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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Genialer PR-Gag“: Putins schärfster Kritiker in der Psychiatrie
Kultur

„Genialer PR-Gag“: Putins schärfster Kritiker in der Psychiatrie

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 21. März 2026 16:47
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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„Er ist ein Idiot, aber er ist nicht verrückt“, behauptete die kremltreue Politikberaterin Marina Judenich [externer Link] nach der 24-stündigen Aufregung um den Blogger und Ex-Propagandisten Ilja Remeslo, der in nie gekannter Schärfe das Putin-Regime attackiert hatte. So hatte er den Rücktritt des russischen Präsidenten verlangt („wahnsinnige, fast schon krankhafte Gier nach Luxus“) und gefordert, ihn als Kriegsverbrecher vor Gericht zu stellen. Zwar soll sich Remeslo jetzt in einer Psychiatrischen Klinik in St. Petersburg befinden, sein Telegram-Kanal ist jedoch nach wie vor online [externer Link].

Inhaltsübersicht
„Werde ihn niemals für einen Dummkopf halten“„Sehr clever“„Gewalt ist legitim, Frieden nicht“

„Werde ihn niemals für einen Dummkopf halten“

Es ist höchst aufschlussreich, wie die russische Öffentlichkeit den aufsehenerregenden Fall samt der Einweisung in die Psychiatrie zu „bewältigen“ versucht. Kaum jemand glaubt, dass Remeslo, der aus westlicher Sicht nur die Wahrheit aussprach, wirklich die „Nerven verloren hat“, wie TV-Propagandist Wladimir Solowjow behauptete.

So schrieb die russische Ex-Abgeordnete Darja Mitina [externer Link]: „Ein genialer PR-Gag des Kremls. Die Moral von der Geschichte: Jeder, der sich der Regierung widersetzt, gehört innerhalb von 24 Stunden in eine Nervenheilanstalt. Das ist billig, witzig, unmissverständlich und optisch ansprechend.“ Fast wortgleich äußerte sich Politikberaterin Maria Sergejewa [externer Link]: „Natürlich ist das Narrativ, dass sich nur ein Wahnsinniger Putin widersetzen könnte, so einleuchtend, dass es erfunden worden sein könnte.“

„Sehr clever“

Die prominente russische Fernseh-Publizistin Xenija Sobtschak spottete [externer Link] mit Blick auf den gerade mal eintägigen Protest von Remeslo: „[Der amerikanische Schriftsteller Ernest] Hemingway wettete einmal, wer die kürzeste und traurigste Geschichte schreiben würde. Er verlor und Ilja gewann. Die große sowjetische Strafpsychiatrie machte es möglich.“

„Verzeihen Sie mir, aber ich werde Remeslo niemals für einen Dummkopf oder Psychopathen halten. Er ist ein gerissener Fuchs und ein erfahrener Medienprofi“, so Polit-Blogger Alexei Schiwow [externer Link]: „Er wurde zu Wladimir Putins schärfstem Kritiker, und demnächst wird er wohl ein Attest erhalten, dass er geisteskrank ist. Ausgebrannt vom Job. Und das bedeutet, dass er das Beantworten unangenehmer Fragen erst mal lange aufschieben muss. Sehr clever.“

„Gewalt ist legitim, Frieden nicht“

Der Kreml versuche die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass diejenigen, die Putin widersprechen, „nicht ganz bei Trost“ seien, argumentiert ein weiterer russischer Beobachter [externer Link]: „Das Gesundheitsministerium gab kürzlich Empfehlungen heraus, wonach russische Frauen, die keine Kinder wollen, zu einem Psychologen geschickt werden sollten. In Putins Russland ist nicht mehr klar, was als normal und was als psychisch gestört gilt. Gewalt ist völlig legitim, Aufrufe zum Frieden hingegen nicht.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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