf genügend Bargeld sitzt, der schreibt womöglich schon an seiner Einkaufsliste für die Unternehmen, die man schon immer gerne im Depot gehabt hätte, oder bei denen sich das Nachkaufen lohnen könnte. Doch zunächst ist Abwarten angesagt.

