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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Wie schädlich ist Saharastaub für uns?
Wissen

Wie schädlich ist Saharastaub für uns?

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 6. März 2026 08:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Der Himmel ist gelb-rötlich, das Licht sepia-düster wie in einem Hollywood-Streifen. Kommt Regen dazu, wird die Luft zwar sauber, aber alles andere schmutzig: Rötlich gefärbte Regentropfen prasseln auf Autodächer und Fensterscheiben. Sie kleben dort fest – zumindest bis zur nächsten Waschanlage. Vor der bilden sich nach so einer Saharastaubwolke regelmäßig lange Schlangen.

Inhaltsübersicht
Größte Quelle von Feinstaub weltweitSaharastaub harmloser als Feinstaub aus dem StraßenverkehrObst und Gemüse wie üblich vor dem Essen waschenSaharastaub ist für Pflanzen ein sehr guter DüngerFrüher ein Süßwassersee, heute Wüstenlandschaft

Größte Quelle von Feinstaub weltweit

„Der Saharastaub, der zu uns herüberweht, besteht zu 60 Prozent aus Quarz“, erklärte Dennis Nowak, Umweltmediziner am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität in München, in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk im Frühjahr 2023. „Dann zu geringeren Anteilen, so zwischen 5 und 15 Prozent aus Aluminiumoxid, Eisenoxid und zu kleineren Prozentsätzen aus Kalk, Magnesiumoxid und Kaliumoxid. Also Verbindungen, die toxikologisch vergleichsweise harmlos sind.“ Und von denen auch nur sehr geringe Menge in Bayern ankommen. Denn der Weg ist mehrere tausend Kilometer weit.

Pro Jahr werden eine Milliarde Tonnen Staub aus der Sahara verblasen. Damit ist sie die größte Quelle von Feinstaub weltweit. Der Wind trägt den Staub übers Meer und quer durch Europa. Auf dieser Reise bleiben die gröberen Sandkörnchen bald zurück. Sie sind zu schwer für hohe Luftschichten oder abflauende Lüftchen. Nur die Feinsten der Feinen landen bei uns im Norden, erklärte Mark Parrington, Physiker am europäischen Erdbeobachtungsprogramm Copernicus (externer Link), im Februar 2023.

Saharastaub harmloser als Feinstaub aus dem Straßenverkehr

Grundsätzlich ist Saharastaub deutlich harmloser als verkehrsbedingter Feinstaub, belegen Studien. Das gilt auch für den europäischen Süden, für Italien, Spanien, Griechenland und Portugal, wo ja laut Deutschem Wetterdienst (externer Link) weit mehr Saharastaub ankommt, als im Norden, etwa in Bayern. Wenn es um mehr Details dazu geht, urteilt Umweltmediziner Nowak, ist die Datenlage aber eher mäßig: „Es gibt einzelne Studien mit Hinweis auf eine erhöhte Herz-Kreislaufsterblichkeit. Es gibt einzelne Studien, die ein erhöhtes Risiko für Verschlechterungen asthmatischer Erkrankungen bei Kindern gezeigt haben. Aber die Mehrzahl der Studien hat nichts gefunden, auch für Grobstaub nichts.“

Es gibt Erfahrungswerte dazu, dass Saharastaub Menschen mit Asthma zu schaffen macht. Empirische Daten fehlen. Genauso lässt sich eine Verbindung zwischen Pollenallergie und Saharastaub bisher nur vermuten. Etwa in der Richtung, dass Pollen sich mit dem Feinstaub in der Luft verbinden und dadurch aggressiver werden. Um sich zu schützen, können Allergiker und Asthmatiker vorsorglich Masken und Sonnenbrille tragen, wenn sie sich im Freien aufhalten.

Obst und Gemüse wie üblich vor dem Essen waschen

In der näheren Wüstenumgebung ist das anders: In der Sahelzone konnten Meningokokken-Infektionen auf die Übertragung durch Saharastaub zurückgeführt werden. Bis zu uns würden es diese Erreger per Staubwolke nicht schaffen, schätzt Nowak.

Auch für Saharastaub auf Obst und Gemüse in unseren Gärten gibt der Umweltmediziner Entwarnung. Was aus dem Garten oder aus dem Laden kommt, solle man wie üblich vor dem Essen waschen. Damit gehe auch der Saharastaub runter.

Saharastaub ist für Pflanzen ein sehr guter Dünger

Für Pflanzen ist Saharastaub sogar ein idealer Dünger. Die kleinen Staubkörnchen liefern nicht nur dem heimischen Gartenbeet wertvolle Nährstoffe wie Calcium, Magnesium, Eisen und Phosphor.

„Es gibt verschiedenste Studien, die zeigen, dass Saharastaub eine Rolle spielt beim Düngen von Phytoplankton im Atlantischen Ozean. Und auch dem Amazonas-Regenwald hilft er beim Wachsen“, berichtet Physiker Mark Parrington vom europäischen Erdbeobachtungsprogramm Copernicus. Die Saharastürme bringen mehr als die Hälfte der Nährstoffe, die die tropischen Pflanzen im Amazonas-Gebiet für ihr Wachstum benötigen. Das haben britische Forscher in einer Studie belegt. Ohne diese Millionen Tonnen an Phosphaten, Sulfaten und Eisenoxiden wäre die Vegetation im größten Regenwald der Welt weniger üppig.

Früher ein Süßwassersee, heute Wüstenlandschaft

Denn eigentlich ist der Saharastaub ein fruchtbarer Gruß einer nassen Vergangenheit: Die heutige Wüste der Sahara war früher ein großer Süßwassersee mit fruchtbaren Böden ringsum.

Durch Verwitterung und Erosion wurden lebenswichtige Nährstoffe zu kleinen Partikeln gepresst, die mit dem Saharastaub um die Welt reisen.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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