Los ging es vor 30 Jahren – 1996, nachdem Grundig in die Krise geraten war und Trausende vor der Arbeitslosigkeit standen, wurde „My Pegasus. Gesellschaft für Personalentwicklung und Qualifizierung“, kurz GPQ, gegründet. Sie sollte die Arbeitnehmer auffangen und ihnen helfen, neue Jobs zu finden. Das ist damals größtenteils gelungen – und bis heute gibt es immer wieder Phasen, in denen Transfergesellschaften wichtig für die Arbeitsmarktpolitik werden. Gerade steigt der Bedarf wieder rasant an, für Menschen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind.
Entlassung nach mehr als 17 Jahren
Menschen wie Alberto Zuniga etwa sind betroffen, der 17 1/2 Jahren als Industriemechaniker bei einem Laserhersteller in Fürth beschäftigt war. Doch nun sei Schluss, erzählt der 57-Jährige: „Weil wir mit der Automobilindustrie sehr verbunden und die Aufträge nicht mehr gegeben sind. Deswegen musste die die komplette Abteilung zumachen. Davon bin auch ich betroffen.“ Seit 1. Mai ist er deshalb bei der GPQ angestellt und sucht mit seiner Personalberaterin nach einer neuen Perspektive, beispielsweise über eine Weiterbildung. Seine Firma hat 27 Beschäftigte in die Transfergesellschaft überführt.
Was macht eine Transfergesellschaft?
Diese hat als einzigen Zweck, von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen aufzufangen. Für die Arbeitnehmer ist der Wechsel in die Transfergesellschaft freiwillig. Höchstens ein Jahr lang werden sie dort angestellt und bekommen in der Regel etwa 80 Prozent ihres vorherigen Nettogehalts. Dieses wird durch das Transfer-Kurzarbeitergeld der Arbeitsagenturen finanziert. Der entlassende Betrieb übernimmt u.a. die Sozialversicherungsbeiträge, Kosten für Qualifizierungen und den Transferträger. Für die Arbeitgeber hat eine solche Einigung den Vorteil, dass sie die Beschäftigten ohne die Einhaltung von Kündigungsfristen sofort abgeben können, zudem hat es weniger negative Auswirkungen auf ihr Image, wenn der Stellenabbau sozialverträglich erfolgt.
30 Jahre Transfergesellschaft: Hochzeiten mit Grundig und AEG
Begonnen hat in Nürnberg alles vor 30 Jahren – nachdem Grundig in die Krise geraten war und Tausende vor der Arbeitslosigkeit standen. Seither verläuft die Arbeit der Transfergesellschaft in Wellen. Höhepunkt war, als 2006 mit der Schließung des AEG-Stammwerks in Nürnberg rund 1.700 Arbeiter auf der Straße standen.
Herbert Hansel war von Anfang an dabei. Er hat die GPQ mit gegründet, war 26 Jahre lang ihr Geschäftsführer und blickt nun stolz auf das Erreichte: „Insgesamt haben wir in der GPQ über 27.000 Menschen aufgefangen, pro Jahr kann man sagen um die 900 oder 1.000. Da waren große Sachen dabei: AEG, Grundig. Wir haben seitdem immer versucht, die Menschen wieder in Lohn und Brot zu bringen.“
Bedarf steigt deutlich an
Das ist ihnen in den allermeisten Fällen auch gelungen – die Vermittlungsquote der GPQ liegt bei über 80 Prozent. Doch aktuell ist der Arbeitsmarkt wieder sehr angespannt. Im Oktober 2025 wurden in Bayern mehr als 2.000 Personen in Transfergesellschaften betreut, rund 800 mehr als noch ein Jahr zuvor.
Trotzdem hofft Alberto Zuniga, dass es auch bei ihm klappen wird: „Ich schaue jeden Tag in meine Mails und gucke, was neu reingekommen ist an Angeboten, und dann versuche ich, was Positives daraus zu machen.“ Dank der Weiterbeschäftigung in der Transfergesellschaft hat er nun ein Jahr Zeit, um mit deren Unterstützung einen neuen Job zu finden.

