Lange Schlange vor dem Club. Wer hier ansteht, ist Fan. Allerdings nicht von einer Band oder einem Musiker, sondern von einer Fernsehserie. Im Ampere in München feierten vergangene Woche Fans von „Heated Rivalry“ die ganze Nacht lang. Statt sich zu Hause auf der Couch die besten Folgen noch einmal anzusehen, trifft man sich hier lieber auf der Tanzfläche.
Neue Form des Fan-Erlebnisses
Die kanadische Serie „Heated Rivalry“, die mit einem sparsamen Budget und unbekannten Schauspielern gedreht wurde, wurde innerhalb weniger Wochen zu der aktuell meist besprochenen Serie, die Hauptdarsteller zu den momentan wichtigsten Newcomern.
Im Netz macht sich der Hype ebenfalls bemerkbar. Auf TikTok teilen Fans ihre Lieblingsausschnitte von Ilya und Shane, den beiden Hauptfiguren. Sie sind Profi-Eishockeyspieler. Auf dem Eis sind die beiden Erz-Rivalen, spielen in verfeindeten Mannschaften. Doch in Hotelzimmern und Umkleidekabinen entsteht zwischen ihnen eine romantische Beziehung, die allerdings geheim bleiben muss.
Die Zusammenschnitte und Best-of’s der Serie auf TikTok dagegen, die sind für die ganze Welt bestimmt. Und werden aktuell in internationalen Clubs, aber auch in Clubs in Erlangen, Ingolstadt, Regensburg oder eben in München an speziellen „Heated Rivalry“-Abenden an die Wände projiziert. Dazu legt ein DJ den Serien-Soundtrack und weitere Pop-Hits auf, zu dem ein meist weibliches und queeres Publikum die ganze Nacht lang tanzt. Die Events dieser Art sind oft schon Wochen im voraus ausverkauft.
Wieso funktioniert eine Serie als Club-Event?
Dass eine Serie so gut auch als Club-Event funktionieren kann, wundert die Literaturwissenschaftlerin Christine Lötscher nicht: „Je digitaler die Welt wird, desto größer wird auch das Bedürfnis nach dem analogen und physischen.“ Bei der Serie „Heated Rivalry“ sei dieses Bedürfnis besonders groß, da es thematisch auch in der Serie um das physische Erleben geht. Die sechs Folgen der ersten Staffel handeln von Sex, Sport und sämtlichen Versuchen, als heimliches Paar zusammen zu sein.
Hinter den Partys stecke aber noch ein weiterer Aspekt, sagt Lötscher: „So ein Feiern, so ein Kreieren eines Safe Spaces in einem Club ist auch ein Zeichen der Solidarität für queere Menschen. Um zu zeigen: Man kann auch in der Öffentlichkeit zusammen sein.“ Die Serie wird im Netz auch deswegen gefeiert, weil sie eine queere Liebesgeschichte im Profi-Sport sichtbar macht.

