Im Silicon Valley macht ein neues Schlagwort die Runde: „Permanent Underclass“. Gemeint ist eine dauerhafte digitale Unterschicht: Menschen, deren Arbeit durch Künstliche Intelligenz (KI) ersetzt wird und die wirtschaftlich kaum noch mithalten können.
Die Sorge dahinter: KI könnte nicht nur einzelne Jobs verändern, sondern ganze Berufsgruppen verdrängen – und die Gewinne dabei vor allem bei wenigen großen Technologieunternehmen konzentrieren.
Angst vor einer neuen digitalen Klassengesellschaft
Vor allem in sozialen Netzwerken der Tech-Szene verbreitet sich derzeit die Vorstellung, dass KI den Arbeitsmarkt grundlegend umkrempeln könnte. Wer Zugriff auf Kapital, Rechenleistung und KI-Systeme hat, könnte künftig Arbeit automatisieren, für die heute noch Menschen bezahlt werden.
Der Begriff „Permanent Underclass“ beschreibt dabei eine mögliche neue gesellschaftliche Spaltung: Auf der einen Seite stehen Unternehmen und Einzelpersonen, die KI besitzen oder kontrollieren. Auf der anderen Seite Menschen, deren Arbeit durch KI ersetzt oder entwertet wird.
Besonders in der Tech-Branche selbst wächst diese Unsicherheit. Viele Entwicklerinnen und Entwickler beobachten, wie KI inzwischen programmieren, Texte schreiben, Präsentationen erstellen oder Marketing-Kampagnen entwerfen kann. Manche sprechen bereits von einem Wettlauf darum, sich möglichst schnell an die neue Technologie anzupassen.
Erste Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt
Dass KI den Arbeitsmarkt verändert, zeigen inzwischen auch erste Zahlen. In den USA lag die Arbeitslosenquote unter Hochschulabsolventen zuletzt zeitweise höher als die allgemeine Arbeitslosenquote – ein ungewöhnlicher Effekt. Analysten von Oxford Economics (externer Link) führten das unter anderem auf Automatisierung durch KI zurück.
Besonders betroffen sind offenbar Einstiegsjobs im Tech-Bereich. Gleichzeitig entstehen aber auch neue, hochbezahlte Stellen rund um KI-Entwicklung und KI-Infrastruktur. Beobachter sprechen deshalb von einer zunehmenden Spaltung innerhalb der Arbeitswelt.
Viele Beschäftigte versuchen bereits, sich auf mögliche Veränderungen vorzubereiten. Einige wechseln in Berufe, die schwer automatisierbar erscheinen, zum Beispiel im Handwerk. Andere setzen bewusst auf Arbeit, die als besonders „menschlich“ gilt, etwa kreative oder soziale Berufe.
Zwischen Hype und echter Sorge
Angetrieben wird die Debatte auch von Prognosen aus der KI-Forschung selbst. Der frühere OpenAI-Mitarbeiter Leopold Aschenbrenner behauptete (externer Link), KI werde bis 2027 „die menschlichen Fähigkeiten erreichen oder sogar übertreffen“.
Dahinter steckt die Vorstellung, dass KI irgendwann noch leistungsfähigere KI-Systeme selbstständig entwickelt. Menschliche Arbeit könnte dadurch zunehmend überflüssig werden, erst bei digitalen Tätigkeiten, später womöglich auch in anderen Bereichen.
Nicht alle Experten teilen diese Einschätzungen. Viele Wissenschaftler weisen darauf hin, dass technologische Umbrüche schon früher Ängste vor Massenarbeitslosigkeit ausgelöst haben, zum Beispiel mit dem Einzug des Internets. Historisch sind zwar bestimmte Berufe verschwunden, gleichzeitig aber auch neue entstanden.
Dass KI Beschäftigung nicht einfach vernichtet, sondern Jobprofile verändert, zeigt auch eine Studie des Kiel Instituts (externer Link). In manchen Bereichen wirkt sich KI allerdings stärker auf den Arbeitsplatz aus: zum Beispiel in der Bilderkennung, Übersetzung oder auf Büro- und Verwaltungsberufe.
Wer von KI profitiert
Der wirtschaftliche Nutzen von KI verteilt sich trotzdem bisher ungleich. Große Tech-Konzerne investieren Milliarden in Rechenzentren, Chips und eigene KI-Modelle. Unternehmen wie OpenAI, Google oder Meta verfügen über enorme Datenmengen, Kapital und Infrastruktur. Kritiker warnen deshalb davor, dass sich wirtschaftliche Macht weiter auf nur wenige Köpfe konzentrieren könnte.

