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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Ketamin – zwischen Medikament und Partydroge
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Ketamin – zwischen Medikament und Partydroge

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 9. März 2026 15:49
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Immer mehr, vor allem junge Menschen, konsumieren Ketamin. Auch in Bayern. Der Konsum von Ketamin steige an, bestätigt Siegfried Gift von der Suchtberatungsstelle Condrops e. V. in München. Seit drei Jahren beobachtet er diesen Anstieg. In der Münchner Suchtberatungsstelle, die sich um Abhängigkeitsprobleme von jungen Menschen bis zum Alter von etwa 21 Jahren kümmert, sieht er 16- bis 18-Jährige, die Ketamin im „Partysetting“ konsumieren, aber auch bereits 14-Jährige.

Inhaltsübersicht
Ketamin eine harmlose Partydroge?Wie wirkt Ketamin?Wie gefährlich ist Ketamin? Nebenwirkungen und SuchtgefahrWann ist die Einnahme von Ketamin sinnvoll?Wie wirkt Ketamin bei einer Depression?

Ketamin eine harmlose Partydroge?

Doch ist Ketamin wirklich nur eine vermeintlich harmlose Partydroge, als die es insbesondere in den sozialen Medien häufig dargestellt wird? Was Ketamin ist, wem es helfen kann und warum die unkontrollierte Einnahme äußerst gefährlich ist – Antworten auf wichtige Fragen.

Ketamin ist ein seit über 50 Jahren eingesetztes Narkosemittel. Experimentell kommt es auch in der Schmerztherapie zur Anwendung. Eine Zulassung hat Ketamin als Nasenspray (Handelsname z.B. Spravato) seit Ende 2019 auch zur Behandlung schwerer Depressionen.

Wie wirkt Ketamin?

Niedrig dosiert wirke Ketamin ähnlich wie Alkohol, sagt Gift, der die Abteilung Jugend-, Sucht- und Familienhilfen bei Condrops in München leitet. Entspannend, stimmungsaufhellend, „ein Stoff, den man nimmt, damit es einem besser geht.“

Hochdosiert konsumiert hat Ketamin eine halluzinogene Wirkung. Das bestätigt auch Martin Walter, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Jena: „Das Bewusstsein verändert sich so ähnlich, wie man es vielleicht von anderen Drogen kennt.“

Wie gefährlich ist Ketamin? Nebenwirkungen und Suchtgefahr

Doch ein übermäßiger Konsum hat Nebenwirkungen: Er kann zu einem Anstieg des Herzschlags und des Blutdrucks führen, Gefäße im Gehirn schädigen und auch die Blase irreparabel schädigen, nämlich dann, wenn „Menschen nicht selten auch durch die Nase relativ viel auf einmal schnupfen“, sagt der Mediziner. In der Folge könnten dadurch irreparable Schäden im Gehirn entstehen.

Ein weiteres Problem: Suchtberater Siegfried Gift beobachtet bei den jungen Menschen, die er betreut und die Ketamin in höheren Dosen einnehmen, ein „psychisches Verlangen“ nach dem Mittel. Auch Walter sieht eine Suchtgefahr, wenn Menschen Ketamin einfach so, ohne Diagnose und ärztliche Überwachung, einnehmen. Sich damit auf vermeintlich einfache Art und Weise den alltäglichen Problemen entziehen zu wollen, führe leider dazu, dass die Einnahme schneller zur Gewohnheit werde, als die Betroffenen vielleicht zunächst glauben möchten, ist seine Beobachtung.

Wann ist die Einnahme von Ketamin sinnvoll?

Der Einsatz von Ketamin – in geringen Dosen und ärztlich überwacht – ist in manchen Situationen durchaus sinnvoll. Etwa in der Schmerzmedizin, wo es experimentell eingesetzt werde, erklärt Walter. Oder eben als Antidepressivum, als das der Wirkstoff Esketamin, ein Derivat von Ketamin, in Form eines Nasensprays zugelassen und eine Kassenleistung ist.

Seit etwa sechs, sieben Jahren werden Patienten mit einer schweren Depression mit Ketamin behandelt. In der aktuellen Leitlinie (externer Link) zur Behandlung von Depressionen gibt es sogar eine Empfehlung dazu, Ketamin unter gewissen Voraussetzungen anzuwenden. Nämlich dann, wenn mindestens zwei Therapien gegen die Depression nicht angeschlagen haben. Das ist laut Psychiater Walter immerhin bei bis zu 50 Prozent aller depressiven Patienten der Fall.

Wie wirkt Ketamin bei einer Depression?

„Genau wissen wir noch nicht, wie der Wirkmechanismus für den antidepressiven Effekt zustande kommt. Es gibt verschiedene Theorien. Eine, die besonders gut erforscht ist, besagt, dass Ketamin zunächst eine Enthemmung an erregenden Synapsen, genauer gesagt im Glutamatsystem bewirkt“, sagt Walter. Vereinfacht gesagt, führt dies dazu, dass Informationen schneller, besser und intensiver verarbeitet werden können – und die Menschen dadurch weniger depressiv werden.

Derzeit läuft am Uniklinikum Jena eine Studie, bei der die Wirksamkeit von Ketamin bei depressiven Menschen in Verbindung mit einer Psychotherapie erforscht wird. Die Ergebnisse dazu sollen in etwa anderthalb Jahren veröffentlicht werden. Studienleiter Martin Walter hofft, so seinen Patientinnen und Patienten mit einer therapieresistenten Depression in Zukunft noch besser helfen zu können.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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